Als ein Erdogan-Fan bei "Maischberger" seine Lobeshymne auf die Türkei beendet hat, wird es wild

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Als ein Erdogan-Fan bei "Maischberger" seine Lobeshymne auf die Türkei beendet hat, wird es wild | ARD/Screenshot
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  • "Erdogan – Deutschland: Kann die Eskalation gestoppt werden?"
  • Das war das Thema in der TV-Talkshow von Sandra Maischberger
  • Ein AKP-Mitglied brachte die Diskussion dann tatsächlich zum überkochen

Unentwegt schießt die Türkei Nazi-Vergleiche und Drohungen gen Deutschland.

Weil der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan immer härter gegen politische Gegner vorgeht und dutzende deutsche Staatsbürger aus fadenscheinigen Gründen in türkischen Gefängnissen sitzen, hat Kanzlerin Angela Merkel schließlich die EU-Beitrittsverhandlungen des Landes in Frage gestellt.

Die Spirale der Eskalationen dreht sich unentwegt weiter - doch wie lange noch?

Das fragten sich die Gäste in der Talkshow von Sandra Maischberger. Dort sorgte insbesondere der Erdogan-Unterstützer und glühende AKP-Anhänger Tugrul Selmanoglu für Wirbel.

Doris Akrab: "Herr Erdogan hat nichts in der EU zu suchen"

Zur Halbzeit der Sendung hatte die "taz"-Journalistin Doris Akrap klargestellt, dass ein Ende der EU-Beitrittsverhandlungen - und damit auch der gemeinsamen Gespräche - dem türkischen Präsidenten nütze.

Aber: "Es geht nicht darum, dass die Türkei nichts in der EU zu suchen hat. Herr Erdogan hat nichts in der EU zu suchen", betonte Akrab.

Selmanoglu schaltete sich in die Diskussion ein. Er wollte wissen, wieso Deutschland Druck auf die Türkei ausgeübt. Er verstehe den Grund für Wirtschaftssanktionen nicht. "Was hat Ihnen Erdogan angetan?", fragte er Akrab.

Journalistin Akrab antwortete leicht verwundert und amüsiert in seine Richtung: "Es scheint nicht allen ganz klar zu sein, was Menschenrechte sind..."

Selmanoglu sagte daraufhin, ihm sei "ganz wohl klar", was Menschenrechte sind. "Und ich bin mir sicher, dass in der Türkei die Menschenrechte eingehalten werden."

Türken würden in eine unsichere Zukunft blicken

Die Studio-Gäste schienen wenig überzeugt. Erdogan-Fan Selmanoglu versuchte es deshalb über die Opfer-Schiene:

"Warum möchte man das nicht verstehen, es ist ein Jahr her. Wir haben einen Putschversuch hinter uns. Wir werden von drei verschiedenen Terrororganisationen angegriffen. Tagtäglich explodieren Bomben. Die Menschen blicken in eine unsichere Zukunft."

Zwar sei die Türkei nicht Finnland oder Schweden, gibt das AKP-Mitglied zu. Er betonte, "natürlich muss der Rechtsstaat eingehalten werden".

Aber "außergewöhnliche Zeiten benötigen außergewöhnliche Maßnahmen", erklärte Selmanoglu. Der Ausnahmezustand in der Türkei sei "ultra-light".

Was dann folgte, war nur noch ein Sprachgewirr. Moderatorin Maischberger hakte nach, Selmanoglu wollte antworten, doch die anderen Gäste funkten wild dazwischen.

"Vielstimmiges Chaos", rief Maischberger schließlich.

Mehr Solidarität für die Türkei

Dann forderte Selmanoglu mehr Solidarität von Europa. Die EU würde nur streiten, ob sie "uns zuerst isolieren soll, uns zuerst den Geldhahn zudreht oder die Beitrittsgespräche beendet". Selmanoglu schimpfte: "Dieser Ton ist genau das, was die Situation zum eskalieren bringt."

Die Einschätzung der EU mag richtig sein - doch zur derzeitigen bilateralen Eskalation hat vor allem einer beigetragen: Recep Tayyip Erdogan.

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