"Perfektion ist langweilig": Diesel traut sich etwas, das in der Mode lange als Tabu galt

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  • Das Modelabel Diesel hat eine neue Werbekampagne gestartet
  • Das Bemerkenswerte: Im Spot dazu sind keine perfekten Models, sondern Menschen mit kleinen Makeln zu sehen
  • Das Ergebnis seht ihr im Video oben

Makellose Haut, weiße Zähne, perfekt in Form gezupfte Augenbrauen - so kennt man Models aus der Mode-Werbung in der Regel.

Das italienische Modelabel Diesel hat davon jetzt offenbar genug. “Perfektion ist langweilig” steht seit Mittwoch auf dem Instagram-Account von Diesel. Von nun an wolle das Unternehmen das Unperfekte feiern: "auf einen unperfekten, neuen Anfang".

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Zum Start der neuen Kampagne geht Diesel einen drastischen Schritt: Alle bisherigen Posts auf dem Instagram-Account sind gelöscht - ab jetzt soll nur noch das Besondere gezeigt werden.

Die Kampagne steht unter dem Motto “Go with the flaw”. Der Slogan ersetzt das flow in der beliebten englischen Redewendung “go with the flow” (“mit dem Strom schwimmen”) durch flaw - auf deutsch Fehler.

Weit weg von makelloser Idylle

“Heutzutage ist es Konformität, der Perfektion nachzujagen", heißt es in einer Pressemitteilung von Diesel. "Schaut bloß in die sozialen Netzwerke: perfekter Urlaub, perfekte Bilder, perfektes Leben, gemäß dem Status quo leben. Alle schwimmen mit dem Strom."

Doch damit reicht es dem Label offenbar.

Das zeigt sich auch am neuen Spot der Kampagne. Statt Perfektion sind da nämlich Frauen und Männer mit Makeln zu sehen. Unreine Haut, wenig hippe Tattoos, schielende Augen, fast zusammengewachsene Augenbrauen, Zahnspangen, fettige Haare, Augenringe - die Models im neuen Diesel-Spot sind weit von perfekt entfernt.

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Auch die Locations im Video haben nichts mit einer makellosen Idylle zu tun. Die Models tanzen vor einem kaputten Auto, in eine Gefängniszelle hinein, auf einer Brücke mit Industriecharme, neben einem Bus oder im Flughafen an der Personenkontrolle - zu Edith Piafs Chanson-Klassiker “Je ne regrette rien”.

Flaws never run out of luck. #GoWithTheFlaw

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“Einzigartig zu sein ist viel schöner als perfekt zu sein”, heißt es dazu von Diesels Kreativdirektor Nicola Formichetti.

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Es ist nicht das erste Mal, dass das Modelabel mit einer außergewöhnlichen, gesellschaftskritischen Werbekampagne für Aufsehen sorgt. Ein Motiv aus dem Jahr 1995 zeigte zum Beispiel zwei sich küssende Seemänner.

"Make love not walls"

Schon für die Frühjahrskollektion ließ sich Diesel etwas Besonderes einfallen. Mit dem Regisseur David LaChapelle entwickelte das Label eine Kampagne, die für das Einreißen geistiger und physischer Mauern zwischen Menschen und für mehr Diversität stehen sollte.

Das Motto: "Make love not walls". Es ist wohl nicht nötig zu erwähnen, auf welches politische Ereignis Diesel mit diesem Claim anspielen will.

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(lk)

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