Die AfD wirbt mit einem Plakat um Russlanddeutsche - und wirft dabei ihre Prinzipien über Bord

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  • Die AfD wirbt wie keine andere Partei um die Stimmen der Russlanddeutschen
  • Dafür wirft sie gerne auch mal ihre Prinzipien über Bord
  • Jüngstes Beispiel: Ein AfD-Plakat auf Russisch, das sich in den sozialen Netzwerken verbreitet

Die AfD greift im Bundestagswahlkampf zu ungewöhnlichen Mitteln, ihre Wählerschaft zu erreichen.

In den sozialen Netzwerken macht derzeit ein Foto eines Plakats mit kyrillischen Schriftzeichen die Runde.

Das Plakat ist von Christina Baumann, AfD-Landtagsabgeordnete in Baden-Württemberg. Mit dem Plakat wolle man russische Spätaussiedler ansprechen, heißt es auf Anfrage.

Auf Russisch steht dort: "Gemeinsam für unser Deutschland". Außerdem wirbt das Plakat gegen die von Russen verhassten Sanktionen, die die EU in Folge der Krim-Annexion gegen das Putin-Regime verhängt hat.

Das ist auf den ersten Blick ungewöhnlich für eine Partei, die sich für den "Erhalt des deutschen Staatsvolks" starkmacht, Einwanderer bei jeder Gelegenheit für angeblich schlechten Deutschkenntnisse kritisiert und mehr Deutsch an den Universitäten fordert.

Doch für die Stimmen der Russlanddeutschen wirft die Partei diese Prinzipien gerne über Bord. Schon seit Monaten wirbt die AfD gezielt wie keine andere Partei um die Stimmen dieser Gruppe.

Das Wahlprogramm und auch Flyer druckt die AfD auf Russisch. Es gibt sogar russische Internetseiten der Partei.

Die AfD wirbt auch in russischen sozialen Netzwerken um Wähler, etwa auf VKontakte, dem russischen Äquivalent von Facebook, wo auch tausende Russlanddeutsche Mitglied sind.

Die Arbeit zahlt sich aus. Denn die Stimme der Russlanddeutschen haben Gewicht.

Wichtige Wählergruppe

Sie sind die größte wahlberechtigte Einwanderergruppe in Deutschland. Laut Einschätzung des Wahl- und Integrationsforschers Andreas Wüst vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung macht sie drei Prozent der Wählerschaft aus.

Welchen gewaltigen Einfluss das auf den Wahlausgang haben kann, zeigte sich bei den vergangenen Landtagswahlen in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Dort holte die AfD Ergebnisse in Gemeinden, wo besonders viele Russlanddeutsche leben, bis zu vierzig Prozent der Stimmen.

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(ben)

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