"Wie im Mittelalter": Arabische Airline will Passagier aus Berlin nicht mitnehmen

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KUWAIT AIRWAYS
"Wie im Mittelalter": Arabische Airline will Passagier aus Berlin nicht mitnehmen | dpa
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  • Die Fluggesellschaft Kuwait Airways will einen israelischen Passagier aus Berlin nicht mitnehmen
  • Er hat die Airline wegen Diskriminierung verklagt
  • Doch es sieht nicht gut aus für ihn - sein Anwalt ist empört

Das Flugticket Frankfurt-Bangkok war gebucht, über einen Reiseanbieter im Internet. Bezahlt war es auch, am 30. Juni 2016 sollte es losgehen. Dann stornierte Kuwait Airways plötzlich das Ticket des in Berlin lebenden Kunden. Weil er israelischer Staatsbürger ist.

Dagegen hat der Mann geklagt, am Dienstag verhandelte das Landgericht Frankfurt, wie verschiedenen Medien berichten.

Der Mann fühlt sich diskriminiert und will zumindest später noch mit Kuwait Airways nach Thailand fliegen.

Die Airline argumentiert, bei dem Flug sei eine Zwischenlandung in Kuwait vorgesehen, und nach Kuwait dürften Israelis nicht einreisen. Das sei gesetzlich verboten.

Es sieht so aus, als würde der Israeli verlieren

Eine Entscheidung will der Richter den Berichten nach erst Mitte November treffen, er will erst noch die deutsche Übersetzung der kuwaitischen Gesetze vorliegen haben.

Aber es zeichnet sich ab, dass der Passagier verlieren könnte. Laut "Süddeutscher Zeitung" argumentierte der Richter, dass zwar laut deutschem Luftverkehrsgesetz Airlines Passagiere mitnehmen müssen – aber nicht, wenn es unzumutbar ist. Wenn kuwaitische Gesetze dem entgegenstehen, könnte das der Fall sein.

Der Anwalt des Mannes reagierte laut "Süddeutscher Zeitung" erbost: "Es kann doch nicht sein, dass wir in Deutschland mittelalterliche Gesetze gelten lassen."

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Kuwait Airways musste eine Verbindung USA-Europa streichen

Auch Juristen in den USA hatten sich schon mit der Praxis auseinandergesetzt: Die Airline darf aus den USA nach Kuwait fliegen, ohne Israelis mitzunehmen – die USA akzeptieren in diesem Fall, dass der Airline wegen der Gesetze in Kuwait die Hände gebunden sind.

Was nach US-Sicht aber nicht geht: Dass die Airline Israelis als Passagiere für Flüge zwischen New York und London ablehnt. 2016 stellte die Airline daher diese Flüge ein.

Wie weit die Diskriminierung von Israelis verbreitet ist, zeigt eine Studie zweier Forscher der University of Minnesota aus dem Februar: Sie haben mehr als 100 internationale Airlines näher angesehen - und insbesondere bei Fluggesellschaften in Staatsbesitz aus antisemitisch geprägten Staaten offene Diskriminierung dokumentiert.

So haben einige Airlines das Wort "Israel" kurzerhand von der Karte ihrer Flugziele getilgt, wie Screenshots zeigen, etwa die der saudischen Saudia ...

saudia

... und von Kuwait Airways:

kuwait

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(ujo)

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