Kaufhaus reagiert auf Kritik von 8-Jähriger - und wird deshalb jetzt von Tausenden boykottiert

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SHOPPING CHILDREN
Ein Mädchen hat Kritik an der Kleidung eines Kaufhauses geäußert (Symbolbild). | FatCamera via Getty Images
Drucken
  • Vor einem Jahr hat sich ein kleines Mädchen online über sexistische Kleidung beschwert
  • Kurz darauf führte eine britische Kaufhauskette ein neues Sortiment ein
  • Jetzt rufen Konservative im Internet zum Boykott auf

Daisy Edmons ist acht Jahre alt. Letztes Jahr war sie mit ihrer Mutter in einer Filiale der britischen Supermarktkette Tesco. Doch gekauft haben die beiden nichts - sondern ein Video aufgenommen.

Darin macht Daisy ihrem Ärger über die sexistischen Auszeichungen auf der Kleidung bei Tesco Luft. Internetnutzer haben die Aufnahmen mittlerweile tausendfach geteilt und kommentiert.

Auf den T-Shirts für Jungs steht "Desert Adventure Awaits", (Ein Abenteuer in der Wüste wartet auf dich), "Think Outside the Box" (Denk um die Ecke) und "Hero" (Held), während die Mädchen-Pullover mit "Beautiful" (Schön), "Hey!" und "I Feel Fabulous" (Ich fühle mich fabelhaft) bedruckt sind.

Sexismus in der Kinderabteilung

"Das ist unfair, weil jeder denkt, Mädchen sollen einfach nur schön sein - und Jungs einfach nur abenteuerlustig", kommentiert Daisy die Sprüche. "Ich finde das falsch, warum sollte Jungs- und Mädchen-Kleidung überhaupt getrennt werden?."

John Lewis, einer der größten Einzelhändler in England, hat nun auf Daisys Wunsch gehört. Am Montag verkündete die Kette in einer Pressemitteilung, dass es ab sofort keine Geschlechter-Kennzeichnungen in der Kinderabteilung mehr gibt. Stattdessen tragen die Preisschilder nur noch die Bezeichnungen "Mädchen & Junge" oder "Junge & Mädchen".

John Lewis Unisex Kollektion mit Dino-Print (Credit: John Lewis)

Caroline Bettis, Leiterin der Kinderabteilung, begründete den drastischen Schritt in einer Pressemitteilung. Sie wolle die Geschlechterrollen auf keinen Fall noch weiter verstärken, schreibt sie. "Wir wollen unseren Kunden einfach eine größere Auswahl bieten. Die Eltern oder die Kindern können dann einfach selbst entscheiden, was sie anziehen wollen."

John Lewis verkauft auch weiterhin Blumenkleider und Röcke - die sind jetzt aber auch mit "Mädchen & Junge" gekennzeichnet. Der Einzelhändler hat sogar beschlossen, ab jetzt im kompletten Kindersegment keine Unterabteilungen mehr zu führen.

Die Internetnutzer sind erst mal nicht begeistert

Daisy wird sich darüber sicher freuen - aber das geht nicht allen so. Denn: Im Internet hagelt es Kritik - und sogar zahlreiche Boykottaufrufe:

"Boykottiert John Lewis, sie machen unsere Jungs zu Mädchen. Kein Wunder, dass wir überrannt werden. Bald kämpfen unsere Soldaten auch noch mit Handtaschen", schreibt ein Mann auf Twitter.

Mehr zum Thema: Studie zeigt: Das passiert wirklich mit kleinen Jungen, die stereotypische Mädchenfilme schauen

"Ich weiß, wo ich KEINE Klamotten für meine Kinder kaufen werde", schimpfte eine Mutter.

Selbst Politiker mischen sich in die Debatte ein

Der Aufruhr um die Kinderkleidung hat sogar die Politik erreicht. Der britische Abgeordnete Andrew Bridgen hat "keine Ahnung, was in John Lewis gefahren ist". Er könne sich nicht vorstellen, dass viele Kunden Kleider für ihre sechsjährigen Söhne kaufen würden, sagte er der "Daily Mail" "Männer und Frauen und Jungs und Mädchen sind biologisch unterschiedlich. Die Schilder sind doch informativ. Wenn man sie entfernt, sind die Kunden vielleicht verwirrt."

Mehr zum Thema: Sind "Gender Studies" Wissenschaft?

Pierce Morgan, einer der bekanntesten britischen Fernseh-Moderatoren, machte in der Sendung"Good Morning Britain" seinem Unmut Luft: "Ich habe drei Söhne und eine kleine Tochter. Keiner meine Söhne wollte jemals ein Kleid tragen, dafür trägt meine Tochter 20 an einem Tag. Warum können wir nicht einfach Jungs Jungs sein lassen und Mädchen Mädchen?"

Kurz darauf holte er sogar bis zu Unisextoiletten aus: "Würden Sie kleine Mädchen mit 15-jährigen Jungs aufs Klo gehen lassen?"

Es gibt aber auch viele positive Stimmen

Viele User finden aber, das sei ein Schritt in die richtige Richtung:

"Das ist ausgezeichnet! Ein Schritt in die richtige Richtung. Hoffentlich machen das andere große Ketten auch bald", schrieb eine Mutter aus Manchester auf Twitter.

"John Lewis macht seine Kleidung geschlechtsneutral. Das ist so eine tolle Idee!", twitterte eine junge Bloggerin.

Und eine andere Twitter-Nutzerin schrieb: "Ich bin stolz auf John Lewis. Ich hätte als Kind gerne mehr geschlechtsneutrale Kleidung gehabt. Warum sollten Mädchen ständig nur Pink und Lila tragen müssen?"

Das Beispiel John Lewis zeigt auf jeden Fall, dass die Diskussion um geschlechtsneutrale Kleidung und Spielzeuge noch lange nicht vorbei ist.

Mehr zum Thema: Warum Spielzeug nicht nach Geschlecht getrennt sein sollte

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(ks/lk)

Korrektur anregen