Weidel und der Medienhass: Wie die AfD-Politikerin versucht, den öffentlichen Rundfunk zu attackieren

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Weidel und der Medienhass: Wie die AfD-Politikerin versucht, den öffentlichen Rundfunk zu zerstören | Screenshot
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  • AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel durfte in den vergangenen Tagen auf allen Kanälen ihre rechten Ideen verbreiten
  • Ihr Auftreten war unsympathisch, arrogant - und bisweilen peinlich, wie bei ihrem Studio-Abgang im ZDF
  • Weidels aufrührerisches Benehmen war jedoch kein Anzeichen von Inkompetenz - sondern von zerstörerischem Kalkül

Sie hat es angekündigt. Als ZDF-Moderatorin Marietta Slomka Alice Weidel am Dienstagabend in der Sendung "Wie geht's Deutschland?" unterbrach, schimpfte die AfD-Spitzenkandidatin: "Lassen Sie mich ausreden, Frau Slomka, ansonsten kann ich mir das hier sparen."

Und das tat Alice Weidel dann auch. Nachdem der CSU-Politiker Andreas Scheuer sie wegen rechtsradikalen Elementen in ihrer Partei angriff, zog die AfD-Politikerin ab. Mit einem überheblichen Grinsen im Gesicht.

Es war der peinliche Höhepunkt einer Tour de Force Weidels durch die öffentlich-rechtlichen Politsendungen der vergangenen Tage. Einer Tour, die vor allem für die Menschen anstrengend war, die der AfD-Politikerin dabei zusehen mussten.

Denn wenn Weidel sprach, dann verbreitete sie oft Unwahrheiten. Wenn sie lächelte, dann stets süffisant oder herablassend. Und wenn sie zuhörte, dann so angespannt, als müsste sie sich zwingen, die Abneigung gegenüber den anderen Studiogästen zu verbergen.

Alles nur Show? Oder sogar Unvermögen? Nein. Weidel, das zeigte vor allem ihr inszenierter Eklat im ZDF, verfolgte bei ihren Fernsehauftritten einen Plan.

Sie nutzte die Bühne, die ihr die öffentlich-rechtlichen Sender boten, um Hass zu schüren. Den Hass der Menschen, die diese "Staatsmedien" am liebsten abschaffen würden.

Weidel inszeniert sich als Medienopfer

Weidel simples Vorhaben: sich als Opfer darstellen.

Egal, dass es vor allem sie selbst war, die in jeder ARD- und ZDF-Sendung, bei der sie zu Gast war, gegen andere Politiker, Einwanderer und die Medien keilte. Wenn Weidel Kritik ausgesetzt war, reagierte sie pampig und eingeschnappt. Als würde man sie unfair behandeln.

So war es, als man mit ihr in der Phoenix-Sendung "Unter den Linden" über Rassismus sprechen wollte.

Und so war es etwa, als die Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht die AfD-Politikerin auf die rechtsextremen Elemente in ihrer Partei ansprach. Von Einzelfällen sprach Weidel da absurderweise - als sei es nicht Tatsache, dass sie und ihr Co-Spitzenkandidat Alexander Gauland selbst durch rechte Äußerungen aufgefallen sind.

Dann machte sich Weidel gezielt lächerlich: "Ich wage zu behaupten, dass wir das höchste Akademisierungsniveau haben." Sollte wohl heißen: Wer klug ist, kann kein Nazi sein. Weidel vertrat diesen Standpunkt, als müsste sie ihn ungezogenen Kindern erklären.

Nicht anders war es bei Weidels Privatduell mit Marietta Slomka. Der warf die AfD-Frau nach ihrem Sendungsabbruch vor, tendenziös und unprofessionell zu sein. Slomka habe parteiisch gegen Weidel gearbeitet.

Natürlich kompletter Unsinn: Slomka schritt da ein, wo Weidel schlichtweg Unwahrheiten und falsche Zahlen verbreitete. So wie sie als Moderatorin jeden der anwesenden Gäste unterbrach, wenn es zu Streitereien oder Übertreibungen kam.

Weidels Feldzug gegen das öffentlich-rechtliche System

Weidel sind solche Unterscheidungen egal. Sie weiß, die Opferrolle steht ihr. Schließlich kann sie sich als rechte Demagogin in jeder Talkshow sicher sein, alle anwesenden demokratischen Politiker zum Feind zu haben.

Wenn Justizminister Heiko Maas Weidel eine "Mimose" nennt, wenn FDP-Chef Christian Lindner der AfDlerin schlechten Charakter vorwirft oder CSU-Mann Andreas Scheuer sie maßregelt, dann gewinnt am Ende Weidel. Denn ihr Publikum ist nicht das der Mehrheit, die solche Auftritte der AfD-Politikerin peinlich oder unwürdig finden.

Weidels Publikum ist der rechte Mob, den sie zusammen mit Alexander Gauland, Jörg Meuthen und Björn Höcke zum Kern der AfD gemacht hat. Ein Mob, dem die öffentlich-rechtlichen Sender zuwider sind. Der "Lügenpresse" skandiert, "Presstituierte" verteufelt und gegen "Zwangsgebühren" aufbegehrt.

Alice Weidel tritt im Fernsehen nur für diese Menschen auf. Sie kapert die öffentliche politische Diskussion, um diese zu verderben. Sie beteiligt sich an demokratischen Formaten, um ihre Verachtung gegenüber diesen auszudrücken. So führt sie die Politshows im Öffentlich-Rechtlichen ad absurdum - und attackiert sie so von innen.

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