Wutbürger hetzen über ein angebliches Foto von "betrügerischen Flüchtlingen" - doch sie übersehen ein wichtiges Detail

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  • Der italienische Satiriker Luca Bottura postete ein Bild, das den Eindruck erweckt, Flüchtlinge würden auf Staatskosten Luxuskleidung kaufen
  • Dabei handelt es sich um zwei amerikanische Superstars beim Italien-Urlaub
  • Den Post und seine Folgen seht ihr in unserem Video oben

Wer geistig unbeweglich ist, der sieht nur das, was er sehen will: Einen weiteren Beweis dafür lieferte der italienische Satiriker Luca Bottura. Er postete Mitte August ein Bild zweier Herren, die auf einer Bank in der Fußgängerzone des italienischen Badeortes Forte dei Marmi entspannen. Neben ihnen stehen Tüten von Luxusmarken.

Dazu schrieb Bottura: "Mit Regierungsgeldern in Forte dei Marmi – sie shoppen bei Prada mit den 35 Euro, die sie jeden Tag bekommen“. Der Hinweis auf das Geld bezieht sich darauf, dass italienische Sozialeinrichtungen den Betrag von 35 Euro erhalten, wenn sie sich um Flüchtlinge kümmern.

Den Wutbürgern war nicht klar, wer auf dem Foto zu sehen ist

Botturas Post wurde tausendfach geteilt. Auch das Model Nina Moric, Anhängerin der neofaschistischen Bewegung "Casa Pound Italia", postete das Bild mit einer ähnlichen Botschaft auf Facebook. Italienische Wutbürger äußerten unter dem Foto ihre Empörung.

Was ihnen dabei offenbar nicht klar war: Bei den beiden Männern auf dem Bild handelt es sich um den Hollywood-Star Samuel L. Jackson und den ehemaligen Basketball-Profi Earvin "Magic“ Johnson beim Italien-Urlaub. Johnson hatte das gleiche Bild sogar auf Twitter geteilt.

Immerhin haben laut Bottura 40 Prozent den Scherz verstanden

Laut Bottura hätten 30 Prozent der Leute auf das Bild mit der Falschaussage empört reagiert - ohne die Quelle zu hinterfragen. Immerhin hätten 40 Prozent aber den Scherz verstanden. Das gibt ein bisschen Hoffnung.

Moric behauptete nach den Hinweisen einiger Facebook-Nutzer, dass auf den Fotos zwei amerikanische Superstars abgebildet seien, sie habe sich ebenso einen Scherz erlaubt. Bottura bezweifelt das aber, wie er auf Facebook schreibt. Jackson und Johnson haben sich zu dem Vorfall noch nicht geäußert.

Es wäre nicht das erste Mal, das sogenannte Wutbürger vorschnell urteilen und auf eine falsche Behauptung hereinfallen. So echauffierten sich vor kurzem norwegische Rechte über Bussitze, die sie für Frauen in Burkas hielten.

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(ujo)

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