Rakete Richtung Westen verlegt: Kim Jong-un zeigt, was er von den Drohungen des US-Präsidenten hält

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KIM JONG
Rakete Richtung Westen verlegt: Kim Jong-un zeigt, was er von den Drohungen des US-Präsidenten hält | KCNA KCNA / Reuters
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  • Nordkorea provoziert die USA weiter – und setzt Donald Trump unter Druck
  • Die USA haben Nordkorea unlängst mit einem Militärschlag gedroht
  • Die Taktik Nordkoreas könnte die Spaltung der befeindeten Allianz sein

"Wir werden sehen", sagte Donald Trump. Der US-Präsident schloss nicht aus, auf weitere Provokationen des nordkoreanischen Regimes mit militärischen Mitteln zu antworten. Später verschärfte Trump noch einmal seinen Ton: Er werde die USA und seine Verbündeten verteidigen – "mit der vollen Bandbreite der zur Verfügung stehenden diplomatischen, konventionellen und nuklearen Kapazitäten".

Trumps Androhung eines Atomschlags ist alarmierend. Besonders da sie Nordkorea offenbar nicht zur Zurückhaltung treibt. Berichten südkoreanischer Medien zufolge hat Nordkorea am Montag begonnen, eine weitere Interkontinentalrakete in Richtung der Westküste des Landes zu verlegen.

Die Rakete soll in der Nacht transportiert worden sein, um sie vor den Kameras von Aufklärungsflugzeugen fernzuhalten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

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"Sie betteln um Krieg"

Bereits im Juli hatte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un zwei vermutlich ähnliche Raketen testen lassen – ihre Reichweite soll etwa 10.000 Kilometer betragen. Die Raketen könnten so sogar das US-Festland erreichen.

Am Wochenende hatte Nordkorea eigenen Angaben zufolge eine Wasserstoffbombe getestet, mit der die Raketen bestückt werden sollen. Der sechste Atomversuch seit 2006 löste weltweit scharfe Kritik aus. Washingtons UN-Botschafterin Nikki Haley erklärte, das Land bettle "um einen Krieg".

China und Russland riefen dazu auf, einen kühlen Kopf zu bewahren. Präsident Wladimir Putin, der zum Gipfel der Brics-Staaten Brasilien, Russland; Indien, China und Südafrika in der chinesischen Hafenstadt Xiamen ist, setzte sich einem Telefonat mit Moon für eine Aufnahme von Verhandlungen mit Pjöngjang ein. Alle politisch-diplomatischen Mittel müssten genutzt werden.

Kanzlerin Angela Merkel sicherte Südkoreas Präsidenten in einem Telefonat die Solidarität Deutschlands zu.

Was hinter der Provokation Kims steckt

Der Asien-Experte Leif-Eric Easley vom Asan Institute for Policy Studies erklärt, es gehe Kim Jong-un darum, seine Feinde, die USA, Japan und Südkorea zu entzweien. Das Verhältnis zwischen Japan und Südkorea ist ohnehin angespannt, auch der Umgang mit Nordkorea ist ein Streitthema.

"Obwohl Japan und Südkorea darin übereinstimmen, Nordkorea mit einer Kombination aus Dialog und Druck zu begegnen, setzt die Moon-Regierung eher auf Dialog, die Abe-Regierung mehr auf Druck", schreibt Easley im US-Magazin "Foreign Policy".

Zudem scheint Donald Trump das strategische Bündnis mit Südkorea seinen handelspolitischen Interessen unterzuordnen. Trump soll so derzeit einen Ausstieg aus dem Freihandelspakt der USA mit Südkorea vorbereiten lassen. Das berichtet die "Washington Post" am Samstag.

Auch China droht Trump weiter mit einem Handelskrieg. Eine Strategie der gemeinsamen Verteidigung gegen Kim scheint er – trotz entsprechender Erklärungen – nicht zu verfolgen.

Der "Independent" kommentierte besorgt: "Peking möchte dem US-Präsidenten Donald Trump zweifellos helfen, aber nicht auf Kosten seiner Sicherheit. Die Drohungen des Präsidenten hinsichtlich der chinesischen Wirtschaftspolitik waren zudem nicht hilfreich."

In Südkorea gehen derweil die militärischen Übungen weiter. Kriegsschiffe hätten Schießübungen im Japanischen Meer (koreanisch: Ostmeer) durchgeführt, teilte die Marine am Dienstag mit. Zweck des Manövers sei es gewesen, sofort auf potenzielle Provokationen Nordkoreas antworten zu können. An den Übungen hätten unter anderem eine 2500-Tonnen-Fregatte, Raketenschiffe und Schnellboote teilgenommen.

Mit Material der dpa.

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(mf)

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