7 Sätze aus Lammerts letzter Rede im Bundestag, die ihn unvergesslich machen

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  • Bundestagspräsident Norbert Lammert hat in seiner letzten Rede einen flammenden Appell an die Abgeordneten und Wähler gerichtet
  • Er verriet die wichtigste Lektion aus seiner langjährigen politischen Arbeit - und warnte vor dem Einzug der AfD ins Parlament
  • Hier sind seine sieben wichtigsten Botschaften

Es war seine letzte Rede im Bundestag.

Parlamentspräsident Norbert Lammert zieht sich nach 37 Jahren aus dem Bundestag zurück - und gibt das zweithöchste Amt im Staate ab.

Einen Ausschnitt aus Lammerts Rede seht ihr im Video oben.

Der 68-Jährige kandidiert nicht wieder für die Wahl am 24. September. Er gehört dem Bundestag seit 1980 an, seit 2005 ist Lammert Bundestagspräsident.

Der CDU-Mann zählt seit Jahren zu den beliebtesten Politikern des Landes, ist über alle Fraktionen hinweg geschätzt. Warum, zeigte auch sein letzter längerer Redebeitrag im Plenarsaal.

Hier sind die Sätze aus seiner letzten Rede, die jeder Deutsche kennen sollte.

1. Sein Appell an die Abgeordneten

Lammert hält einen flammenden Appell für die parlamentarische Demokratie in Deutschland.

"Um zu würdigen, was wir heute für selbstverständlich halten, muss man würdigen, wie es früher war", sagte er.

Als Lammert in den Bundestag einzog, war Deutschland durch zwei Weltmächte geteilt. Vieles habe sich seither verändert - aber im Wesentlichen arbeite der Bundestag noch wie in diesen Tagen.

"Unser Bundestag ist stärker als so manch anderes Parlament auf diesem Globus", ruft er den Abgeordneten zu. "Für Minderwertigkeitskomplexe besteht kein Anlass." Hier schlage das Herz der Demokratie.

Er erinnert daran, dass Bundestagsabgeordnete Vertreter des gesamten Volkes seien, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen seien.

2. Über sein Demokratieverständnis

Lammert schafft es, sein Demokratieverständnis in einen einprägsamen Satz zu gießen.

"Das Entscheidende an einer Demokratie", sagt er, "ist nicht, dass Mehrheiten entscheiden - sondern Minderheiten ihre Interessen auf dem Weg dahin geltend machen können."

So sprach er sich für eine Stärkung der Parlamentsrechte aus, warnte vor Änderungen des Grundgesetzes und warb für eine stärkere Kontrolle der Regierung durch ein selbstbewusstes Parlament sowie die Sicherung der Rechte parlamentarischer Minderheiten.

3. Über Debatten im Bundestag

Der CDU-Politiker kritisiert, dass im Bundestag immer noch zu häufig geredet und zu wenig debattiert werde.

Gelegentlich werde offensichtlich Dringliches vertagt und dafür weniger Wichtiges für dringlich erklärt. "Wir haben (...) uns einen allzu großzügigen Umgang mit unserer Verfassung angewöhnt und sie häufiger und immer umfangreicher - regelmäßig auch komplizierter - verändert."

4. Über den Umgang mit der AfD

Lammert geht in seiner Rede auch auf den bevorstehenden Einzug der AfD in das Parlament ein.

"Bewahren Sie sich bitte, wenn möglich, nach unseren Abstürzen in der Geschichte, dass die Demokratie wichtiger ist als die Ansichten mancher Fundamentalisten", sagt er.

5. Was ihn stolz macht

Es müsse auch in Zukunft möglich sein, bei den ganz großen Fragen andere Mehrheiten in diesem Parlament zu suchen und zu finden als jene Mehrheiten, über die eine Regierung ohnehin verfügt, sagt Lammert.

"Und wenn ich auf irgendetwas stolz bin, dann, dass dieses Parlament in der Lage ist, wenn es wirklich wichtig ist, das Suchen nach gemeinsamen Lösungen noch wichtiger zu nehmen, als den üblichen Konkurrenzreflex."

6. Die wichtigste Lektion seiner Arbeit

"Wir wissen aus noch nicht ganz so lange zurückliegenden Zeiten der deutschen Geschichte, dass Demokratien ausbluten können", sagte Lammert.

"Die Demokratie steht und fällt mit dem Engagement der deutschen Bürgerinnen und Bürger." Das sei die wichtigste Lektion, die er in seinem politischen Leben gelernt habe.

"Und dieser Verantwortung werde ich verbunden blieben. Und deswegen bleiben wir ganz sicher miteinander verbunden."

7. Seine Botschaft an die Wähler

Mit Blick auf die Bundestagswahl mahnt Lammert die Wähler, von ihrem "Königsrecht" Gebrauch zu machen. "Sie haben die Möglichkeiten, über die zukünftige Regierung zu entscheiden", sagt er.

Um diese Möglichkeit würden uns Millionen Menschen auf dem Globus beneiden.

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(lp/ben)

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