De Maizière soll Schülern von Anti-Nazi-Demos abgeraten haben - das steckt hinter der Meldung

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  • Der Bundesinnenminister soll von Demos gegen Rechte abraten
  • Diese Information verbreitet sich gerade im Internet
  • Doch sie stimmt nicht

Es ist eine Meldung, die stutzig macht: Bundesinnenminister Thomas de Maizière soll vor Schülern und Journalisten gesagt haben, dass es ein Übergewicht von Projekten gegen Rechtsextremismus gebe.

De Maizière wird damit unterstellt, er meine, dass es zu viele Projekte gebe, die gegen Rechtsextremismus kämpfen.

"Antifaschismus a la Thomas de Maizière"

Und mehr noch: Zahlreiche User auf Twitter verbreiten gerade die Nachricht, dass der Innenminister bei dem Besuch in der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen den Jugendlichen davon abgeraten haben soll, gegen Neonazis zu demonstrieren.

Auf einem Foto ist der Innenminister mit einem großen Blatt Papier zu sehen, auf dem unter anderem steht: "Ich bleibe zu Hause, denn Gegendemos bringen nichts. Sie werten die Nazis nur auf und bringen denen mehr Aufmerksamkeit."

"Antifaschismus a la Thomas de Maizière - den Jugendlichen erklären, warum man nicht gegen Nazis demonstrieren muss", schreibt ein Twitter-User, der offensichtlich der Antifa nahesteht.

Ein weiterer twittert: "Ist das die offizielle Position des @BMI_Bund, dass friedlicher Protest gegen Neonazis falsch und zu unterlassen sei? Bitte um Antwort!"

Auf Twitter verbreiten sich diese Nachrichten seit Stunden.

Für viele Linke passen die Aussagen perfekt in das Bild eines Innenministers, der auf dem rechten Auge zwar nicht blind, aber wohl ein bisschen kurzsichtig ist und der jetzt verstärkt den Linksextremismus ins Visier nehmen will.

Die Schließung der linksradikalen Internetplattform "linksunten.indymedia" durch das Innenministerium passt in dieses Bild.

Bleibt die Frage: Hat Thomas de Maizière beides tatsächlich so gesagt oder gefordert?

Nein. Wie immer ist es wichtig, den Kontext zu kennen.

Vorwurf 1: Der Innenminister sagt, dass es ein Übergewicht bei Projekten gegen Rechtsextremismus gebe

Das Bundesinnenministerium äußerte sich zu dem Vorwurf auf Twitter. Dort heißt es: "(Das ist eine) Irreführende Verkürzung, das vollständige Zitat: Mittel sind verdoppelt worden im Kampf gegen Rechtsextremismus, da gibt es ein Übergewicht im Kampf gegen Rechtsextremismus, der auch sehr wichtig ist."

Sprich: Der Innenminister sprach über ein Übergewicht, beschrieb aber damit nur eine Tatsache und nahm keine negative Wertung vor. Vielmehr beurteilte er es positiv.

Vorwurf 2: Der Innenminister rät Schülern, nicht gegen Neonazis zu demonstrieren

Das Online-Magazin "Vice" ist der Behauptung nachgegangen. Das Ergebnis: Das Papier, das de Maizière in der Hand hält, ist Teil eines Rollenspiels. Wie der Pressesprecher der Gedenkstätte Hohenschönhausen gegenüber "Vice" erklärte:

"Die Schüler seien aus Bad Hersfeld, wo gerade eine NPD-Demo stattfinden soll, und deshalb in drei Gruppen mit jeweils anderen Standpunkten aufgeteilt worden:

'Ich demonstriere friedlich'

'Ich demonstriere gewaltbereit, mit allen Mitteln'

'Ich gehe da nicht hin, das ist mir egal'.

Das Plakat auf dem Foto war das Ergebnis dieses letzten Standpunktes." Die Schüler diskutierten also mit dem Innenminister darüber, wie man mit der Nazidemo umgehen solle. Für alle Möglichkeiten sammelten sie Argumente.

Auch das Bundesinnenministerium erklärte auf seiner Internetseite: "Dabei vertraten weder die Schülerinnen und Schüler zwingend selbst persönlich die eingenommene Position, noch hat der Minister vor den Schülern eine der Positionen eingenommen oder die Teilnehmer von einer dieser Positionen überzeugen wollen."

Fazit: Es gibt Fake News nicht nur von Rechts und der AfD. Auch Linke verkürzen Aussagen so, dass sie am Ende völlig sinnentstellt sind und in ihr Weltbild passen.

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