Personalchaos im Bamf: Erfahrene feuern, Neulinge einstellen

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Personalchaos im Bamf: Erfahrene feuern, Neulinge einstellen | Stefanie Loos / Reuters
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  • Im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge herrscht Chaos in der Personalpolitik
  • Das ist nicht nur für die Mitarbeiter ungut - sondern für ganz Deutschland

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ist das Nadelöhr der Einwanderung nach Deutschland. Ohne das Bamf geht nichts. Was dort entschieden wird, prägt das Schicksal der Flüchtlinge und das Schicksal der deutschen Gesellschaft.

Kurz: Wer dort arbeitet, sollte sehr genau wissen, was er tut. Und er sollte den Kopf frei haben für seine Arbeit, von der so viel abhängt.

Doch offenbar arbeitet der deutsche Staat gerade akribisch daran, genau das zu verhindern. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, herrscht in der Personalplanung das pure Chaos.

Die Zeitung beruft sich dabei auf Rudolf Scheinost, Chef des Gesamtpersonalrats, andere Insider sowie offizielle Angaben der Behörde.

Hunderte Stellen laufen aus, Hunderte werden neu ausgeschrieben

Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten insgesamt beim Bamf, derzeit sind es etwa 7800. Das Bamf hatte im Zuge der Flüchtlingskrise viele Mitarbeiter neu eingestellt, mit befristeten Verträgen. Jetzt erhalten viele von ihnen dem Bericht nach alle paar Monate oder sogar Tage widersprüchliche Informationen, ob sie bleiben dürfen.

Dem "SZ"-Bericht nach sind jetzt 3700 Mitarbeiter befristet eingestellt, 2100 Stellen sollen auf Dauer bleiben. Von 1050 Entscheidern mit auslaufenden Verträgen dürften 800 bleiben. Entscheider sind jene, die darüber befinden, ob ein Asylsuchender dableiben darf oder nicht.

Nach Angaben der Linken im Bundestag von Anfang August hat das Bamf in Nürnberg seit Jahresbeginn mehr als 1100 befristete Stellen auslaufen lassen - und gleichzeitig fast 650 neue ausgeschrieben, fast alle ohne Sachgrund befristet.

Mitarbeiter, die jetzt zwei Jahre Erfahrung gesammelt haben, werden gegen Neulinge ausgetauscht, weil der Bund nur Geld für befristete Stellen gebe, heißt es in der "SZ". Und auf die dürfen sich diejenigen mit zwei Jahren Erfahrung nicht mehr bewerben. Wegen des Teilzeitbefristungsgesetzes.

Das Bamf verweist gegenüber der Zeitung auf die Vorgaben des Bundes und unklare Planungen der Länder.

"Betriebsklima der Angst und Unsicherheit"

Der stellvertretende Linke-Fraktionsvorsitzende Klaus Ernst hatten im August gesagt: "Mit dem beliebigen Beschäftigen und Kündigen von Personal organisiert die öffentliche Hand ein Betriebsklima der Angst und Unsicherheit innerhalb der Belegschaft."

Die gewerkschaftspolitische Sprecherin Jutta Krellmann hatte ergänzt: "Gerade beim Bamf, wo über das Leben hunderttausender Menschen entschieden wird, müssen sich die Beschäftigten ohne Existenzangst und übermäßigen Stress auf die Arbeit konzentrieren können."

Eine weitere Folge dieser Personalpolitik seien kurzfristig und damit unzureichend ausgebildete Mitarbeiter. Es verwundere daher nicht, wenn immer wieder über Fehler bei der Fallbearbeitung berichtet werde.

Mit Material der dpa

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(mf)

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