Studie: Gähnen ist ansteckend - warum das Wissen um den Grund, wichtig ist

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  • Wenn wir jemand anderem beim Gähnen zusehen, fällt es uns schwer, nicht selbst zu gähnen
  • Woran das liegt, haben britische Forscher nun herausgefunden
  • Warum das auch auf anderer Ebene wichtig für die Forschung ist, erfahrt ihr auch im Video oben

Warum ist Gähnen ansteckend? Über diese Frage rätseln Wissenschaftler schon seit langer Zeit. Britische Forscher von der University of Nottingham haben nun offenbar die Antwort darauf gefunden - und damit gleich ein weiteres Forschungsfeld eröffnet.

Der Neurowissenschaftler Stephen Jackson und sein Team stellten fest, dass der Reiz bei dieser Art des Gähnens im primär-motorischen Kortex ausgelöst wird. Das ist der Bereich des Gehirns, der für die Motorik zuständig ist.

Ansteckendes Gähnen ist eine Form von Echophänomen. Damit bezeichnen Experten das automatische Nachahmen von Wörtern (Echolalie) oder Handlungen (Echopraxie) einer anderen Person.

Der Drang zu Gähnen wird stärker, wenn man ihn unterdrückt

Um zu sehen, was im Gehirn während des Phänomens passiert, untersuchten die britischen Wissenschaftler 36 Testpersonen dabei, wie sie anderen Menschen beim Gähnen zusahen. Einem Teil der Probanden gaben sie die Anweisung, dem Gähnen zu widerstehen, dem anderen Teil, das Gähnen zuzulassen.

Sie kamen dabei zu drei Erkenntnissen:

1. Bei jedem Menschen stellt sich der Drang zu gähnen ein, wenn er jemand anderen sieht, der es auch tut.

2. Der Drang zu Gähnen ist nicht bei jedem Menschen gleich stark ausgeprägt.

3. Es ist schwerer, nicht zu gähnen, wenn man versucht, es zu unterdrücken.

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Und: Als sie elektrische Stimulation einsetzten und die Erregbarkeit im primär-motorischen Kortext damit erhöhten, stellten sie fest, dass der Drang zu gähnen bei den Probanden höher wurde.

Das Interessante ist: Die im primär-motorischen Kortex ausgelöste Echopraxie spielt auch bei Krankheiten wie dem Tourette-Syndrom, Epilepsie, Autismus und Demenz eine wichtige Rolle.

Wichtige Erkenntnisse für die Bekämpfung anderer Krankheiten wie Tourette-Syndrom

Jackson und seine Kollegen glauben deshalb: Wenn die Forschung herausgefunden hat, wie ansteckendes Gähnen ausgelöst wird, könnte das auch dabei helfen, die genannten Krankheiten besser zu verstehen.

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“Unsere Studie zeigt, dass der Drang stärker wird, wenn man versucht, ihn zu unterdrücken”, sagte Georgina Jackson, die ebenfalls an dem Versuch beteiligt war. “Mit der elektrischen Stimulation konnten wir die Erregbarkeit erhöhen und damit auch die Neigung, sich vom Gähnen anstecken zu lassen. Wenn wir es schaffen, bei Tourette-Kranken die Erregbarkeit zu reduzieren, könnten wir auch die Ticks reduzieren.”

Die Studie wurde im Fachmagazin “Current Biology” veröffentlicht.

Übrigens: Auch Tiere lassen sich von ihren gähnenden Artgenossen anstecken.

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(ujo)

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