"Deprimierender als der Brexit": Britischer Journalist fasst TV-Duell-Debakel in einem Tweet zusammen

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  • Das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz hat viele Beobachter enttäuscht
  • So auch den britischen Journalisten Jeremy Cliffe

Es war ein Duett und kein Duell - so lautet das Fazit vieler Zuschauer nach dem Aufeinandertreffen von Martin Schulz und Angela Merkel am Sonntagabend im TV. Kein Wunder: Denn Schulz griff die Kanzlerin zwar mehrfach an, konnte aber nicht abschließend erklären, was er als Kanzler anders machen würde.

Das sah auch der Berlin-Korrespondent des britischen Wirtschaftsmagazin "The Economist", Jeremy Cliffe, so. Er begleitete das Duett live auf Twitter.

Sein Fazit am Ende könnte nicht härter ausfallen.

Cliffe twitterte: "Die TV-Debatte heute Abend anzusehen, war eine der deprimierendsten politischen Erlebnisse meiner Laufbahn. Und ich habe den Brexit gecovered."

"Die Debatte ist langweilig und blutleer"

Cliffe hatte in zahlreichen Tweets vorher erklärt, wie er zu diesem harschen Urteil kommt.

Er kritisierte unter anderem, dass die großen Probleme des Landes nicht zur Sprache gekommen seien. Er nannte die Debatte "langweilig und blutleer".

Das wichtigste Detail, so schreibt er, scheine die Politik des Saarländischen Ministerpräsidenten zu sein.

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Sein Fazit schon einigen Minuten der Sendung: "Dieses ganze inhaltslose Spektakel ist eine Schande, das Deutschland keine Ehre macht."

"Wo ist die Vision für die Zukunft?", fragte er, um dann gleich weiter zu schimpfen: "Entschuldigt, aber dieser dürftige Unsinn ist eine Schande. Deutschland ist wichtig. Die Diskussion setzt Deutschland und Europa herab."

"Wer zur Hölle hat diese Moderatoren engagiert?"

Als Schuldige an der langweiligen Debatte machte Cliffe die Moderatoren aus. "Wer zur Hölle hat diese Moderatoren engagiert?", fragte er. "Sie sind zu unflexibel, zu rücksichtsvoll, zu langweilig, sie haken kaum nach. Deutschland hat eine echte Debatte verdient, die bekommt das Land aber nicht."

Ganz zu Anfang der Sendung twitterte Cliffe ungläubig: "Ja, es sind tatsächlich vier Moderatoren. Das ist lächerlich und wird der Debatte schaden. Aber Merkel wollte es so."

Gewonnen haben die FDP, die Linke, die Grünen und die AfD

Cliffe kritisierte auch, dass die beiden Kandidaten kaum stritten. "Merkel nickt immer noch und Schulz erklärt wie Integration geht. Das ist obszön." Kritische Nachfragen? Fehlanzeige. Dagegen viel nicken der Kandidaten, wenn der andere spricht.

"Mein Gott, ist das langweilig", kommentiert er an einer anderen Stelle, als es um die Flüchtlingspolitik geht.

Der "Economist"-Journalist bilanzierte am Ende: "Wer hat das TV-Duell gewonnen? Vor allem die FDP, die Linke, die Grünen und die AfD."

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