Wieso der wahre Sieger des TV-Duells ein Österreicher ist

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MERKEL SCHULZ
Wieso der wahre Sieger des TV-Duells ein Österreicher ist | Hannibal Hanschke / Reuters
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  • Der österreichische Außenminister Kurz konnte sich am Sonntagabend über ein Zugeständnis Merkels freuen
  • Die Kanzlerin gab ihre zurückhaltende Position in der Frage um den Umgang mit der Türkei auf

Für SPD-Chef Martin Schulz muss es ein frustrierender Abend gewesen sein. Beim TV-Duell griff der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten seine Kontrahentin Angela Merkel gleich mehrfach vielversprechend an, setzte einige Treffer – und musste sich am Ende doch geschlagen geben.

Doch auch Merkel wird von der TV-Debatte wohl höchstens mininmal profitieren. Erste Umfragen deuten sogar daurauf hin, dass die Veranstaltung der Zustimmung Merkels in der Bevölkerung eher geschadet hat.

Stattdessen könnte ein anderer profitieren, glauben Beobachter, wie "Welt“-Redakteur Robin Alexander: Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz, bald womöglich Kanzler des deutschen Nachbarlandes.

Denn: Schulz zwang Merkel in der Debatte zu einem folgenschweren Zugeständnis an Österreich. Mit seinen forschen Vorstößen in der Diskussion um den Umgang mit der Türkei – Schulz forderte eine Aufkündigung des Flüchtlingsabkommen und ein Ende der EU-Beitrittsverhandlungen – zwang er die Kanzlerin zu einer klaren Positionierung.

Schulz ringt Merkel Festlegung in der Türkeifrage ab

"Ich bin noch nie für die Beitrittsverhandlungen gewesen“, sagte Merkel plötzlich. Schulz schaltete augenblicklich und warf Merkel an den Kopf: "Dann können Sie sie ja stoppen.“

Das brachte die Kanzlerin ins Stottern. Ja, sie werde das Thema nochmal besprechen, sagte Merkel.

In der Vergangenheit hatte die Bundesregierung eine solche Positionierung stets abgelehnt, was vor allem in Wien für Ärger sorgte. Außenminister Kurz forderte mehrfach "mehr Entschlossenheit von der EU“ – und blickte dabei wohl vor allem in Richtung Angela Merkels.

Noch Ende Juli herrschte bei dem Thema Türkei große Uneinigkeit. Kurz begrüßte, die von Deutschland angekündigte "Neuausrichtung der Türkeipolitik“ zwar – Kanzleramtschef Peter Altmaier aber bestand darauf, eine "einseitige Verurteilung der Türkei“ zu vermeiden.

Nun hat Merkel die Tür zum Ende der EU-Beitrittsverhandlungen aufgestoßen. Recep Tayyip Erdogan reagierte erwartbar erbost. Er warf beiden Kandidaten am Montag über einen Sprecher "Populismus und Ausgrenzung" vor.

Sebastian Kurz hingegen dürfte einen schönen Sonntagabend gehabt haben.

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(jg)

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