Lasst ihn reden! Warum ein Auftrittsverbot für AfD-Politiker Gauland ein Fehler ist

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GAULAND
Lasst ihn reden! Warum ein Auftrittsverbot für AfD-Politiker Gauland ein Fehler ist | Michael Gottschalk via Getty Images
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  • Nürnberg will AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland einen Auftritt untersagen
  • Die Verantwortlichen machen einen Fehler - sie sitzen gleich mehreren Trugschlüssen auf

Auf den ersten Blick ist es eine nachvollziehbare Entscheidung: Nürnberg will Alexander Gauland bei einer AfD-Veranstaltung nicht reden lassen. Und dafür gibt es gute Gründe.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung gegen Gauland, weil er die SPD-Staatsministerin Aydan Özoguz in Anatolien “entsorgen” will.

Außerdem bezeichnet Gauland den Thüringer Landeschef Björn Höcke als die “Seele der AfD”. Einen Mann also, der in Hitler nicht nur Schlechtes sieht und Berlin für das Holocaust-Denkmal kritisiert.

Ein unerträglicher Gedanke, dass Gauland öffentlich auftritt

Vielen ist der Gedanke deswegen unerträglich, dass Gauland öffentlich auftritt. Schon nach seiner Äußerungen über Özoguz wurde die Forderung laut, ihn aus den Talkshows auszuladen.

Gaulands Wortmeldungen sind furchtbar, keine Frage. Sie sind soweit weg von unserer demokratischen Kultur, dass man diesem Mann eigentlich kein Forum mehr geben möchte.

Dennoch haben die Verantwortlichen in Nürnberg einen Fehler begangen. Denn hinter dem Auftrittsverbot stecken gleich mehrere Trugschlüsse.

Das Verbot entzieht Gauland keine Aufmerksamkeit

Ein solches Verbot macht nur Sinn, wenn Gauland keine anderen Möglichkeiten der Wortmeldung hätte. Auch, wenn er nicht in Nürnberg auftreten sollte - er kann seine Hetze immer noch an anderen Orten loswerden, nicht zuletzt im Internet. Die Wirkung wäre die gleiche.

Das Verbot entzieht Gauland keine Aufmerksamkeit - es sorgt eher dafür, dass seine nächste Rede erst Recht verfolgt wird. Ob nun in Nürnberg oder woanders. Und es sorgt auch dafür, dass Gauland einen Grund mehr hat, sich als Opfer zu inszenieren. Das machen die Politiker der AfD zwar so oder so, aber das muss man nicht unnötig befeuern.

Diejenigen, die nun nach einem Verbot rufen, sitzen auch einem anderen Trugschluss auf.

Die AfD demaskiert sich selbst

Gaulands Gedankengut lässt sich längst nicht mehr verbieten. Es existiert bereits - in den Köpfen der AfD-Anhänger und ihrer Spitzenvertreter wie Alice Weidel, die es schaffte, die Özoguz-Äußerungen noch zu verschärfen, in dem sie forderte, sie “achtkant aus Deutschland rauszuwerfen”.

Es sind solche Äußerungen, mit denen sich die Partei selbst demaskiert. So war es in der Vergangenheit auch bei Auftritten und Wortmeldungen von Gauland. Sei es in der Nachbar-Debatte um Boateng, den Äußerungen über Özoguz oder Höcke. Jedes Mal sackte die Partei in den Umfragen ab. Die AfD ist immer noch am besten darin, der AfD zu schaden.

Statt zu überlegen, wie man Gaulands Wahlkampfauftritte verhindern kann, sollten wir uns deswegen lieber Gedanken darüber machen, wie wir den ausländerfeindlichen Äußerungen den Boden entziehen. Wir sollten um jeden Menschen kämpfen, der sie im Bierzelt oder in den sozialen Medien bejubelt.

Auch in Köln macht das Wort Verbot die Runde

Das wäre eine angemessene, demokratische Reaktion.

Wie stark wäre es etwa, wenn die regierenden Parteien in Nürnberg zu einer möglichst großen, lauten Gegendemonstration trommeln würden?

Auch beim Parteitag in Köln machte das Wort Verbot die Runde. Dazu kam es nicht. Stattdessen versammelten sich Tausende auf dem Heumarkt, um für Weltoffenheit und Toleranz und gegen die AfD zu demonstrieren. Dazu wird es in Nürnberg nun vermutlich nicht kommen.

Schade.

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(jg)

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