Hat Schulz eine Chance? Alle Umfrage-Werte, die ihr vor dem TV-Duell kennen müsst

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MERKEL SCHULZ
Merkel oder Schulz? Alle Umfrage-Werte, die ihr vor dem TV-Duell wissen müsst | Maja Hitij via Getty Images
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  • Kanzlerin Angela Merkel geht laut Umfragen als Favoritin in das Fernseh-Duell am Sonntagabend
  • In der Vergangenheit verlor die CDU-Chefin allerdings alle Debatten mit ihren Konkurrenten
  • Hier sind alle Zahlen, die ihr vor der Debatte kennen müsst

Geht es nach den Umfragen, könnte sich Martin Schulz seinen Auftritt heute sparen.

Eine Mehrheit der Deutschen glaubt, dass der SPD-Herausforderer keine Chance beim TV-Duell mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat.

Die beiden Umfragen dazu vor dem Schlagabtausch am Sonntag sehen die CDU-Chefin vorne. Auch weitere Umfragewerte geben dem SPD-Chef wenig Hoffnung. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt allerdings: Das Duell bietet für Schulz auch eine Chance. Wenn auch nur eine kleine.

Hier alle Zahlen im Überblick:

1. Wer wird das Duell für sich entscheiden?

Im ARD-”Deutschlandtrend” und im ZDF-”Politbarometer” gaben die Menschen an, wer für sie der Favorit des Duells ist.

Im ARD-”Deutschlandtrend” liegt Merkel klar vorne:

64 Prozent der Deutschen gingen demnach wenige Tage vor dem Duell von der Kanzlerin als Siegerin aus.

Nur 17 Prozent der Befragten glaubten an einen Sieg von Schulz.

Beim ZDF-”Politbarometer” sind die Zahlen weniger deutlich, die meisten denken dennoch, dass Merkel überzeugender sein wird.

33 Prozent erwarten hier, dass Merkel vorn liegen wird.

Nur 10 Prozent gehen dagegen davon aus, dass Schulz sich besser schlagen wird.

2. Wen wollen die Deutschen als Kanzler?

Der Vorsprung für Merkel dürfte vor allem mit ihren Beliebtheitswerten zusammenhängen.

Im Sonntagstrend von Emnid liegt die CDU-Chefin in der Kanzlerfrage klar vor Schulz:

50 Prozent der Befragten wünschen sich Merkel als Kanzlerin.

Nur 25 Prozent wollen Schulz als Kanzler.

Allerdings hat Schulz im Vergleich zur Vorwoche stark aufgeholt, damals erreichte er 22 Prozent, Merkel lag noch bei 51 Prozent.

Auch das ZDF-”Politbarometer” zeigte diesen Trend in der vergangenen Woche. Schulz’ Umfragewerte stiegen um vier Prozentpunkte auf 34 Prozent. Merkel fiel um 5 Prozentpunkte auf 55 Prozent.

Allerdings ist Merkel immer noch deutlich beliebter.

Laut einer Umfrage aus dem Juli lag Merkel bei der Frage “Sollen diese Politiker künftig eine wichtige Rolle spielen?” auf dem 2. Rang hinter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. 67 Prozent sagten das über die Kanzlerin.

Schulz erreichte gerade einmal 45 Prozent - und landete damit auf Platz 10.

Im ZDF-”Politbarometer” im Mai war Merkel zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder die beliebteste Politikerin Deutschlands. Sie erreichte einen Wert von 2,2 auf der Sympathie-Skala von plus 5 bis minus 5 vorn.

Schulz kam auf einen Wert von 0,9 und lag damit auf Rang 7.

3. Ist die Kanzlerin fit für das Duell?

Bei den bisherigen Kanzler-Duellen konnte Merkel nicht überzeugen.

Dreimal ist Merkel angetreten, dreimal verlor sie laut Umfragen gegen ihre Gegner. 2005 gegen den damaligen Kanzler Gerhard Schröder (SPD), 2009 gegen SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier und 2013 gegen Peer Steinbrück (SPD).

Überhaupt konnte die SPD damit alle vier bisherigen Kanzler-Duelle für sich entscheiden. Das erste richtige Fernsehduell zwischen Kanzler und Herausforderer gab es im Jahre 2002. Damals diskutierte Schröder mit dem Herausforderer von der CSU, Edmund Stoiber.

Mehr zum Thema: Auf diese Gesten und Floskeln sollten die Zuschauer beim TV-Duell zwischen Merkel und Schulz achten

4. Wie viel Bedeutung hat das Fernseh-Duell?

Umstritten ist allerdings, wie stark das Duell im Fernsehen die Wahl wirklich beeinflusst.

Politologe Thorsten Faas hält das TV-Duell für das wichtigste Einzelereignis in Wahlkämpfen. “Vor allem läutet es den Endspurt zur Wahl ein, gerade auch für alle jene Menschen, die sich vorher noch nicht so intensiv mit der Wahl auseinandergesetzt haben.”

Der Wahlforscher Matthias Jung dagegen glaubt, dass das Duell keinen großen Einfluss auf die Wahlentscheidung haben werde. “Frühere Duelle haben gezeigt, dass ein Großteil der Zuschauer bereits Präferenzen für den einen oder anderen Kandidaten hat und die Diskussion sehr selektiv wahrnimmt. Er sieht sich durch das, was er hört, eher bestärkt”, sagt er.

Das Beispiel von Schröder gegen Merkel 2005 zeigt aber, was ein TV-Duell bewirken kann.

Lange lag die SPD 2005 im Wahlkampf bei unter 30 Prozent in Umfragen. Am 4. September trafen Merkel und Schröder aufeinander. Einen Tag zuvor erreichte die SPD 31 Prozent laut Forsa. Wenige Tage später erreichte die Partei 34 Prozent, danach 35 Prozent. Bei der Bundestagswahl scheiterten die Sozialdemokraten dann nur knapp.

Die Aufholjagd war natürlich nicht nur dem TV-Duell zu verdanken, bei dem sich Schröder kämpferisch gab und Merkel immer wieder attackierte. Ein Faktor war der Fernsehauftritt allemal.

In der “Welt am Sonntag” betont Politologe Faas noch einmal: “Es kann Verschiebungen geben. Denn es geht ja vor allem darum, die Unentschlossenen für sich zu gewinnen.”

Gerade bei dieser Wahl könnte das TV-Duell daher wichtig werden. Denn: Seit 20 Jahren gab es nicht so viele unentschlossene Wähler kurz vor der Bundestagswahl. Laut dem Umfrage-Institut Allensbach wussten Mitte August 46 Prozent der Befragten nicht, bei wem sie am 24. September ihr Kreuz machen werden.

5. Wo stehen Union und SPD in den Umfragen?

Doch hat Schulz wirklich noch eine Chance? Selbst Schröder stand 2005 vor seiner berüchtigten Aufholjagd besser da in den Umfragen als die SPD aktuell.

Die Union liegt in den Umfragen derzeit zwischen 37 und 40 Prozent.
Die SPD erreicht je nach Umfrage zwischen 22 und 24 Prozent.

Die fast hoffnungslose Lage wird jedenfalls für ein lebhaftes Duell sorgen, glauben Beobachter. Schulz müsse deutlich machen “dass er nicht bereit ist, als Juniorpartner anzutreten und sagen: 'Wir werden jetzt eine neue Phase einläuten’”, sagte etwa der Soziologe Nils Diederich gegenüber der “Tagesschau”. So habe Schulz vielleicht noch eine Chance.

Mehr zu Merkel gegen Schulz: Alle Neuigkeiten zum TV-Duell könnt ihr bei uns im Live-Blog nachlesen

Mit Material der dpa.

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(lp)

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