Schulz berichtet Merkel im TV-Duell von 3 Telefonaten – und bringt die Kanzlerin in Bedrängnis

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SCHULZ MERKEL
Schulz berichtet Merkel im TV-Duell von 3 Telefonaten – die Taktik dahinter geht nur teilweise auf | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • SPD-Chef Schulz erwähnt im TV-Duell mehrfach Telefonate, die er geführt habe
  • Damit will er Merkel unter Druck setzen – es gelingt nur teilweise

Martin Schulz kann Telefon. Das ist ein erstes Fazit, das sich nach dem TV-Duell zwischen dem SPD-Herausforderer und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ziehen lässt.

Gleich mehrfach berichtet der SPD-Chef in der Diskussion mit Merkel von Telefonaten, die er geführt habe.

Schulz' Kalkül: Er will den Zuschauern den Eindruck vermitteln, dass er etwas tue, die Dinge selbst anpacke – und gegebenenfalls mit einem schnellen Telefonat in die richtigen Bahnen lenke.

Dem SPD-Mann gelingt es so mehrmals, Druck auf die Kanzlerin auszuüben.

Am Ende reichte es wohl dennoch nicht.

Bei Anruf Horst

Beispiel 1: Schulz berichtet, er habe den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer angerufen.

Schulz habe ihn gebeten, einen afghanischen Schüler nicht abzuschieben, den er zuvor in der RTL-Sendung "Wahlarena" getroffen hatte. Damals versprach der Sozialdemokrat dem gut integrierten Jungen, sich für seinen Verbleib in Deutschland einzusetzen.

Offenbar mit Erfolg, wie Schulz nun im TV-Duell berichtet. Er brachte Seehofer dazu, dem Afghanen den Verbleib in Deutschland zu gewährleisten. Das lässt Schulz zunächst sympathisch wirken.

Doch die gewonnene Sympathie setzt der SPD-Mann dann schnell selbst wieder aufs Spiel. Denn nur wenige Sätze später betont Schulz, um die Ministerpräsidenten der SPD-geführten Länder zu verteidigen, auch Seehofer schiebe nicht konsequent ab.

"Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt bemerkte zurecht: "Das ist eigentlich charakterlich fragwürdig: Er bittet den bayerischen Ministerpräsidenten, etwas zu tun, und bastelt danach einen rhetorischen Strick draus.“

Merkel habe Schulz angerufen

Beispiel 2: Auch mit Merkel hat Schulz telefoniert. Dieses Mal berichtet der SPD-Mann von einem Telefonat, um seine Kontrahentin als verzweifelt zu entlarven.

In der Debatte um die PKW-Maut habe Merkel Schulz, damals noch Präsident des EU-Parlaments, angerufen.

"Sie haben mich in der Nacht angerufen und gesagt: 'Machen Sie mal!’", erzählt der SPD-Mann von der Bitte der Kanzlerin. Die hatte noch im letzten TV-Duell im Jahre 2013 versprochen, mit ihr werde es keine Maut geben.

Schulz' Angriff ist indiskret, aber wirkungsvoll.

Das Telefonat über die Sammelklagen

Beispiel 3: Schulz will mit Heiko Maas telefonieren. Er will sich um die Rechte der Diesel-Fahrer kümmern, denen nach dem Abgas-Skandal Fahrverbote drohen.

Hier geht Schulz sogar mit Angela Merkel d’accord.

Die sagt nämlich, der Entwurf von Justizminister Heiko Maas für eine "Musterfeststellungsklage", die Diesel-Fahrern zu ihrem Recht verhelfen werden soll, sei zu bürokratisch, sie wolle aber gerne mit Maas über das Vorhaben sprechen.

Noch nach der Sendung werde er das tun, wirft Schulz ein. "Eine gute Idee“, sei das von Merkel.

Heiko Maas reagiert bei Twitter auf die etwas skurrile Szene – und verhilft Schulz damit zum Pluspunkt. "Frau Merkel hätte mich jederzeit anrufen können. Meine Nummer hat sie. Stattdessen hat sie die MFK ohne Gegenargument blockiert“, scheibt Maas.

"Wenn Schulz telefoniert, bewegt sich was"

Schulz' Telefon-Taktik – ob geplant oder unbewusst – ging allerdings wohl nur teilweise auf. Moderator Peter Klöppel bemerkte zwar süffisant: "Wenn Herr Schulz telefoniert... bewegt sich was.“ Doch bei Twitter hagelte es auch viel Spott für die ständigen Anekdoten über seine Anrufe.

"Ich warte nur noch drauf, bis Schulz zu Klöppel sagt, er würde nun gerne den Telefon-Joker in Anspruch nehmen“, schrieb ein Nutzer.

"Merkel hat Schulz in der Nacht angerufen? Bestimmt die SPD-Werte ins Telefon gehaucht und aufgelegt“, kommentierte ein anderer Zuschauer.

Und die Junge Union in Hamburg attackierte den SPDler erwartungsgemäß besonders böse: "Nun wissen wir: Kandidat #Schulz kann auch ein Telefon bedienen. Wahnsinn! Jetzt versteht man, warum er für #SPD #Gottkanzler ist.“

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