Obama hinterließ im Oval Office einen Brief mit vier Ratschlägen - an zwei hat sich Trump nicht gehalten

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BARACK OBAMA DONALD TRUMP
Obama hinterließ im Oval Office einen Brief mit vier Ratschlägen - an zwei hat sich Trump nicht gehalten | POOL New / Reuters
Drucken
  • Obama hat Trump für dessen Amtsantritt einen Brief mit vier Ratschlägen geschrieben
  • Der US-Sender CNN veröffentlichte nun den Inhalt des Schreibens

Ein paar hilfreiche Worte sollten es sein. Von einem scheidenden Präsidenten zu seinem Nachfolger.

Als Donald Trump am 20. Januar nach seiner Vereidigung ins Weiße Haus einzog, fand er einen Brief seines Vorgängers im Oval Office vor. Barack Obama hatte ihn handschriftlich verfasst.

Der Fernsehsender CNN hat nun den Inhalt des Briefs veröffentlicht. Darin hat Obama vier Ratschläge für Trump aufgeschrieben. An zweien hat sich der aktuelle Präsident bisher nicht gehalten.

Zunächst gratuliert Obama seinem Nachfolger zu dessen "beachtenswerten Lauf", der Trump bis ins Weiße Haus geführt habe.

"Das ist ein einzigartiges Amt, es gibt keinen klaren Masterplan für Erfolg. Von daher kann ich nicht sagen, dass mein Rat Ihnen besonders hilfreich sein wird. Dennoch, lassen Sie mich Ihnen ein paar meiner Erkenntnisse der letzten acht Jahre mitteilen", schreibt Obama.

In knappen Worten legt er Trump dann vier Dinge ans Herz:

Chancengleichheit

"Wir sind gesegnet", schreibt Obama und verweist auf die gute Ausgangslage, mit der Trump und er ins Leben gestartet seien. Aber nicht jeder habe so viel Glück. "Es liegt an uns, alles daran zu setzen, mehr Leitern zum Erfolg für jedes Kind und jede Familie zu bauen, die gewillt sind, hart zu arbeiten."

barack obama donald trump

Trump zeigte am 22. Januar bei einer Pressekonferenz den Obama-Brief den Journalisten.

Führungsanspruch der USA

"Der Führungsanspruch der USA in dieser Welt ist unverzichtbar", schreibt Obama. Es liege am Präsidenten, die Ordnung aufrechtzuerhalten, die seit dem Ende des Kalten Krieges entstanden sei.

An diesen Ratschlag hat sich Trump freilich nicht gehalten.

Mit der Parole "America First" zog er in den Wahlkampf. Und es dauerte nicht lange, da brüskierte er die Nato-Partner mit der Behauptung, sie würden dem Bündnis und den USA Geld schulden.

Trump war auch bei Gipfeltreffen nicht zu Zugeständnissen an seine Verbündeten bereit. Nach dem erfolglosen G7-Treffen auf Sizilien hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Rede, die viele Kommentatoren als Zeitenwende verstanden:

"Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen", sagte sie. Und fuhr in Anspielung auf Trump fort: "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei."

Schützer der Institutionen

Als dritten Punkt schrieb Obama an Trump: Es gelte im Amt, die Demokratie und ihre Institutionen zu achten. "Egal, wie sehr das tägliche Geschäft der Politik drängt, es liegt an uns, die Instrumente unserer Demokratie so stark zurückzulassen, wie wir sie übernommen haben." Obama zählt Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und Bürgerrechte als Beispiele auf.

Sieben Monate nach der Amtsübernahme von Trump klingt die Passage fast vorausschauend, kommentiert CNN. Denn Trump wird vorgeworfen, die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit mehrfach missachtet zu haben.

So kritisierte er die Entscheidung eines Bundesrichters über den Einreisebann für Muslime aus sieben Ländern und trampelte auf der Würde des Richteramts herum, als er von einem "sogenannten Richter" twitterte, dessen Urteil "lächerlich" sei.

Auch die verbalen Attacken auf seinen eigenen Justizminister Jeff Sessions brachten Trump den Vorwurf ein, das Ministerium nicht zu achten.

Mehr zum Thema: Trump zieht ins Weiße Haus ein - und lässt als erstes goldene Vorhänge anbringen

Die Familie

Obamas vierter und letzter Ratschlag: "Nehmen Sie sich Zeit, in der Eile der Ereignisse, für Ihre Familie und Freunde. Sie werden Sie durch harte Zeiten bringen."

An diesen Ratschlag hat sich Trump gehalten. Manche Kritiker würden vielleicht sagen: zu sehr. Denn Familienmitglieder des Trump-Clans arbeiten nun Seite an Seite mit dem Präsidenten im Weißen Haus. Das brachte ihm schon den Vorwurf der Vetternwirtschaft ein.

Trump gefiel der Brief seines Vorgängers allerdings, berichtet CNN. Er versuchte Obama daraufhin telefonisch zu erreichen, um ihm zu danken.

Mehr über Donald Trumps Chaos-Präsidentschaft:

Was alle wissen sollten, die glauben, dass Donald Trump bald des Amtes enthoben wird

Trump profitiert von der starken US-Wirtschaft - doch diese 6 Fakten sollten dem US-Präsidenten Sorge bereiten

Trump ist eine Zumutung. Aber was nach ihm kommen könnte, wäre noch schlimmer

Donald Trump will die USA spalten - mit dieser perfiden Taktik will er sein Ziel erreichen

Sonderermittler Robert Mueller: 5 Dinge, die ihr über den Mann wissen solltet, der Donald Trump zu Fall bringen könnte

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Korrektur anregen