Die Erde bebt in Nordkorea – Experten gehen von Atomtest aus

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NORTHKOREA
Die Erde bebt in Nordkorea – Experten haben einen schlimmen Verdacht | KCNA KCNA / Reuters
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  • In Nordkorea ist ein schweres Erdbeben gemessen worden
  • Experten befürchten, dass es Folge eines weiteren Atomtests war
  • Die Daten deuten auf den bisher größten Sprengkörper hin

In zweierlei Hinsicht war das ein Beben: Ein Erdbeben in Nordkorea hat Befürchtungen über einen möglichen neuen nordkoreanischen Atomtest ausgelöst. Die amerikanische Erdbebenwarte berichtete am Sonntag, die Erdstöße hätten die Stärke 5,6 erreicht. Auch aus China kommen ähnliche Messergebnisse.

Politisch würde der neue Atomtest wohl eine zuvor schwer vorstellbare neue Eskalationsstufe im Nordkorea-Konflikt bedeuten.

Die südkoreanische Regierung wollte einen neuen Atomversuch Nordkoreas nicht ausschließen. Das Präsidialamt in Seoul teilte mit, es werde geprüft, ob es sich um eine solche unterirdische Detonation einer Atombombe handele.

In der Vergangenheit waren auch erst seismische Aktivitäten gemessen worden, bevor festgestellt worden war, dass sie durch einen Atomtest ausgelöst worden waren. Der Nuklear- und Sicherheitsexperte Boris Toucas geht in diesem Fall von einem ähnlich großen oder größeren Sprengkörper aus, wie bei einem vergangenen Test im September.

Jim Sciutto, Experte für Sicherheitspolitik beim US-Sender CNN, berichtete bei Twitter, das Beben sei in der gleichen Gegend aufgetreten, wie im Falle vergangener Nukleartests.

Zuvor hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un verkündet, sein Land habe jetzt auch eine Wasserstoffbombe entwickelt, mit der eine Interkontinentalrakete (ICBM) bestückt werden könne.

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Kim Jong-un inszeniert sich

Nordkoreas Führer habe bei einem Besuch im staatlichen Atomwaffeninstitut eine H-Bombe inspiziert, die auf eine ICBM montiert werden sollte, berichteten die Staatsmedien am Sonntag.

Das Institut habe damit den Vorgaben der herrschenden Arbeiterpartei entsprochen, einen Durchbruch bei der atomaren Bewaffnung zu erzielen. Die Angaben ließen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen. Es hieß, der Fortschritt basiere auf dem Erfolg, den das Land mit seinem ersten Wasserstoffbombentest im Januar des vergangenen Jahres erzielt habe.

Sollten sich die Befürchtungen über den neuen Atomversuch bestätigen, wäre es die größte Provokation Kim Jong Uns seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump.

Trump hatte "militärische Optionen" nicht ausgeschlossen, um Nordkoreas Machthaber daran zu hindern, sein Atom- und Raketenprogramm weiter zu entwickeln. Auch hatte der US-Präsident mit "Feuer und Wut" gedroht, was Sorgen vor einem bewaffneten Konflikt in Ostasien anfachte.

So gefährlich ist Nordkoreas Arsenal

Die USA verfolgen die Entwicklung besonders mit Sorge, weil sie einen Schlag gegen amerikanisches Territorium befürchten. Die Bestückung einer ICBM wäre ein weiterer großer Fortschritt im Atom- und Raketenprogramm des Landes, das strengen internationalen Sanktionen unterworfen ist.

Bisher wurde angezweifelt, dass Nordkorea bereits über die Technologie verfügt, einen Sprengkopf so zu verkleinern, dass er auf eine Rakete passt.

Die Explosionskraft einer Wasserstoffbombe oder H-Bombe ist um ein Vielfaches höher als bei einer herkömmlichen Atombombe. Das diplomatisch isolierte Land hat den USA und Südkorea schon mehrfach mit einem präventiven Atomschlag gedroht.

Bilder der nordkoreanischen Medien zeigten am Sonntag ein Foto von Kim Jong Un und hochrangigen Parteifunktionären um einen runden silbernen Behälter, der angeblich den Sprengkopf für die Rakete zeigt. Er sei "stolz auf die unbezwingbare Stärkung" der Atomstreitkräfte, wurde Kim zitiert.

Nach offizieller Darstellung lässt sich die Sprengkraft der neuen Waffe von Dutzenden Kilotonnen "bis mehrere hundert Kilotonnen" variieren.

"Trump macht alles falsch"

Erst vergangene Woche hatte Nordkorea eine Mittelstreckenrakete getestet, die dabei über den Norden Japans flog. Auch gabe es zwei Tests mit einer ICBM im Juli. Der UN-Sicherheitsrat hatte nach den ICBM-Tests die bisher strengsten Wirtschaftssanktionen gegen Pjöngjang verhängt.

Nordkorea hatte bereits mehrfach behauptet, Atomwaffen bauen zu können, die klein genug für Raketen sind. Im Januar des vergangenen Jahres hatte Nordkorea den bisher letzten Atomtest durchgeführt und behauptet, dabei eine Wasserstoffbombe gezündet zu haben. Es gab aber im Ausland große Zweifel daran.

Der "Washington Post"-Kolumnist David Rothkopf bezeichnete die Konfliktsituation als "gefährlichste der Welt". Unter US-Präsident Donald Trump habe sich die Lage sogar noch weiter zugespitzt. "Er hat sich mit jeder Entscheidung verkalkuliert."

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