Nach 35 Minuten kennen viele Zuschauer den Sieger des TV-Duells – es ist weder Merkel noch Schulz

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MERKEL SCHULZ
Journalists watch a TV debate between German Chancellor Angela Merkel of the Christian Democratic Union (CDU) and her challenger Germany's Social Democratic Party SPD candidate for chancellor Martin Schulz in Berlin, Germany, September 3, 2017. German voters will take to the polls in a general election on September 24. REUTERS/Fabrizio Bensch | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Beim TV-Duell geht es in den ersten 35 Minuten fast nur um Flüchtlinge
  • Das nervt viele Zuschauer: Sie sehen schon jetzt die AfD als Sieger

Nicht Kanzlerin Angela Merkel konnten dem TV-Duell in den ersten rund 35 Minuten ihren Stempel aufdrücken. Und auch nicht SPD-Herausforderer Martin Schulz.

Nein, viel eher wirkte es so, als bestimme die AfD die Agenda der Sendung. Denn die vier Moderatoren kannten nur ein Thema, mit dem sie die beiden Kandidaten konfrontierten: die Flüchtlingskrise.

Es ging um Abschiebungen, um "eine Partei rechts der CSU", wie Sat1-Moderator Claus Strunz es formulierte, um Familiennachzug und mögliche und unmögliche Flüchtlingsabkommen. Merkel und Schulz antworteten bemüht – doch viele Zuschauer verloren schnell die Geduld.

"Die AfD fragt, die Große Koalition antwortet"

Medienkritiker Stefan Niggemeier etwa kommentierte genervt von der einseitigen Themensetzung und der Harmonie bei den eigentlichen Gegnern: "Jetzt seit 40 Minuten nonstop: Die AfD fragt, die Große Koalition antwortet."

Auch "Bento"-Journalist Ole Reißmann kam zu einem ähnlichen Fazit. Seit einer halben Stunde würden die Moderatoren darüber reden, "wie man Flüchtlinge los wird und Grenzen schließt. Die AfD hat gewonnen."

ARD-Journalist Philipp Menn kritisierte: "Seit 35 Minuten Flüchtlinge, Abschiebung, Islam. Im Moment gewinnt eine andere Partei bei diesem #TVDuell."

Die SPD ist verärgert

Auch in der SPD war man offenbar genervt vom Beginn der TV-Debatte. Juso-Chefin Johanna Ueckermann etwa wünscht sich andere Gesprächsthemen: "Rente? Bildung? Arbeit? Wohnraum?"

Das Thema soziale Gerechtigkeit wurde dann nur kurz abgehandelt, wie viele Zuschauer – und vor allem SPDler – beinahe fassungslos bemerkten. SPD-Familienministerin Katarina Barley schrieb etwa "Hat Maybritt Illner eben gesagt: 'Das mit der sozialen Gerechtigkeit können wir ja schnell machen'...???"

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(ll)

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