Trumps riskanter Wut-Brief: Der US-Präsident begründete die Entlassung des FBI-Chefs Comey in einem Schreiben

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Trumps riskanter Wut-Brief: Der US-Präsident begründete die Entlassung des FBI-Chefs Comey in einem Schreiben | Jonathan Ernst / Reuters
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  • Laut Medienberichten liegt Sonderermittler Mueller ein Brief vor, in dem Trump die spätere Entlassung von FBI-Direktor Comey begründet
  • Der Brief ist ein weiteres Beispiel für die widersprüchlichen Begründungen aus dem Weißen Haus für die Entlassung
  • Er könnte dazu beitragen, Trump des Eingriffs in die Ermittlungen gegen sein Team zu überführen

"Große Neuigkeiten in der Russland-Ermittlung“, kündigte die "Washington Post“ ungewohnt reißerisch an. Und was dann kam, hatte es durchaus in sich.

Laut der Zeitung liegt dem US-Sonderermittler Robert Mueller ein Brief aus dem Mai vor, in dem US-Präsident Donald Trump die Entlassung des ehemaligen FBI-Chefs James Comey begründet.

Öffentlich hatte Trump stets behauptet, den Geheimdienstdirektor auf Empfehlung des Justizministeriums gefeuert zu haben. In dem Brief, den Trump mit seinem Berater Stephen Miller geschrieben haben soll, seien nun aber Beschwerden aufgelistet, die Trump über Comey hatte.

Die Entlassung des FBI-Chefs im Mai hatte für einen Aufschrei in den USA gesorgt. Comey nämlich war für die Ermittlung gegen das Trump-Team verantwortlich, dem Kontakte nach Russland während der US-Wahl vorgeworfen werden, die zu einer Beeinflussung der Wahl geführt haben könnten.

Nun liegt diese Ermittlung bei Mueller – und dem liegt ein weiteres brisantes Beweisstück vor.

Wieso ist der Brief so wichtig?

Zunächst einmal: Über den genauen Inhalt des Schriftstücks ist wenig bekannt. Die "Washington Post" berichtet aber, der Brief habe mehrere Seiten – "viel, um es genau auseinanderzunehmen", wie die Zeitung berichtet. Trump habe den Brief seinem Justizminister Rod Rosenstein übergeben, der die Russland-Ermittlungen beaufsichtigt.

Das Schriftstück könnte die Version des Weißen Hauses, das die Entlassung Comeys mit einem allgemeinen "Vertrauensverlust" begründete, ein für allemal negieren. Trump selbst hatte wenige Tage nach der Entscheidung im US-Fernsehen zugegeben, er habe die Russland-Ermittlung im Kopf gehabt, als er den Geheimdienstler gefeuert habe.

Was Trump nicht sagte: "Ich habe Comey wegen der Russland-Ermittlung entlassen." Ein solches Geständnis würde den US-Präsidenten dem direkten Eingriff in die Ermittlungen gegen sein Wahlkampfteam überführen.

Die "Washington Post" spekuliert über die Schlagkraft des Briefes: Mit Miller habe einer der ideologisch radikalsten Berater Trumps an diesem mitgearbeitet. Mehrere Mitarbeiter sollen den Präsidenten davor gewarnt haben, den Inhalt des Schreibens als öffentliche Rechtfertigung zu nutzen.

"Er könnte einige Themen darin ein bisschen zu stark beleuchtet haben", kommentiert die Zeitung.

In Trumps Team herrschte Besorgnis

Die Entscheidung, Comey zu feuern, sorgte bereits im Mai auch in Trumps Team für viel Unverständnis.

"Es wurde genau zu dem, vor dem alle Angst hatten", erklärt ein anonymer Berater aus dem Weißen Haus dem US-Magazin "Politico". Trumps damaliger Stabschef Reince Priebus und der heute ebenfalls zurückgetretene Steve Bannon hätten dem Republikaner geraten, die Entscheidung zu verschieben.

Die Entscheidung sei in Gesprächen mit Miller, Trumps Tochter Ivanka und deren Ehemann Jared Kushner gefallen.

Trump war offenbar zu wütend auf Comey, zu besorgt über dessen mangelnde "Loyalität", wie Quellen berichten.

Comey hatte in seiner Aussage vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats im Juni selbst berichtet, der Präsident habe von ihm "Loyalität" verlangt.

Trump sagte: "Ich brauche Loyalität." Ich erwiderte: "Sie werden immer Ehrlichkeit von mir bekommen." Er machte eine Pause und sagte dann: "Das ist, was ich will, ehrliche Loyalität."

Wollte Trump die Ermittlungen behindern?

Der Tatbestand der Behinderung der Justiz ist nicht leicht nachweisbar. Strafbar hätte Trump sich gemacht, wenn er willentlich die Ermittlungen von Comey behindern wollte. Dubios lassen den Präsidenten die verschiedenen Begründungen der Entlassung erscheinen.

Einige Indizen für eine Behinderung der Justiz gibt es allerdings. Comey hatte bei seiner Aussage vor dem Senatsausschuss im Juni erklärt: Er sei der Meinung, Trump habe ihn wegen der Russland-Untersuchungen entlassen wollen.

Jetzt liegt es an Mueller, das zu beweisen. Der Brief ist ein weiteres Puzzle-Stück in dieser Untersuchung - und ein weiteres Beispiel für die widersprüchlichen Aussagen des Weißen Hauses über die Entlassung von Comey.

Mit Material der dpa.

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(ll)

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