Warum sich die Briten beim Brexit Varoufakis zum Vorbild nehmen - und seine Fehler wiederholen

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VAROUFAKIS
Warum sich die Briten beim Brexit Varoufakis zum Vorbild nehmen - und seine Fehler wiederholen | GETTY
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  • Die britische Regierung scheint sich bei den Brexit-Verhandlungen den ehemaligen griechischen Finanzminister Varoufakis zum Vorbild zu nehmen
  • Doch der "Wall Street Journal"-Journalist Simon Nixon warnt: Die Briten sind dabei, die Fehler des exzentrischen Ă–konomen zu wiederholen

Für kurze Zeit 2015 war Yanis Varoufakis wohl der meist gehasste Mann in Westeuropa. Die “Bild”-Zeitung nannte den ehemaligen Finanzminister Griechenlands damals mal “Professor Seltsam” oder gleich “den Lügner”.

Derzeit taucht der Name Varoufakis wieder auf - im Zusammenhang mit den Brexit-Verhandlungen.

Der britische Außenminister William Hague bezog sich diese Woche auf Varoufakis und sagte, die EU würde die Briten so behandeln, wie damals die Griechen während der Euro-Krise. Das berichtete der EU-Chefunterhändler Guy Verhofstadt in einem Gastbeitrag für die britische Zeitung "Telegraph".

Und auch der Journalist Simon Nixo schreibt im “Wall Street Journal” nach der desaströsen dritten Verhandlungsrunde zwischen Großbritannien und der Europäischen Union:

Zurzeit durchforste die britische Regierung Varoufakis neustes Buch - und London sei dabei, daraus die falschen Lehren zu ziehen.

"Die Erwachsenen im Raum"

Für Großbritannien sei Varoufakis Buch über die Griechenland-Krise, “Adults in the Room”, zu so etwas wie einem Handbuch geworden, kommentiert Nixon im “Wall Street Journal”.

Im Mai hatte der exzentrische Ökonomie-Professor Varoufakis sein Buch veröffentlicht. Darin beschreibt er seine Sicht auf die 162 Tage im Amt als griechischer Finanzsminister - und auf die Verhandlungen mit der EU während der Euro-Krise.

Der Titel des Buchs, "Die Erwachsenen im Raum", bezieht sich auf einen Ausspruch von Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Gemeint waren damit die Vertreter aus Griechenland und ihre - in den Augen von Lagarde - unrealistischen Ziele.

Varoufakis scheiterte letztlich, einen Schuldenschnitt fĂĽr sein Land herauszuhandeln. BerĂĽhmt wurde er fĂĽr seine exzentrischen Auftritte in Lederjacken, fĂĽr seine flotten SprĂĽche und fĂĽr seinen Mittelfinger.

Unausgegorene Ideen

In "Adults in the room" gibt der Ökonom einen detaillierten Einblick in die Verhandlungen mit der EU. Laut ihm sei es eine Geschichte von Menschen, “die sich selbst der Gnade brutaler Umstände ausgeliefert sehen, die von einem unmenschlichen, meist unsichtbaren Netzwerk von Machtverhältnissen erschaffen wurden.” So pathetisch beschreibt das Varoufakis selbst.

Klar, dass sein Bericht für die Briten interessant ist. Für die Brexit-Verhandlungen können sie womöglich einige Lehren daraus ziehen, wie sich die EU-Beamten am Verhandlungstisch verhalten.

“WSJ”-Journalist Simon Nixon nennt drei Beispiele, die direkt aus Varoufakis "Handbuch" stammen könnten:

► Zuletzt überschütteten die Briten die EU-Kommission förmlich mit Papieren. Das Problem: Viele der Dokumente beständen aus nichts anderem, als zu erklären, warum es im Sinne Großbritanniens und der EU wäre, den Status quo so weit wie möglich zu erhalten, berichtet das "WJS".

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker spottete am Dienstag: "Ich habe mit der nötigen Aufmerksamkeit alle diese Papiere (...) gelesen und kein einziges stellt mich wirklich zufrieden."

Viele Papiere seien so fadenscheinig, wie einige der Dokumente von Varoufakis, schreibt Nixon für das “WJS” weiter.

► Eine Idee der Briten sei besonders absurd: Großbritannien will laut einem Dokument die Zollunion - wie vorgesehen - verlassen, aber keine Zollkontrollen einführen. Stattdessen sollen Importe mit Tracking-Geräten versehen und unterschiedlich besteuert werden, sollten sie für Großbritannien oder das in der EU-verbleibende Irland bestimmt sein.

Regierungsvertreter hätten behauptet, in die Idee sei eine Menge Zeit eingeflossen. Aber das Dokument belege das nicht, berichtet das “WJS”.

Nixon vergleicht das Vorhaben mit Varoufakis' Vorschlag, Touristen mit Kameras auszustatten, um Steuerbetrug in Griechenland aufzuspĂĽren.

► Zudem versuchte die britische Regierung, ähnlich wie Varoufakis damals, die EU-Kommission zu umgehen - und direkt mit den jeweiligen Regierungschefs zu verhandeln, berichtet Nixon weiter.

Aber wie in Zeiten der Griechenland-Krise werde die EU darauf nicht eingehen.

Die Briten mĂĽssten jetzt eine nĂĽchterne Rechnung aufmachen

Die Briten seien also dabei, die Fehler von Varoufakis zu wiederholen, lautet Nixons Fazit im “WSJ”. Wie einst der griechische Minister würden sie versuchen, ein unrealistisches Ziel zu erreichen - und auf eine Zermürbungstaktik setzen, die schon einmal schief gegangen ist.

“Die wahre Lehre für Großbritannien aus der Griechenland-Krise”, schreibt Nixon, “ist die Notwendigkeit für eine nüchterne Bewertung, wo die Verhandlungen vermutlich hinführen werden - um dann die Öffentlichkeit auf die unvermeidlichen Zugeständnisse und Kosten vorzubereiten.”

Und Varoufakis selbst? Der war nie ein BefĂĽrworter des Brexit und gibt schon aus diesem Grund ein seltsames Vorbild fĂĽr die britische Regierung ab.

“Wir können kritisch zur EU stehen, ohne sie verlassen zu wollen”, schrieb Varoufakis kürzlich in einem Gastbeitrag für die britische Wochenzeitung “New Statesman”. Und rief die oppositionelle Labour-Partei dazu auf, einen eigenen Brexit-Plan vorzulegen.

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