"Diplomatischer Krieg": USA und Russland streiten über Schließung von konsularischer Vertretung

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PUTIN TRUMP
"Diplomatischer Krieg": USA und Russland streiten über Schließung von konsularischen Vertretungen | Carlos Barria / Reuters
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  • Nachdem Moskau US-Diplomaten nach Hause geschickt hatte, muss jetzt das russische Konsulat in San Francisco schließen
  • Besonnene Diplomaten mahnen beide Seiten zur Zurückhaltung
  • Doch nicht alle halten sich daran

Der Konter ließ nicht lange auf sich warten.

Das ohnehin schwer belastete Verhältnis zwischen den USA und Russland wird durch einen Streit über diplomatische Vertretungen im jeweils anderen Land schwer belastet. Die USA forderten am Donnerstag Russland auf, sein Konsulat in San Francisco zu schließen.

Ferner müssten zwei diplomatische Abteilungen in New York und Washington geschlossen werden, wo unter anderem die Handels-Missionen untergebracht sind.

Washington reagierte damit auf die Ausweisung des eigenen Personals in Vertretungen in Russland.

Im Streit schiebt Moskau Washington die Schuld zu. "Das ist ein sehr ungerechter Schritt. Er bedeutet, dass die USA eine heiße Phase eines diplomatischen Krieges erklären", sagte der einflussreiche Abgeordnete Leonid Sluzki laut russischen Nachrichtenagenturen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow bedauere die Entscheidungen. Zugleich machte er die USA für die "Eskalation der Spannungen" verantwortlich. Moskau werde die US-Maßnahmen prüfen und über eine Reaktion entscheiden, erklärte Lawrow in einem Telefonat mit dem US-Außenminister Rex Tillerson.

Russischer Botschafter: "Jetzt müssen wir in Ruhe Ordnung schaffen"

Ende Juli hatte Moskau die Regierung von Präsident Donald Trump aufgefordert, das Personal auf 455 Kräfte zu reduzieren. Moskau hatte von einer Reduzierung um 755 Mitarbeiter gesprochen, dies aber nur als "Vorschlag" bezeichnet.

Auslöser waren neue Sanktionen der USA wegen der Annektierung der Krim und der Verstrickung Moskaus in den bewaffneten Konflikt in der Ukraine sowie die Vorwürfe der Einmischung in den US-Wahlkampf 2016.

Anders als Sluzki und Lawrow mahnte der neue russische Botschafter in Washington, Anatoli Antonow, zu Besonnenheit: "Jetzt müssen wir in Ruhe Ordnung schaffen, müssen ganz ruhig und professionell handeln." Antonow war erst am Donnerstag in Washington angekommen.

Antonow ersetzt Botschafter Sergej Kisljak, der wegen seiner Kontakte zu Mitgliedern des Trump-Wahlkampfteams in die Schlagzeilen geraten war. "Um mit Lenins Worten zu sprechen: Wir brauchen keine hysterischen Anfälle", sagte Antonow nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur "Tass".

Dieser wiederum sorgte beim ehemaligen US-Botschafter in Russland, Michael McFaul, für Irritationen. Er twitterte: "Das ist ein Wirt, richtig?"

USA geben Russland Schuld

Die USA sehen die Schuld für die diplomatische Eskalation hingegen bei Russland. Man hätte auf das vollständige Herstellen diplomatischer Parität verzichtet, teilte eine Sprecherin des US-Außenministeriums mit. Und weiter: "Wir hoffen, dass in Russland bemerkt wird, dass nicht wir es waren, die die Diskussion um Parität begonnen haben."

Die Abwärtsspirale bei den gegenseitigen Beziehungen solle dennoch gestoppt werden. Die USA wollten weiter daran arbeiten, nach Gebieten mit gemeinsamen Interessen zu suchen, um die Beziehungen wieder zu verbessern.

Jeder der beiden Nationen blieben damit drei Konsulate im jeweils anderem Land. Zum Vergleich: Im relativ kleinen Deutschland unterhalten die USA und Russland neben ihrer jeweiligen Botschaft in Berlin fünf Generalkonsulate, hinzu kommen Honorarkonsuln.

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(ben)

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