Mit diesem brutalen Cover über Hurrikan "Harvey" geht das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" zu weit

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  • Das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" beschäftigt sich auf dem aktuellen Cover mit dem Sturm "Harvey" - und mit rechter Gewalt
  • Der Titel sorgt für eine Welle der Empörung

Zehntausende Menschen in den USA wissen derzeit nicht, wo sie schlafen sollen. Der Sturm "Harvey" hat ihre Wohnungen geflutet, von bis zu 39 Todesopfern berichten manche US-Medien.

"Harvey" scheint nicht das richtige Thema für ein Satire-Magazin zu sein. Doch die Macher von "Charlie Hebdo" haben mit ihrer neuesten Ausgabe einmal mehr gezeigt, dass sie vor nichts zurückschrecken.

Das neueste Titelbild des Magazins zeigt Nazi-Flaggen und Arme, die zum Hitlergruß erhoben sind. Alles unter Wasser. Dazu haben die Satiriker geschrieben: "Gott existiert! Er hat alle Neonazis in Texas ertränkt."

Der rechte Sumpf im Süden

Das eigentliche Thema ist also das Problem der rechten Gewalt in den USA. Seit den Ausschreitungen in Charlottesville diskutieren Medien und Politik dort, ob die Neonazis, die rechtsradikale Alt-Right-Bewegung und der rassistische Ku-Klux-Klan in den vergangenen Jahren unterschätzt wurden.

Vor allem im Süden der USA, der jetzt von "Harvey" so schwer getroffen wurde, gilt Rassismus vielerorts noch immer als Kavaliersdelikt.

Auch die Reaktion von US-Präsident Donald Trump auf Charlottesville hat viele Kommentatoren in den USA empört. Drei der wichtigsten US-Magazine thematisierten rechte Gewalt auf ihren Covern.

Keine der Redaktion ging freilich so hart mit Neonazis ins Gericht wie die Franzosen von "Charlie Hebdo". Das Cover spitzt das Problem der rechten Gewalt im Süden zu - und macht aus allen Flutopfern pauschal Neonazis.

"Böse und verabscheuungswürdig"

Die Reaktionen auf den Titel fielen dementsprechend heftig aus:

"Ein böses, verabscheuungswürdiges Cover. Aber die Loser von 'Charlie Hebdo' haben ein gottgegebenes Recht, es zu veröffentlichen - und keiner hat das Recht, sie zu erschießen", schreibt die US-Journalistin Tiana Lowe auf Twitter und spielt auf den islamistischen Anschlag auf die Redaktion 2015 an.

Der britische Journalist Piers Morgan twittert: "Dieser 'Charlie Hebdo'-Titel über das Houston-Desaster ist, selbst für ihre Standards, absolut ekelhaft."

Die "Charlie Hebdo"-Redaktion wandert mit vielen ihrer Cover auf der Grenze zwischen beißender Satire und Geschmacklosigkeit. Eine Grenze, die die Macher immer wieder überschreiten.

Nach dem Terror-Anschlag in Barcelona löste das Magazin eine Welle der Empörung aus - weil das Cover islamistischen Terror mit dem Islam gleichsetzte. Für viele Leser war das keine Satire mehr, sondern Hetze.

Auch im aktuellen Fall schien der Redaktion die Provokation wichtiger gewesen zu sein als eine wirkliche Botschaft.

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