Parkinson-Therapie: Wissenschaftler glauben, es könnte Heilung geben

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Japanische Forscher haben vielversprechende Ergebnisse in der Parkinson-Therapie-Forchung erzielt. | Reptile8488 via Getty Images
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  • Parkinson beginnt schleichend, schreitet aber stetig voran
  • Noch konnte keine Heilung für die Nervenkrankheit gefunden werden
  • Japanische Forscher sind der Antwort nun vielleicht durch eine Stammzellentherapie ein Stück näher gekommen

Die Kommunikation im Gehirn funktioniert über Botenstoffe. Neurotransmitter, die Signale an die Neuronen, also Nervenzellen, weiterleiten oder diese hemmen können.

Sie sind die Grundlage der Funktionsweise des Gehirns. Wenn diese Signalübertragung gestört wird, kann es zu einer Einschränkung der kognitiven oder motorischen Fähigkeiten kommen.

So ist es auch im Fall der Krankheit Parkinson. Hier ist die Dopamin-Produktion gehemmt, wodurch es zu Muskelsteifheit, Unbeweglichkeit und Zittern kommt. Kurz: Die Motorik wird stark eingeschränkt. Etwa 10 Millionen Menschen leiden an der Krankheit, etwa ein Prozent der über 60-Jährigen.

Stammzellen könnten Parkinson heilen

Forscher der japanischen Universität Kyoto haben nun eine Stammzellentherapie entwickelt, die Hoffnung auf Heilung verspricht. Diese Zellen finden sich in menschlichen Föten, aber auch im Blut und in der Haut erwachsener Menschen.

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Die Studie haben die Forscher nun im Fachblatt "Nature" veröffentlicht.

Forscher programmieren Zellen um

Zuerst entnahmen die Wissenschaftler für ihre Studie drei erkrankten und vier gesunden Menschen Stammzellen und programmierten diese zu Nervenzellen um - genauer in Dopamin-Neuronen.

Dopamin gilt gemeinhin als Glückshormon, wirkt aber eher motivierend und antriebssteigernd.

Dafür versetzten sie die Zellen in ihren ursprünglichen Zustand, ähnlich embryonaler Stammzellen. Für dieses Verfahren bekam der Japaner Shinya Yamanaka bereits 2012 den Nobel-Preis. Aus diesen Zellkulturen ließen die Wissenschaftler die Nervenzellen wachsen, die im Gehirn Parkinson-Erkrankter aus noch ungeklärten Gründen fehlen.

Dopamin-Neuronen reduzierten Symptome

Diese Nervenzellen, die Dopamin produzieren, wurden anschließend in die Gehirne von zehn Menschenaffen eingepflanzt. Den Tieren haben die Forscher zuvor ein Mittel verabreicht, das eine Nervenkrankheit auslöst, die Parkinson ganz ähnlich ist.

Vier der Tiere bekamen Zellen, die auf Spenden von Parkinson-Patienten zurückgingen, vier weitere hingegen Zellen, die aus den Gewebespenden von Gesunden heranwuchsen. Zur Kontrolle erhielten drei Affen keine Zellen.

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Die Affen beobachtete man zwei Jahre lang - mit dem Ergebnis, dass die Symptome der Krankheit deutlich zurückgingen. Tests mit Ratten und Mäusen hatten zuvor ähnliche Ergebnisse erzielt.

Keine Tumorbildung

Was außerdem ein wichtiges Ergebnis dieser Studie ist: Die Tiere bildeten keine Tumoren aus. Denn ein großes Risiko der Stammzellentherapie ist eben die Bildung von Tumoren.

Doch die Versuchsreihe gibt Hoffnung, dass erkrankte Menschen selbst Zellen in ihrem Körper tragen, die zu heilenden Neuronen umprogrammiert werden können.

Wenn ein Erkrankter mit seinen eigenen Zellen behandelt würde, wäre das Risiko niedriger, dass sich ein Tumor entwickle, sagte Andreas Hermann, Professor für Neurologie am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Dresden, dem Sender “MDR”.

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Noch keine belastbaren Ergebnisse

Zu einem abschließenden Ergebnis konnten die Forscher allerdings nicht kommen, da die Versuchsgruppe dafür zu klein war.

Allerdings hat die Studie den Weg für klinische Tests an menschlichen Patienten geöffnet. Noch sind die Versuche allerdings sehr teuer, weshalb eine flächendeckende Therapie erst einmal noch in weiter Ferne zu liegen scheint.

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Das Verfahren könnte die Therapie aber ergänzen. Im Moment werden die Symptome von Parkinson mit Medikamenten, die die Dopaminproduktion anregen, und mit Krankengymnastik, die ebenfalls anregend auf die Neuronenproduktion wirkt, behandelt. Heilbar ist die Krankheit bisher nicht.

Es bleibt zu hoffen, dass die klinischen Tests positive Ergebnisse erzielen und allgemein einsetzbare Stammzellen hergestellt werden können, damit den Patienten geholfen werden kann. Aber auch, damit Tierversuche in der Forschung nicht mehr notwendig sind.

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(cho)

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