Die Nato ist in Sorge wegen Putins Atomprogramm - und will reagieren

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Die Nato ist in Sorge wegen Putins Atomprogramm - und will reagieren | Alexei Nikolsky via Getty Images
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  • Die USA werfen Russland den Bruch eines wichtigen Abrüstungsabkommens vor
  • Die Nato erwägt laut einem Geheimpapier nun verschiedene Reaktionsmöglichkeiten

Russland verletzt nach der Einschätzung der Nato mit seinem Atomprogramm ein wichtiges Rüstungsabkommen. Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NRD und WDR hat die Nato deswegen ihren Mitgliedern eine geheime Liste mit Reaktionsmöglichkeiten geschickt.

Konkret soll Russland unter Präsident Wladimir Putin gegen den INF-Vertrag von 1987 zwischen den USA und der Sowjetunion verstoßen haben. Die Abkürzung steht für "Intermediate Range Nuclear Forces", also für nukleare Mittelstreckenraketen. Der Vertrag verpflichtet die Länder, bodengestützte Kurz- und Mittelstreckenraketen oder Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern innerhalb von drei Jahren zu vernichten.

Die USA vermuten dem Bericht nach, dass Russland schon seit 2008 gegen das Abkommen verstößt - doch auch Russland erhebt solche Vorwürfe gegen die USA.

Was die Nato vorschlägt

Nach den Medieninformationen herrsche bei der Nato "ernste Besorgnis". Das westliche Militärbündnis habe an seine Mitglieder ein geheimes Dossier mit dem Namen "Was wäre, wenn" geschickt, mit 39 Möglichkeiten, wie auf den Bruch des Abkommens reagiert werden könnte.

Darunter seien folgende Vorschläge:

Ausbau der nuklearen Abschreckungskraft der Nato
Installation von mehr Frühwarnsystemen
Verstärkung der U-Boot-Abwehr
Häufigerer Einsatz von B-2 und B-52-Bombern
Erhöhte Einsatzbereitschaft von Flugstaffeln, die Atombomben abwerfen können

Wovon die Nato abrät

Nicht empfohlen würden allerdings:

Neue Sanktionen
Eine Kündigung des INF-Vertrags und Bau eigener entsprechender Waffen

Die Nato fürchte sonst eine noch stärkere anti-amerikanische Stimmung.

Was die Lage besonders brisant macht

Das Problem ist also schon länger bekannt, doch die Lage ist derzeit besonders brisant:

In den USA soll es schon Überlegungen geben, selbst in den Bau von Kurz- und Mittelstreckenwaffen wieder einzusteigen
Die USA und Russland wollen beide ihre Atomwaffenarsenale modernisieren
Die diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und den USA sind nach der bereits erfolgten oder angekündigten Schließung von Vertretungen besonders angespannt.

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