Sat.1 fragt Kipping, ob sie Lindner scharf findet - die Antwort muss Deutschland Sorgen machen

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  • Bei der Sat.1-Wahlsendung "Wahl 2017" wurde viel ├╝ber Christian Lindners ├äu├čeres gesprochen - ob der wollte oder nicht
  • Als Moderator Claus Strunz die Linke Katja Kipping fragte, ob sie Lindner "scharf" finde, war die etwas ├╝berrumpelt
  • Nicht unbedingt wegen Lindners Aussehen - sondern vor allem, weil dieses ├╝berhaupt zum Thema gemacht wurde
  • Eine Zusammenfassung des Textes seht ihr im Video oben

Christian Lindner redet gerne ├╝ber Politik. ├ťber Digitalisierung, Steuersenkungen - und auch mal ├╝ber Wladimir Putin.

Das ist nur richtig: Schlie├člich ist Christian Lindner Chef der FDP und Spitzenkandidat der Liberalen bei der kommenden Bundestagswahl. Als solcher sollte und muss er versuchen, mit politischen Inhalten zu ├╝berzeugen.

Doch scheinen diese viele Menschen momentan nicht sehr zu interessieren. Das dachte sich zumindest der Sender Sat.1, dessen Moderator Claus Strunz am Mittwoch in der Sendung "Wahl 2017" mehrfach Lindners ├äu├čeres thematisierte.

Strunz fragte so ganz unverbl├╝mt die Linke-Politikerin Katja Kipping, ob sie Lindner "scharf" finde - und deren Antwort offenbarte, warum das ein gro├čes Problem ist.

"Ich ├╝berlege, ob das die Gleichstellung ist, die ich wollte"

Denn auf die Frage hin, ob sie Lindner und seinen Dreitagebart nicht toll finde, sagte Kipping: "Ich verarbeite noch, dass zum ersten Mal bei einem Mann vor allem ├╝ber das ├äu├čere gesprochen wird. Fr├╝her haben wir uns immer beschwert, wenn das bei Frauen der Fall war."

Das sei zwar ein interessantes Ph├Ąnomen, "doch ich ├╝berlege, ob das nun die Gleichstellung ist, die ich wollte." Denn diese wolle sie eigentlich ├╝ber Inhalte erreichen. Kipping lie├č sich dann doch noch zu dieser Aussage ├╝ber Christian Lindner hinrei├čen: "Das Aussehen ist noch das, was ich am wenigsten zu kritisieren hab."

Darauf sprang der exzentrische Moderator Strunz nat├╝rlich sofort an: "Ah, sie finden ihn also scharf, ja?"

Das verneinte Kipping deutlich und betonte: Wenn sie etwas Positives ├╝ber Lindner sagen m├╝sse, dann w├Ąre das vielleicht etwas ├╝ber sein Aussehen. Nur um dann zu fragen: "K├Ânnen wir auch noch ├╝ber Politik reden?"

Fragen ├╝ber Tinder, statt ├╝ber Themen

Eine berechtigte Frage zum richtigen Zeitpunkt. Denn es war beinahe schon absurd, wie sehr Claus Strunz sich f├╝r Sat.1 bem├╝hte, aus einer politischen Runde eine Sitcom zu machen.

Schon direkt zu Beginn der Sendung fragte er Lindner frei heraus, ob es bei diesem bei der Dating-App Tinder gut laufe. Ein Moment zum Fremdsch├Ąmen - und einer, bei dem man dem FDP-Chef ansah, wie er um seine Beherrschung bem├╝ht war.

Strunz legte sogar noch nach, indem er Lindner mit einer Umfrage konfrontierte, die zeigte, wie viele Menschen ihn eitel finden.

Lindner verwehrte sich all diesen Kommentaren zu seiner Person. "Ich finde, man sollte Politiker w├Ąhlen, die ein Angebot machen, Probleme zu l├Âsen", sagte er. Und beteuerte: "Ich besch├Ąftige mich nicht so viel mit Images, sondern mit Themen."

Ein offensichtlicher und ein subtiler Sexismus

Auf den Punkt gebracht: Strunz pers├Ânliche Fragen, sein Fokus auf das ├äu├čere eines seiner Studiog├Ąste zu legen, ist sexistisch. Und das auf gleich zwei Weisen.

Zun├Ąchst auf die, von der Katja Kipping sprach: Die Reduzierung eines Menschen auf sein ├äu├čeres, ├╝ber die sich bei Frauen zurecht immer wieder beschwert wird - und die nun bei einem Mann stattfand.

Und dann auf eine zweite, subtilere Weise. Diese offenbart sich darin, dass der FDP-Mann Lindner geschickt mit seiner mutma├člichen Attraktivit├Ąt kokettiert - etwa auf den Wahlplakaten der FDP, die auch als Werbetafeln f├╝r ein aufschneiderisches Modelabel herhalten k├Ânnten. "Kreativ", nennt Lindner das.

So "kreativ" k├Ânnte eine Politikerin jedoch niemals sein. Eine aufreizende Pose - und die deutsche Gesellschaft w├╝rde gegen sie Sturm laufen, sie als nicht professionell brandmarken. Lindner hingegen sch├╝tzt in dieser Hinsicht das Macho-Image, das m├Ąchtige M├Ąnner in Deutschland noch immer haben m├╝ssen und sollen.

Auch das ist Sexismus. Einer den man, wie es Katja Kipping sagte, erstmal verarbeiten muss.

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(ujo)

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