Nuklear-Experte erklärt: 5 Gründe, warum Kim Jong-un keine Angst vor Trump hat

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Nuklear-Experte erklärt: 5 Gründe, warum Kim Jong-un keine Angst vor Trump hat | KCNA KCNA / Reuters
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  • US-Langstreckenbomber und Kampfflugzeuge fliegen Manöver über Südkorea
  • Die Übung soll Bündnisstärke demonstrieren und eine Warnung an Nordkorea sein
  • Doch dessen Diktator Kim Jong-un hat wenig Angst vor US-Präsident Donald Trump

Die USA wollen sich keine Blöße geben. Als Antwort auf den neuerlichen Test einer Mittelstreckenrakete will die größte Militärmacht der Welt Stärke demonstrieren. So hat die US-Luftwaffe zwei strategische Langstreckenbomber des Typs B-1B sowie vier F35B-Mehrzweckkampfflugzeuge nach Südkorea geschickt.

Direkt an der innerkoreanischen Grenze sollen die Flugzeuge zusammen mit südkoreanischen Kampfjets ihre Angriffsfähigkeiten trainieren.

Doch auch diese jüngsten Muskelspiele werden Nordkoreas Diktator Kim Jong-un wohl kaum beeindrucken.

Kim deutete bereits an, die Raketenversuche seines Landes fortzusetzen. Und dass, obwohl der UN-Sicherheitsrat den jüngsten Raketentest einstimmig als "empörend" verurteilt und US-Präsident Donald Trump Nordkoreas Regime erneut gedroht hatte.

Doch warum hat Kim Jong-un keine Angst vor Trump?

In einem Beitrag für das US-Nachrichtenportal "Politco" legt der Nuklearwaffen-Experte und Politikberater Jon Wolfsthal fünf Hauptgründe für Kims Verhalten dar:

1. Nordkorea sitze am längeren Hebel: Die USA akzeptierten zunehmend, dass Nordkorea in Besitz von Nuklearwaffen ist. Egal was das kommunistische Regime tat, egal welche Regelungen es missachtete. Am Ende habe Amerika in der Vergangenheit stets nachgeben müssen. In den Augen von Kim verbessere sich die Position seines Landes am Verhandlungstisch immer weiter.

2. Trotz Isolation komme immer mehr Geld ins Land: Ungeachtet der verschärften Sanktionen kauft China weiterhin Kohle, Nordkoreas Arbeiter schuften nach wie vor im Ausland und das Regime verkauft weiter Waffen nach Afrika. Wolfsthals Fazit: Vor zehn Jahren sei das Kim-Regime in wesentlich schlechterer Verfassung gewesen.

3. Die USA würden nicht zuerst angreifen: Zwar gibt sich Trump gegenüber Nordkorea aggressiv. Doch ein US-geführter Präventivschlag berge ein gewaltiges Dilemma, erklärt der Experte: Denn ein solches Vorgehen sei diplomatisch und völkerrechtlich weit schwieriger zu rechtfertigen als ein Verteidigungskrieg. Insbesondere, da anschließend fast unvermeidlich ein Krieg ausbrechen würde. Zudem hätte es in der Vergangenheit bereits weit bessere Gelegenheiten für einen Angriff gegeben - der aber nicht erfolgte.

4. Die USA verlieren in Asien an Macht: China werde stärker, zugleich gingen Südkorea und Japan nicht mit allen Schritten Trumps mit, betont Wolfsthal. Außerdem berge für Peking der Kollaps seines Nachbarn Nordkorea ein hohes Risiko. Einerseits würden wohl hunderttausende nordkoreanische Flüchtlinge ins Land strömen, andererseits hätte China dann eine direkte Grenze zu einem US-Verbündeten, sollte Südkorea das Nachbarland einnehmen.

5. Nordkorea habe nichts zu verlieren: Kim Jong-un geht es vor allem ums Überleben, darin sind sich Experten einig. Wolfsthal sagt, Zurückweichen würde letztendlich immer fatal enden für die USA und ihre Verbündeten. Das hätte das Vorgehen gegen Muammar al-Gaddafi in Libyen oder gegen Saddam Hussein im Irak gezeigt.

Keiner konnte den Kim-Clan bisher stoppen

Zwar betont Wolfsthal, dass er natürlich nicht wisse, was im Kopf von Diktator Kim Jong-un vor sich gehe. Allerdings baut er seine Argumentation auf jahrzehntelange Erfahrungen auf.

Wolfsthal kontrollierte bereits Mitte der 1990er Jahre für die US-Regierung Nordkoreas Nuklearanlagen.

Und der Experte betont: "Kein hochrangiger US-Amerikaner hat jemals eine nachhaltige Unterhaltung mit einem nordkoreanischen Staatsoberhaupt geführt."

Zudem habe Kim Jong-un viel von seinen Vorgängern, seinem Vater und seinem Großvater, gelernt. Auch die hatten verschiedenste US-Präsidenten als Gegenpart. Von Richard Nixon, über George W. Bush bis eben hin zu Donald Trump.

Keiner von ihnen sei über die militärische Schlagkraft und die nuklearen Ambitionen Nordkoreas erfreut gewesen. Aber keiner von ihnen habe die Mittel besessen, um den Kim-Clan zu stoppen.

Mit Material der dpa.

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(ll)

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