US-Medien warnen angesichts der Naturkatastrophe in Texas vehement vor Spenden an das Rote Kreuz

Veröffentlicht: Aktualisiert:
HARVEY RED CROSS
Warum US-Medien angesichts der Naturkatastrophe in Texas vehement vor Spenden an das Rote Kreuz warnen | Nick Oxford / Reuters
Drucken
  • Der Süden der USA kämpft weiter mit den Folgen des Sturms "Harvey"
  • Ex-Präsident Obama und viele Stars rufen zu Spenden für das Rote Kreuz auf
  • Doch US-Medien warnen vor Spenden an die Organisation

Der Sturm zieht ab, die Not bleibt. “Harvey” schwächt sich ab, der Sturm hat in den vergangenen Tagen weite Teile des Südens der USA verwüstet.

Die Schäden sind enorm. “Harvey” verwandelte Houston in eine Seenlandschaft. Der texanische Gouverneur Greg Abbott sagte, das Katastrophengebiet sei viel größer, als es bei den Hurrikanen “Katrina” und “Sandy” der Fall gewesen sei.

Zehntausende Menschen leben derzeit in Notunterkünften, weil ihre Wohnungen überflutet sind. Mindestens 27 Menschen riss der Sturm in den Tod, berichtet der US-Sender CNN.

Zahlreiche US-Stars werben für Geldhilfen zugunsten der Opfer des Tropensturms, vor allem für das amerikanische Rote Kreuz. Auch der ehemalige US-Präsident Barack Obama verwies auf Twitter auf die wohltätige Organisation

Doch einige US-Medien raten von Spenden an das Roten Kreuz ab. Grund dafür sind Berichte aus den vergangenen Jahren.

”Sie kriegen nichts geregelt”

Denn mehrfach soll das gespendete Geld nicht dort angekommen sein, wo es dringend gebraucht wurde: bei den Opfern von Naturkatastrophen.

“Ich will niemanden unter die Räder bringen. Aber das Rote Kreuz: Sie kriegen nichts geregelt”, sagte der Bezirksrichter Ed Emment von Harris County gegenüber der US-Regionalzeitung “Houston Chronicle” am Dienstag.

Der US-Blog “ProPublica” teilte am Mittwoch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mehrere Recherchen über das Rote Kreuz aus den vergangenen Jahren:

2012 verwüstete der Wirbelsturm “Sandy” Jamaika, Kuba, die Bahamas und schließlich das US-Festland bei New Jersey. 300 Millionen Dollar an Spenden habe das Rote Kreuz damals erhalten, berichtete “ProPublica”.

Gegen öffentliche Anfragen, was mit dem Geld passierte, wehrte sich die Organisation mithilfe einer Kanzlei. Die Aktivitäten nach “Sandy” seien ein “Handelsgeheimnis”. Für “ProPublica” ein Beispiel dafür, wie intransparent das Rote Kreuz seine Spenden verwaltet.

Laut einer weiteren Recherche habe das Rote Kreuz im Nachgang des Sturms “Isaac” 2012 vor allem Präsenz im Katastrophengebiet zeigen wollen - statt effektiv Hilfe zu leisten.

“Wir wurden an den Golf geschickt, ohne dass wir etwas vorzuzeigen hatten”, sagte ein Fahrer eines Lastwagens eines Hilfskonvois. Die Wagen seien fast leer gewesen, sie seien damit herumgefahren, “nur um gesehen zu werden.”

Außerdem sei die Hilfsmission schlecht organisiert gewesen. Viele Mahlzeiten seien nie bei den Opfern angekommen. “Das Rote Kreuz hatte eine Armee von Freiwilligen zur Verfügung, aber viele wurden von den Leitern der Wohltätigkeitsorganisation fehlgeleitet", berichtet "ProPublica".

2016 raste ein Hurrikan mit einer Geschwindigkeit von 230 Kilometern pro Stunde über Haiti, Kuba und die Dominikanische Republik hinweg.

Das Rote Kreuz sammelte 500 Millionen Dollar für die Opfer auf Haiti. “ProPublica” deckte auf: Die Organisation errichtete damit nur sechs Häuser.

Mehr zum Thema: "Harvey" verwüstet den Süden der USA - Meteorologen erklären, was den Sturm so gefährlich macht

Rote Kreuz: ”Beständige Mythen”

Die Beispiele hören hier noch nicht auf. Doch die Botschaft hinter allen Recherchen von “ProPublica” ist eindeutig: Zu viel Geld bleibe in den Strukturen des Roten Kreuzes hängen, die Einsätze seien schlecht organisiert und wenig effektiv.

Die Geschäftsführerin des Roten Kreuzes, Gail McGovern, verteidigte in einem Blog für die amerikanische Ausgabe der HuffPost 2016 das Vorgehen ihrer Organisation.

Dass das Rote Kreuz in Haiti versagt habe, sei eine der vielen “beständigen Mythen”, die über die Helfer im Internet zirkulierten, schrieb sie.

Dass das Rote Kreuz nur sechs Häuser auf Haiti gebaut habe, wie “ProPublica” schon in der Überschrift seines Recherche-Artikels beklagte, sei irreführend. “Tatsächlich haben wir über 100 verschiedene humanitäre Projekte in Haiti gegründet”, schrieb McGovern.

Auch nach “Harvey” berichten schon erste Medien, das Rote Kreuz sei überfordert, die Notunterkünfte seien überfüllt. Allerdings ist das Ausmaß der Zerstörung riesig.

Brad Kieserman, Mitarbeiter des Roten Kreuzes, sagte dem US-Rundfunksender NPR am Montag: “Wir haben die Situation so gut im Griff, wie es die Lage derzeit erlaubt. Ich denke, zur Definition einer Katastrophe gehört, dass die Möglichkeiten und Fähigkeiten von dem Desaster zerstört wurden, auf das man antworten muss.”

Auch das kann erklären, warum das Rote Kreuz oft nicht so helfen kann, wie Betroffene es sich gerne wünschen würden.

Mehr zum Thema: Katastrophen-Tourist: US-Präsident Trump missbraucht die nationale Notlage zur Selbstinszenierung

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(sma)

Korrektur anregen