Studie: Trennungskinder sind weniger gestresst, wenn sie abwechselnd bei beiden Eltern wohnen

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Auch wenn die Situation nach einer Trennung schwierig sein kann, ist das geteilte Sorgerecht für die Kinder weniger stressig. | monkeybusinessimages via Getty Images
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  • Wenn sich Eltern trennen, stehen viele Entscheidungen an
  • Vor allem was das Sorgerecht der Kinder und die Wohnsituation angeht
  • Eine neue Studie zeigt nun, dass Kinder weniger gestresst sind, wenn sie abwechselnd bei beiden Eltern wohnen

Die Situation nach einer Trennung ist für alle Beteiligten nicht einfach. Die Eltern müssen entscheiden, wo die Kinder wohnen sollen und wie oft sie zwischen Vater und Mutter hin und her wechseln.

Eine Studie ist, was diese Fragen betrifft, jetzt zu einem überraschenden Ergebnis gekommen: Wenn Kinder die meiste Zeit bei nur einem Elternteil wohnen, fühlen sich öfter gestresst als wenn sich Eltern das Sorgerecht nach einer Trennung teilen.

Das gilt unabhängig davon, wie gut die Beziehung zwischen den getrennten Eltern und zwischen den Eltern und ihren Kindern ist.

Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Karlstad Universität in Stockholm. Ihre Studie veröffentlichten sie im "Journal of Divorce & Remarriage" veröffentlicht.

Kinder, die nur mit einem Elternteil leben, verlieren Ressourcen

Die schwedischen Wissenschaftler befragten 807 Kinder, die in unterschiedlichen Wohn- und Familiensituationen leben. Die Fragen bezogen sich auf Stresslevel und die Beziehung zu ihren Eltern. Auch die Eltern machten Angaben zu ihrer Beziehung zu ihrem ehemaligen Partner und der Beziehung zu ihren Kindern.

Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder, deren Eltern sich das physische Sorgerecht teilen, sich weniger pro Woche gestresst fühlen als Kinder alleinerziehender Eltern. Die Qualität der Beziehung zueinander spielt dabei erstaunlicherweise keine Rolle.

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Eine mögliche Erklärung: Kinder, die nur mit einem Elternteil zusammenleben und deshalb die gesamte oder meiste Zeit ohne den anderen Elternteil verbringen, sind deshalb gestresst, weil sie somit auch den Kontakt zu anderen Verwandten und Freunden verlieren. Auch die oft schlechtere finanzielle Situation könnte ein Faktor dafür sein, vermuten die Wissenschaftler.

Mit geteiltem Sorgerecht ist hier nicht nur das rechtliche geteilte Sorgerecht gemeint, das es beiden Eltern erlaubt, Entscheidungen für ihre Kinder zu treffen, sondern eine tatsächlich geteilte Wohnsituation. Die Kinder verbringen jeweils einen Teil der Zeit in unterschiedlichen Haushalten, bei beiden Elternteilen getrennt voneinander.

Auch, dass sich Kinder eher um einen Elternteil sorgen, den sie wenig oder gar nicht sehen, könnte ein Faktor für das höhere Stresslevel sein, sagte der Studienverantwortliche Jani Turunen dem Fachportal "EurekAlert". Turunens Hauptgebiet ist die Erforschung von mentaler Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Schweden vor 15 Jahren mit vielen europäischen Ländern heute vergleichbar

Er und seine Kollegen führten die Studie unter anderem mit Daten aus einer Recherche zu den Lebensbedingungen in Schweden durch, die zwischen 2001 und 2003 gesammelt wurden.

Da Schweden aber ein sehr progressives Land ist, auch was Familienmodelle betrifft, können die Daten von vor 15 Jahren aus Schweden Aufschluss über die gegenwärtige Situation in verschiedenen europäischen Ländern geben, erklärte der Forscher.

Es ist die erste Studie dieser Art, die sich explizit mit dem Zusammenhang zwischen der Wohnsituation von Trennungskindern und ihrem Stresslevel auseinandersetzt.

Das Bemerkenswerte: Oft hört man von Bedenken, dass eine geteilte Wohnsituation ein Stressfaktor für Kinder sein könne. Diese Ergebnisse deuten nun auf das Gegenteil hin.

Turunen sagte, es habe nie empirisch bewiesen werden können, dass geteiltes Sorgerecht eine instabile Situation für Kinder sei. Die Ergebnisse von ihm und seinen Kollegen stünden im Kontrast dazu.

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Mehr Stabilität statt Instabilität für die Kinder

Die Möglichkeit, eine aktive Beziehung zu beiden Eltern zu haben, könnte ein Grund für den reduzierten Stress der Kinder sein. Vergangene Studien hatten gezeigt, dass dies sehr wichtig für das Wohlbefinden von Kindern ist. So kann sich die Beziehung der Kinder zu den Eltern verbessern und beide Elternteile haben die Möglichkeit, sich aktiv in die Erziehung mit einzubringen.

Diese Art der Wohnsituation führt also nicht zu Instabilität, sondern zu Stabilität für die Kinder, schließt der Wissenschaftler.

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Wenn es also die Möglichkeit dazu gibt, die Kinder zwar in getrennten Haushalten, aber dennoch gemeinsam zu erziehen, dann sollten getrennte Eltern diese wahrnehmen. Auch wenn die Beziehung zwischen ihnen durchaus sehr schwierig sein kann.

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(lk)

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