Erika Steinbach teilt einen widerlichen Hetzbrief gegen die Integrationsbeauftragte Özoguz

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  • Erika Steinbach sorgt wieder einmal auf Twitter für Wirbel
  • Sie teilt einen Text, in dem die SPD-Politikerin Özoguz wüst beleidigt wird
  • Für die politische Kultur in Deutschland ist das ein Armutszeugnis

Die Twitter-Skandalnudel Erika Steinbach hat wieder zugeschlagen. Diesmal trifft es die SPD-Politikerin Aydan Özoguz. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung sieht sich seit Tagen Angriffen aus der AfD ausgesetzt.

Was Steinbach nun aber auf Twitter über Özoguz an eine breite Öffentlichkeit bringt, ist schlimmer als alles, was bisher von den Rechtspopulisten kam.

Am Mittwoch teilte Steinbach kommentarlos einen Text des Blogs "Philosophia Perennis". In dem Beitrag vom März zitiert der Betreiber des Blogs, David Berger, ausführlich aus einem Text des rechtsradikalen Schriftstellers Akif Pirinçci über Özoguz.

steinbach

Man könnte meinen, dass die aus der CDU ausgetretene und auf die hinteren Bänke des Bundestages verbannte Steinbach viel zu unwichtig ist, um ihrer Hetze eine größere Plattform zu bieten.

Der Fall ist aber berichtenswert, weil er zeigt, wie an den Rändern des demokratischen Spektrums die politische Kultur nach und nach zerstört wird.

"Mindertalentierte, fremdländische Natur"

Denn in dem Beitrag, den Steinbach teilte, heißt es unter anderem über Özoguz:

"Ihr Erscheinungsbild erinnert an eine karge anatolische Felslandschaft.“

"Es dürfte schwer sein, jemanden im Lande aufzutreiben, der das deutsche Wesen aus dem tiefsten Grunde seines Herzens derart haßt wie Özoguz."

"Aydan (Özoguz) hat wie alle Mindertalentierten, insbesondere fremdländischer Natur, die keine Wertschöpfung generieren und einfach mit Doof-Blabla vom Staat Managergehälter abkassieren Geschwätzwissenschaften studiert."

"Özoguz ist eine von hart arbeitenden Deutschen zwangsweise alimentierte Sprechpuppe im Dienste ihrer eigenen Umvolkung."

Das einzige was an dem Text nicht polemisch und tatsächlich wahr ist, ist die Aussage, dass die Brüder von Özoguz als Islamisten gelten.

Am Ende schreibt Berger in Anspielung auf die Abrechnung Pirinçcis mit Özoguz:

"Pirinçcis Vorgehen erinnert ein wenig an eine Putz-Kolonne, die unter Einsatz all ihres technischen Geräts und schwerer Chemikalien eine total versiffte, über Jahrzehnte abgewohnte und nicht mal ansatzweise gereinigte Wohnung säubert. Da hilft es auch nichts, mit einem Seidentüchlein mal sanft über das zentimeterdicke Gemisch aus Küchenfett, Schweißdämpfen, Staub, Fliegenkot und Tabak-Ablagerungen zu streicheln."

Regentänze in einem anderen Kulturraum

Für Berger ähnelt Özoguz also einer "versifften", dreckigen Wohnung.

Aber damit nicht genug. Berger zitiert am Ende des Textes noch einmal Pirinçci, der Özoguz empfiehlt, in ihren "Kulturraum" zurückzukehren.

Dort könne sie zusammen mit anderen "ohne Anpassung an 'unser Wertesystem' den ganzen Tag Regentänze aufführen zu einem Gangsta-Rap über Arschficken, worin die musikalischen Genies (ihrer Kultur, Anm. d. Red.) ja führend sind."

Dass der Text von David Berger sich von allen gesellschaftlichen Umgangsformen verabschiedet hat, ist auf den ersten Blick offensichtlich.

Auch der ehemalige Katzenbuchschreiber Pirinçci wäre kein ausführliches Wort wert, weil er solche Beleidigungen mittlerweile am Fließband produziert.

Steinbach unterstützt Beschimpfung ihrer Kollegin

Doch dadurch, dass Steinbach den Text teilt, gibt sie ihm Gewicht. Sie adelt die Beleidigungen.

Und das ist das eigentlich erschreckende an dem Fall: Dass eine Bundestagspolitikerin diese wüsten Beleidigungen an einer Kollegin - und das sind Steinbach und Özoguz am Ende immer noch - unterstützt.

Erika Steinbach hat damit mit großen Schritten eine Grenze übersprungen, die die AfD seit Monaten verschiebt. Wüste Beschimpfungen und Beleidigungen werden unter rechten Politikern gerade gesellschaftsfähig. Für die politische Kultur in Deutschland bedeutet das nichts Gutes. Trump lässt grüßen.

Mehr zum Thema: Liebe "Zeit", ihr wollt für Toleranz kämpfen - und bietet mit David Berger ausgerechnet einem Vordenker der neuen Rechten ein Forum

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(jg)

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