Eine Frau wird beim Laufen fotografiert - was ein Mann über ihr Outfit schreibt, ist widerlich

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  • Laura Lukin ist einen Halb-Marathon in Miami mitgelaufen - in kurzer Laufkleidung
  • Bei Facebook kommentierte ein Mann unter einem Foto der Amerikanerin, solche Kleidung sei eine Einladung zur Vergewaltigung
  • Lukins Reaktion auf den Kommentar begeistert jetzt Tausende

“Es ist ihre eigene Schuld, wenn sie so wenig anhat.” Mit solchen oder ähnlichen unfassbaren Vorwürfen sehen sich Frauen, die sexuell belästigt oder gar vergewaltigt wurden, noch immer konfrontiert.

So als ob die Kleidung einer Frau eine Einladung zur Vergewaltigung wäre und das Opfer die Schuld trage. Laut einer EU-Studie finden es sogar zehn Prozent der Europäer gerechtfertigt, eine Frau zu vergewaltigen, die freizügig gekleidet ist.

Was ist das für ein Frauenbild? Und: Was ist das für ein Männerbild?

Laurah Lukin, Professorin an der Universität Cincinnati, hat in einem Blogpost jetzt die perfekte Antwort auf diese absurden Vorwürfe gefunden.

Die Mutter aus Ohio lief beim Little Miami Half Marathon mit. Der Veranstalter postete - neben vielen anderen Fotos - ein Bild von ihr in kurzer Sportkleidung auf seiner Facebook-Seite.

Kommentare, die sprachlos machen

Ein Kommentar eines Nutzers unter diesem Foto “machte sie sprachlos”, sagte die Professorin.

Zuerst bekam sie Komplimente für ihr Aussehen und ihre sportliche Figur. Darauf antwortete ein ihr nicht bekannter Facebook-Nutzer: "Der Grund dafür ist, dass sie keine verdammte Kleidung trägt und um ihr Leben rennt." Weiter schrieb er: "Kein Wunder, dass Joggerinnen vergewaltigt werden."

Lukin: "Ich muss mich nicht für meine Kleiderwahl rechtfertigen"

Das wollte sie nicht hinnehmen und reagierte mit einem Blogeintrag. Wie viele Menschen sie damit erreichen würde, ahnte Lukin da noch nicht.

Zuerst habe sie die Wahl ihrer Kleidung rechtfertigen wollen, schrieb sie. Es sei eben gemütliche, gut passende Kleidung für das Rennen gewesen. Aber dann dachte sie noch einmal darüber nach - enttäuscht über ihre erste Bauchreaktion. Sie hatte sich für nichts zu rechtfertigen, sondern der Mann, der diesen furchtbaren Kommentar geschrieben hatte.

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"Ich bin nicht verantwortlich dafür, Männer durch meine Kleiderwahl - mein Laufoutfit oder meine Sportkleidung - nicht in Versuchung zu bringen", schrieb sie dann. "Die Länge meiner Shorts ist kein Zeichen von Interesse, keine Einladung und auch keine Einwilligung."

Damit hat sie wohl einen Nerv getroffen. Offenbar muss man über dieses Thema immer noch sprechen. Ihr Blogeintrag verbreitete sich rasant im Netz und mehrere Zeitungen, darunter "New York Post" berichteten darüber.

Eine Auseinandersetzung mit der Rechtfertigung von sexueller Gewalt

“Es gab auch Fotos vom Rennen, die Männer ohne T-Shirt zeigten, Männer in kurzen Shorts, Männer in engen Shorts; doch das regte niemanden dazu an, etwas über deren potenzielle Einladung zu sexuellen Angriffen zu schreiben”, schrieb die Professorin.

Die Kommentare wurden mittlerweile entfernt, aber Lukin wäre eher dafür, sich mit Menschen auseinanderzusetzen, die Vergewaltigung entschuldigen, statt sie zum Schweigen zu bringen. Denn nur so könne sich in ihrem Denken etwas ändern.

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Sie hat außerdem einen Artikel für die Sport-Webseite "Runnersworld" mit dem Titel "Meine Laufkleidung ist keine Einladung zur Vergewaltigung" geschrieben. Auch darin setzt sie sich mit der gegenwärtigen "rape culture" - also "Vergewaltigungs-Kultur" - auseinander.

Kleidung ist keine Einladung zur Vergewaltigung

Darin schreibt sie auch, dass die Reaktionen auf ihren Blog gemischt waren. Viele fänden die Reaktion übertrieben, da die Kommentare des Mannes keine Aufmerksamkeit verdienten. Aber sehr viele hätten ihren Blog sehr positiv aufgenommen und seien auch der Meinung, dass sich gefährliches Gedankengut hinter den Kommentaren des Mannes verstecke.

Lukin hofft, dass ihre Erfahrungen dabei helfen, den Menschen ins Gedächtnis zu bringen, dass die Kleiderwahl keine Entschuldigung für sexuelle Angriffe sein darf.

Denn was sagt das über eine Gesellschaft aus, wenn sie Verbrechen mit den niedersten Instinkten ihrer Mitglieder rechtfertigen will und den Opfern die Schuld gibt? Das ist abscheulich. Vor allem in einer vermeintlich offenen Gesellschaft.

Viele Schneeflocken können zusammen eine Lawine erzeugen

"Ich hoffe, dass ich andere vielleicht dadurch ermutigen kann, laut auszusprechen, was sie denken und sich öffentlich gegen diese Art der Kultur zu stellen, um damit zu helfen sie zu verändern", sagte sie weiter.

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Der Mann, der die Kommentare geschrieben hatte, hatte Laurin nach ihren eigenen Angaben online als zerbrechliche empfindliche "Schneeflocke" bezeichnet und damit "den Ernst der Vergewaltigungs-Kultur verhöhnt".

Deshalb schrieb sie: "Mit genug Schneeflocken ist es möglich, eine Lawine zu erzeugen, die ganze Landschaften verändern kann."

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(ks)