AfD-Frau Weidel soll bei Sat.1 sagen, wie sie Altersarmut bekämpfen will - und scheitert völlig

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  • In der Sat.1-Sendung "Wahl2017" kamen die Vertreter der Kleinparteien Grüne, Linke, FDP und AfD zu Wort
  • Unter anderem ging es in der Sendung um das Thema Altersarmut - und wie diese zu bekämpfen sei
  • Wie auch oben im Video zu sehen ist, scheiterte AfD-Kandidatin Weidel gründlich, als sie ihr Konzept dazu erklären sollte

Es war viel Beiwerk zu sehen, in der Sat.1-Show "Wahl 2017". Der Sender hatte es sich im Vorfeld zur Aufgabe gemacht, die "10 wichtigsten Fragen der Deutschen" den Vertretern der kleinen Parteien - FDP, Grüne, Linke, AfD - zu stellen.

In der Folge wurde dann statt über Politik viel über Persönliches diskutiert: Wie attraktiv ist Christian Lindner (Linken-Politikerin Kipping: "Sein Programm finde ich schlimmer")? Wer würde Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt für die heimische Grillparty einkaufen lassen (Antwort: Nur die wenigsten)? Und wer würde gerne die AfDlerin Alice Weidel als Nachbarin haben?

Die klare Antwort auf die letzte Frage: Kaum jemand, 88 Prozent der von Sat.1 befragten Menschen würden nicht neben Weidel wohnen wollen.

Das könnte und sollte daran liegen, dass die AfD-Spitzenkandidatin als Fremdenfeindin einer nicht nur latent rassistischen Partei vorsteht. Aber vielleicht hat so manch ein Befragter auch an Weidels Fähigkeiten als Politikerin gedacht.

Denn in der Wahlsendung von Sat.1 zeigte sich, dass es mit diesen nicht weit her ist - vor allem, als es um das Thema Altersarmut ging.

"Den Flüchtlingen mit die Schuld daran zu geben, ich weiß nicht..."

"Sind Flüchtlinge und Eurokrise auch Schuld an Altersarmut in Deutschland", fragte Moderator Claus Strunz die AfD-Spitzenkandidatin. Die nahm die Steilvorlage natürlich an: Klar, die Frage müsse sie - "leider" - mit "Ja" beantworten.

Dann ratterte sie das Parteiprogramm der AfD herunter - ohne tatsächlich auf das Problem Altersarmut einzugehen. Sie sagt, die bezogene Rente müsse nach 45 Jahren mindestens über der Grundsicherung liegen und abschlagsfrei bezogen werden können. Die heutige "Schieflage der gesetzlichen Rentenversicherung", die habe laut Weidel die "völlig rechtswidrige Euro-Rettungspolitik" zu verantworten.

Der Mann, der zuvor an die Politikerrunde mit der Sorge um seine Rente herangetreten war, konnte Weidels Ausführungen nichts abgewinnen.

Sie habe ihn am wenigsten überzeugt, sagte er. Und fügte mit einem fast peinlich berührtem Gesichtsausdruck hinzu: "Den Flüchtlingen mit die Schuld daran zu geben, ich weiß nicht - wir haben das noch nicht so lange, mit den Flüchtlingen, oder?"

Das Fazit des Studiogasts: "Deswegen fand ich das jetzt ein bisschen schlecht."

"Den Flüchtlingen mit die Schuld daran zu geben, ich weiß nicht..."

Mehr überzeugt hatte ihn die Grünen-Politikerin Göring-Eckardt.

Die forderte, den Mindestlohn zu erhöhen, dass der Staat anteilig mehr der Sozialabgaben von Arbeitnehmern zahlen soll und eine Garantierente. "Wer von Anfang bis zur Rente gearbeitet hat, der muss deutlich mehr haben, als die, die nicht oder nur wenig gearbeitet haben", sagte Göring-Eckardt - und bedankte sich auch noch bei ihrem Gegenüber, für den Job den er mache.

Zuvor hatte FDP-Kandidat Christian Lindner dem Mann versprochen, die Wirtschaft zu stärken, damit ihn mehr Leute für mehr Geld einstellen wollten. Er forderte zudem, Sozialabgaben und Steuern zu senken, "damit sie nicht überlastet werden."

Die Linke Katja Kipping hingegen forderte einen Mindestlohn von 12 Euro die Stunde, ein Rentenniveau von 53 Prozent, eine Rentenkasse in die auch Abgeordnete, Ärzte und Anwälte einzahlen sowie eine Mindestrente von 1050 Euro.

Sicherlich lässt sich über diese politischen Forderungen diskutieren, auch streiten. Was Göring-Eckardt, Lindner und Kipping aber gemeinsam hatten: Sie ließen sich nicht dazu herab, Fremden- und EU-Feindlichkeit zu verbreiten, als es um die Not von Arbeitnehmern und Rentnern gehen sollte.

Anders als Alice Weidel.

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(mf)

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