POLITIK
31/08/2017 16:30 CEST | Aktualisiert 31/08/2017 16:37 CEST

AfD-Politiker aus Sachsen-Anhalt will mit deutscher Tradition werben - und beleidigt ein ganzes Bundesland

  • Die selbsternannten Bewahrer deutscher Traditionen zeigen erneut, dass sie davon keine Ahnung haben

  • Der Beitrag eines AfD-Politikers aus Sachsen-Anhalt sorgt einen Shitstorm

  • Insbesondere Nutzer aus Bayern fühlen sich davon beleidigt

Bier, Breze, Dirndl. Was soll da schon schiefgehen, um für das "Bewahren deutscher Traditionen" zu werben?

Das dachte sich wohl der AfD-Politiker Daniel Schneider aus Sachsen-Anhalt, als er ein entsprechendes Wahlkampfmotiv auf seine Facebook-Seite stellte. Wohlgemerkt: Schneider ist Vorstandsmitglied des völkisch-nationalistischen Parteiflügels "Patriotische Plattform" und kandidiert derzeit für den Bundestag.

Doch das Bild des selbsternannten Bewahrers deutscher Traditionen sorgt nun für einen Shitstorm. Denn viele Nutzer, mutmaßlich zum Großteil aus Bayern, empfanden die Darstellung als Beleidigung - und äußerten sich erbost unter dem Beitrag.

"Preußisches Klischee vom multipotenten, saufenden und jodelnden Bayern"

"Das Bild hat weder mit Tradition noch mit deren Bewahrung zu tun", erklärt Erich Tahedl, Geschäftsführer des Bayerischen Trachtenverbandes, der HuffPost.

Er betont: "Es wird das preußische Klischee vom multipotenten, saufenden und jodelnden Bayern bedient."

Der Experte steht mit seiner Meinung nicht alleine da.

Facebook-Nutzer fällen ein hartes Urteil über das Poster:

"Die Maß' schaut lack aus, die Brezn lätschad, der schwarze Reißverschluss passt an eine Skijacke aber niemals an ein Dirndl und nur Preissn hängen sich a silberne Brezn um den Hals.....unerreichter FAIL! Setzen 6 (sic!)", urteilt Harald B.

Clemens K. greift die Kritik auf und beschwert sich: "So auffällig (billig?) wie der Reißverschluss ist und der Stoff (Polyester?) glänzt, ist das 'Dirndl' hoffentlich nicht Made by China."

Auch Klaus T. unterstreicht, "ein richtiges Dirndl hat vorne kein (sic) Reißverschluss". Dass die AfD von Tradition "labere", aber solch eine Bild "bringe" zeigt, "wie peinlich" die Partei sei.

"Was von Tradition faseln, aber ein Bild von einer 19,95 Dirndl-Imitation posten, die keine Bayerin freiwillig anziehen würde", betont Florian K. Sein Fazit: "Typisch Vollpfostenverein."

"Welche Bayerin zieht sich ne Brezn-Kette, ein Dirndl mit Reißverschluss und dann auch noch ohne Schürze an?", fragt sich auch Vera S. "Mit euren Verweisen auf diese Pseudotradition könnt ihr nicht ablenken von eurer Politik, die nur auf Abgrenzung gemünzt ist."

Die ganze Diskussion bringt schließlich Johanna R. auf den Punkt: "Das Dirndl ist eine bayerisch/österreichische Tradition. Ich habe selten einen Sachsen im Dirndl gesehen." Deshalb sollte die AfD aufhören mit Traditionen zu werben. Kurzum: "A Nazi hod koa Tradition."

Nicht das erste Mal kennt die AfD deutsche Traditionen nicht

Eigentlich hätte die Partei gewarnt sein müssen.

Denn es ist nicht das erste Mal, dass die Rechtspopulisten zeigen, dass sie keine Ahnung von deutscher Kultur haben.

Bereits vor zwei Wochen blamierte sich die AfD bei einem Plakatmotiv mit Trachten. Die Darstellung einer Schwarzwälder Tracht war komplett falsch und hatte letztendlich mit dem Original nichts zu tun.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg