Titten, Ärsche, Sex: Das ist der neue Wahlspot von Sonneborns "Die Partei"

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  • "Die Partei" veröffentlicht ihren Wahlwerbespot in der HuffPost
  • Parteichef Sonneborn wollte einen möglichst obszönen, platten Film - das ist gelungen
  • Die Partei macht wie üblich keine ernsthaften Vorschläge, eine Botschaft hat sie dennoch

"Die Kampagnen für die Bundestagswahl sind mal wieder zum Gähnen", stand am Freitag im Magazin der "Süddeutschen Zeitung".

Da war der Werbespot von "Die Partei" noch nicht erschienen. Hinter "Die Partei" steckt der Satiriker Martin Sonneborn, derzeit Abgeordneter im Europaparlament.

Im Film von "Die Partei" kommt alles vor, was einen nicht kleinen Teil der Deutschen anspricht: Alkohol, Titten, Ärsche. Trotz seines expliziten Inhalts soll der Spot auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen, sagt Sonneborn.

Ist der Spot primitiv? Sicher!

"Unser Werbespot ist mit Sicherheit der platteste, populistischste und primitivste Spot, der jemals im ZDF gelaufen ist. Die Arzneimittelwerbung im Vorabendprogramm einmal ausgenommen", sagt Parteichef Martin Sonneborn der HuffPost.

Frauen, Männer und Transen saufen in dem Filmchen aus Flaschen mit Penis-Logo, halten lasziv geöffnete Lippen in die Kamera, schwingen ihre Hintern. Die Frauen zeigen ihren Busen.

"Die Partei"-Kanzlerkandidat Serdar Somuncu (in Hose, Hemd und Krawatte) lässt sich massieren, Sonneborn (im Anzug) schmeißt Schaum in die Szenerie. Es ist Spülmittel, das mit dem Mixer ordentlich aufgerührt wurde. Dazu quietscht eine Geige avantgardistisch. Rutscht der Schaum die Plexiglasscheibe herunter, die vor den Protagonisten steht.

Ist der Spot platt? Nur, wenn man die Anspielungen darin nicht versteht

Auf den ersten Blick wirkt der Spot völlig willkürlich und undurchdacht. Ist er aber nicht.

Der Film ist eine Hommage an eine revolutionäre Afri-Cola-Werbung aus dem Jahr 1968.

Die Off-Stimme sagte damals: "Alle im Afri-Cola-Rausch. Afri-Cola ist Genuss mit der Schwarzen Colabohne. Feierabend – Afri-Cola. Alles ist in Afri-Cola. Mini-Cola als Stimulans." "Heirat oder Nicht-Heirat, das ist nicht mehr die Frage." "Menschen, die bewusst ihre Zeit genießen. Bei vollem Verstand."

Auch im Spot der "Partei" sagt die Off-Stimme: "Im Parteirausch. Die Partei ist Genuss im grauen Anzug. Feierabend - die Partei. Alles ist in die Partei. Die Partei als Stimulans." "Partei oder nicht Partei, das ist nicht mehr die Frage." "Menschen, die sinnlos ihre Zeit genießen. Ohne Sinn und Verstand."

Im Afri-Cola-Spot tranken laszive Nonnen und halbnackte Männer die Cola. Eine angefrorene Glasscheibe, die vor den Protagonisten stand, verdeckte das Nötigste. Für die Zeit war es eine skandalöse, bahnbrechende Werbung.

Ist der Spot populistisch? Sicher!

"Unser Ansatz war, die Obszönität, mit der Politik und Automobilindustrie derzeit agieren, zu übertreffen. Aber ich fürchte, das haben wir nicht geschafft", sagt Sonneborn.

Die Positionen der "Partei" zu einzelnen Themen behandelt der Film nicht. Kein Wort zum Beispiel zu den europapolitischen Vorstellungen der "Partei":

"Trotz aller Probleme: Europa ist und bleibt für uns jener unveräußerliche Erdteil, der vor einiger Zeit aus dem Urkontinent Pangäa hervorging und sich über das westliche Fünftel der eurasischen Landmasse erstreckt", heißt es etwa im Parteiprogramm.

Seine tektonische Struktur sei mächtig genug, "um Jean-Claude Junckers Mini-Bar ein stabiles Fundament zu geben. Die Ergebnisse der Kontinentaldrift sind für uns nicht verhandelbar bzw. nur gegen Geld."

Sonneborn will im Film keine Themen durchackern, sagt er. "Die Leute wollen keine Inhalte. Und wir wollen Aufmerksamkeit", um ein besseres Ergebnis als bei der letzten Bundestagswahl zu bekommen. Damals stimmten immerhin 1,8 Prozent der Wahlberechtigten für Sonneborns Politprojekt.

Bis dahin, findet er, muss er als "Protestpartei für die intelligenteren Menschen" keine konkreten Vorschläge liefern, wie es besser laufen kann. Für die Zukunft strebt er eine Politik an, die "weniger wirtschaftsorientiert, sozialer und moralischer" ist als die der CDU.

Hat der Spot eine Botschaft? Ja!

Trotz allem transportiert der Spot politische Botschaften:

Er ist eine bitterböse Satire auf Populismus und die Perversität des Aufmerksamkeitskampfes. Er zeigt, was viele sehen wollen und viele aufregt.

Er macht keine inhaltlichen Versprechen. Das ist ebenso feige wie praktisch. Schließlich kann man ein Wahlversprechen, das keines ist, auch nicht brechen.

Der Spot transportiert perfekt, wofür "Die Partei" steht. "Die Partei" ist eine Satirepartei. Manche nennen sie Spaßpartei, aber das trifft es nicht. Weil es Sonneborn, so weit man das bei ihm sagen kann, ernst ist mit dem vermeintlichen Spaß.

Der Spot soll aufrütteln. "Stimulans sein." Er hat keinen Inhalt, aber eine Botschaft. Die Frage bleibt, wer bereit ist, den Film zu zeigen.

"Sagen Sie mal, Herr Sonneborn, was machen Sie, wenn der Jugendschutz die Ausstrahlung des Films behindert?"

"Dann stellen wir ihn bei Youporn ein."

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