Hunderte Beamte und Militärs suchen Schutz vor Erdogan in Deutschland

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Hunderte Beamte und Militärs suchen Schutz vor Erdogan in Deutschland | ADEM ALTAN via Getty Images
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  • Hunderte türkische Staatsbedienstete haben seit August 2016 laut einem Bericht der "Welt" in Deutschland Asyl beantragt
  • Ein Verbindungsmann des BKA warnt vor den Folgen der Massenentlassungen in der Türkei

Hochrangige türkische Polizeibeamte suchen offenbar Asyl in Deutschland. 500 Militärangehörige und Personen mit Diplomatenstatus sowie deren Familien hätten mittlerweile einen Antrag dazu gestellt, berichtet die "Welt" am Mittwoch.

Laut Informationen der "Welt" soll darunter auch ein führender Beamter der türkischen Nationalpolizei sein. In einem anderen Fall soll es sich um einen türkischen Verbindungsbeamten des Bundeskriminalamts (BKA) handeln.

Die türkischen Staatsbediensteten fürchteten offenbar weitere Repressalien oder sogar Gefängnisstrafen in der Türkei. Insgesamt sollen seit August 2016 mehr als 6700 Türken einen Asylantrag in Deutschland gestellt haben.

Massenentlassungen in der Türkei

Seit dem gescheiterten Putsch im Juni 2016 greift der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hart durch in seinem Land. Mehr als 150.000 Beamte wurden entlassen, erst am Freitag traf es wieder 928 Polizisten, Soldaten und Mitarbeiter aus dem Justiz- und Innenministerium.

Erdogan verdächtigt sie, der Gülen-Bewegung anzugehören. Die Behörden in der Türkei machen die Gruppe des im Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen verantwortlich für den Putschversuch.

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"Gewaltenteilung existiert nicht mehr"

Der BKA-Verbindungsmann habe bereits im vergangenen Jahr vor den Folgen der Massenentlassungen gewarnt, berichtet die "Welt". Durch die Entlassungen sei Fachwissen im türkischen Sicherheitsapparat verloren gegangen.

Insgesamt befände sich der Justizapparat in einer bedenklichen Situation. "Die Gewaltenteilung existiert in der Türkei faktisch nicht", habe der BKA-Verbindungsmann damals in einem internen Brief geschrieben.

Die Türkei kritisierte Deutschland bereits in der Vergangenheit, geflohenen Soldaten Asyl zu gewähren. Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung im Juli habe die türkische Regierung einen Austausch der Asylsuchenden mit den in der Türkei inhaftierten Deutschen angeboten. Die Bundesregierung dementierte den Bericht.

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(jg)

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