Hurrikan "Harvey": US-Präsident Trump nutzt die nationale Notlage zur Selbstinszenierung

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TRUMP TEXAS
Wie US-Präsident Trump die nationale Notlage wegen Hurrikan "Harvey" für seine Selbstinszenierung nutzt | Carlos Barria / Reuters
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  • Die USA erleben eine der größten Naturkatastrophen des vergangenen Jahrzehnts
  • Der Sturm "Harvey" verwüstet Texas, mehrere Menschen sind bereits gestorben
  • Und Donald Trump? Der nutzt das Chaos, um sich selbst zu profilieren

Große Naturkatastrophen geben einem US-Präsidenten die Möglichkeit, das Land zu vereinen und sich über die parteipolitischen Interessen zu erheben.

Für Donald Trump aber ist die Zerstörung, die der Hurrikan "Harvey" angerichtet hat, bisher vor allem eins: Eine willkommene Möglichkeit, um für sich selbst zu werben.

Trump besucht Texas - und trägt Klamotten aus seinem Trump-Shop

Sicher: Die Rettungsaktionen werden auf der lokalen Ebene koordiniert. Aber dem Präsidenten kommt immer noch eine wichtige Rolle zu: Er koordiniert die Katastrophenhilfe auf dem nationalen Level und er setzt den Ton, wie die USA mit der Katastrophe umgehen.

Grundsätzlich scheint Trump das klar zu sein. Er sagte am Dienstag in typischer größenwahnsinniger Trump-Manier: “Wir wollen, dass die Menschen in fünf oder zehn Jahren zurückschauen und sagen: So muss man mit Katastrophen umgehen.” Außerdem versprach er, dass “wir es besser als jemals zuvor machen”.

In Wahrheit aber erscheint es so, als wolle Trump die Leute überzeugen, seine Baseballmützen zu kaufen, auch wenn sie 40 Dollar kosten.

Denn Trump trug bei seinem Besuch im Katastrophengebiet Kleidungsstücke, die er über seinen Shop im Internet verkauft.

Mehr zum Thema: Als Donald und Melania Trump ins Hurrikan-Gebiet reisen, achten alle nur auf die Schuhe der First Lady

Trump hat den Größten

Außerdem prahlt Trump bei nahezu jeder Gelegenheit über die Größe und das Ausmaß von Hurrikan "Harvey".

Er, so kommt es rüber, muss sich nicht mit irgendeinem langweiligen Sturm herumschlagen, so wie seine Vorgänger - ein Trump muss natürlich einen Supersturm besänftigen. Den größten, den es jemals gab. Einen Sturm, den nur Donald Trump besiegen kann. Und natürlich will er alle wissen lassen, dass seine Regierung dabei einen klasse Job macht.

Trump: "Was für eine Menge, was für eine Zahl an Zuschauern"

Trumps Verhalten im Angesicht von Hurrikan "Harvey" erinnert nicht an einen Präsidenten, der sich um das Leid der Menschen kümmert, sondern an eine Wahlkampfveranstaltung.

Der US-Präsident feierte sich im Angesicht der Katastrophe in seinem Land tatsächlich dafür, wie viele Anhänger er doch habe, wie groß die Menschenmengen bei seinen Auftritten doch immer seien.

Als er am Dienstag den Ort Corpus Christi im Katastrophengebiet besuchte, sagte er: "Was für eine Menge, was für eine Zahl an Zuschauern."

Eigentlich war Trump in Corpus Christi zu Besuch auf einem Feuerwehrstützpunkt, um sich mit den lokalen Behörden über die Reaktion auf das Desaster auszutauschen - es war alles andere, als eine Wahlkampfveranstaltung. Doch Trump machte das Treffen zu einer.

Laut einem Reporter der Lokalzeitung "Dallas Morning News" erwähnte er weder die Toten, die Leidenden und Vertriebenen in Texas. Noch habe Trump Bedauern über deren Schicksal ausgedrückt.

Der US-Präsident genießt lieber das Rampenlicht.

Trump: Was für eine Menge, was für eine Zahl an Zuschauern"

Die Sender in den USA berichten ohne Pause über Hurrikan "Harvey" - und Trump scheint Genugtuung daraus zu ziehen, dass er und "Harvey" so viel Aufmerksamkeit bekommen.

Am Dienstag prahlte Trump damit, dass der Leiter des US-Katastrophenschutzes, Brock Long, "in den vergangenen Tagen wirklich sehr berühmt im Fernsehen geworden ist".

Der US-Präsident verteidigte zudem seine Entscheidung, den rassistischen Sheriff Joe Arpaio aus Arizona während der Katastrophe in Texas begnadigt zu haben. Sein Argument: Da wegen des Sturms so viele Menschen vor den Fernsehern säßen, hätte die Begnadigung mehr Zuschauer gefunden.

"Ich dachte, die Einschaltquoten sind dann bestimmt viel höher", sagte Trump.

Während "Harvey" die Stadt Houston überschwemmte, twitterte Trump schließlich fast begeistert über die Größe des Hurrikans, seine tollen Rettungsmissionen, das Handelsabkommen NAFTA und bestand darauf, dass Mexiko seine Grenzmauer bezahlen soll.

Der ehemalige Präsident Barack Obama zeigte zeitgleich, wie sich ein US-Präsident wirklich verhalten sollte. Er teilte einen Link zu einer Spendenseite des Roten Kreuzes.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der US-Ausgabe der Huffington Post und wurde von Josh Groeneveld übersetzt.

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