"Selbst in Nordkorea wäre das verboten": Ryanair-Chef wettert gegen Lufthansa und die Bundesregierung

Veröffentlicht: Aktualisiert:
O LEARY
Chef von Ryanair flippt bei Pressekonferenz in Berlin aus - und vergleicht Deutschland mit Nordkorea | dpa
Drucken
  • Ryanair-Chef O'Leary hat am Mittwoch bekannt gegeben, nicht für die insolvente Fluglinie Air Berlin bieten zu wollen
  • Er hält die Insolvenz für ein abgekartetes Spiel - und kritisierte Lufthansa und die deutschen Behörden heftig

Die Billigfluglinie Ryanair will nicht beim Ringen um die Zukunft der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin mitmischen. Das machte Ryanair-Chef Michael O'Leary am Mittwoch in Berlin bei einer denkwürdigen Pressekonferenz deutlich.

Vor allem gegen Lufthansa und die Bundesregierung teilte er mit heftigen Worten aus.

"Wie heißt das? Ein abgekatzettes, abgekratztertes, abgekattetes, Spiel?", zitiert die Tageszeitung "Die Welt" den Ryanair-Chef.

Ein Journalist habe ihm schließlich den richtigen Begriff, ein "abgekartetes Spiel", genannt. Die geplante Übernahme von Air Berlin durch die Fluglinie Lufthansa sei offensichtlich ein Komplett, an dem auch die Bundesregierung beteiligt sei, sagte O'Leary weiter.

Denn die Bundesregierung unterstützt Air Berlin derzeit mit einem Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro.

Die Insolvenz sei aufgesetzt worden

Seine Verschwörungstheorie: "Diese künstlich erzeugte Insolvenz ist offensichtlich aufgesetzt worden, damit Lufthansa eine schuldenfreie Air Berlin übernehmen kann."

In diesem Prozess wolle seine Fluglinie nicht mitmischen, sagte O'Leary. Zuvor gab es Berichte, dass Ryanair die insolvente Fluglinie Air Berlin übernehmen wolle.

"Selbst in Nordkorea wäre das verboten"

Auch eine deutliche Warnung an die Deutschen hatte O'Leary mitgebracht: Für mindestens 20 Jahre müssten die Fluggäste überhöhte Ticketpreise zahlen, wenn Lufthansa Air Berlin übernehmen sollte. Für Inlandsstrecken werde der Marktanteil der Lufthansa auf 95 Prozent anwachsen.

Eine solche Ballung von Marktmacht würde "in allen Ländern verboten werden, sogar in Zimbabwe und Nordkorea", sagte O'Leary laut der "Welt". In Deutschland aber sei sie ein erklärtes politisches Ziel.

Nach Bekanntgabe der Insolvenz von Air Berlin hatte die Bundesregierung der angeschlagenen Fluglinie einen Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um den Flugverkehr aufrecht halten zu können.

Die Bieterfrist endet am 15. September

Auch die Fluggesellschaft Germania hatte einen Eilantrag gegen den Staatskredit eingelegt. Nach Darstellung des Bundeswirtschaftsministeriums wird dies die Auszahlung jedoch nicht verzögern.

Nach der Insolvenz von Air Berlin spricht Unternehmenschef Thomas Winkelmann mit der Lufthansa und mehreren anderen Interessenten über die Übernahme von Teilen der Airline. Air Berlin sprach am Mittwoch auch mit dem Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der die Fluggesellschaft komplett übernehmen möchte. Wöhrl hat allerdings noch kein konkretes Kaufangebot vorlegt.

Die Bieterfrist endet am 15. September. Danach soll der Prozess zügig abgeschlossen werden. Als Interessent für Teile Air Berlins gilt auch die britische Easyjet.

Mit Material der dpa.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(jg)

Korrektur anregen