AfD-Politiker behaupten, Linksextremisten hätten sie attackiert - ein Video zeigt den "beängstigenden" Angriff

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  • In Brandenburg tourt die AfD mit einem Bus durchs Land
  • Laut der rechtspopulistischen Partei soll dieser am Sonntag attackiert worden sein
  • Doch Zeugenaussagen und ein Video offenbaren - es lief wohl gänzlich anders ab

In Potsdam müssen sich am Sonntagnachmittag dramatische Szenen abgespielt haben - jedenfalls wenn man der AfD glaubt.

"Ein dutzend schwarz gekleidete gewaltbereite Linksextremisten" hätten einen Wahlkampfbus der Partei "von allen Seiten" attackiert.

So stellen es zumindest die Rechtspopulisten dar - doch sowohl ein Video als auch Zeugenaussagen widersprechen der Darstellung.

Die AfD behauptet: Mit einem Auto hätten Hooligans den Bus mit zehn AfD-Anhängern vor dem Karl-Liebknecht-Stadion blockiert - dem Spielort des für seine linke Fanszene bekannten Fußball-Viertligisten SV Babelsberg 03.

Anschließend soll der Angriff erfolgt sein, bei dem angeblich ein Sachschaden von mindestens 2000 Euro entstand: "Die Linksextremisten (...) rissen große Teile der Werbe-Folie, mit der der Bus beklebt ist, ab. Anschließend schlugen sie auf die Fenster des Busses ein. In einem der Fenster hinterließen sie einen tiefen Riss."

Linksextreme greifen AfD-Bus an!

Am Sonntagnachmittag gegen 16 Uhr überfiel ein dutzend schwarz gekleideter...

Posted by Alternative für Deutschland / Brandenburg on Monday, 28 August 2017

"Für ein paar Minuten sah es so aus, als ob die den Bus komplett demolieren"

"Für ein paar Minuten sah es so aus, als ob die den Bus komplett demolieren. Da kriegt man es dann doch mit der Angst", erklärte der Potsdamer AfD-Kreisvorsitzende Thomas Jung, der zudem auch Vize-Fraktionschef der AfD-Landtagsfraktion in Brandenburg ist.

Das Problem: So wie es die AfD blumig schildert, scheint sich der Vorfall nicht ereignet zu haben.

Das zeigt ausgerechnet ein Video, dass der eigene Parteinachwuchs ins Internet gestellt hat.


Darin sind zwar tatsächlich einige Anhänger des Babelsberger Fußballclubs zu sehen, die sich dem AfD-Bus nähern. Doch der vermeintlich linksextremistische Mob agiert alles andere als aggressiv. Auch geht von den eher bunt und nicht schwarz Gekleideten keine sichtbare Gewalt gegen den Bus aus.

Einige, darunter sogar eine Frau mit Kleinkind auf dem Arm, rufen "Haut ab!" und "Schämt euch!", andere gestikulieren, einer verteilt demonstrativ Küsse.

Im Gegensatz dazu reagiert ein Teil der AfD-Mitglieder im Bus mit Beschimpfungen. Zu hören sind: "Ihr Lutscher", "Die alten Affen", "Fick dich!" und "Fotzen, hier alle".

Mehr zum Thema: Alternative Fakten für Deutschland: 8 irre Fake-News der AfD aus dem Bundestagswahlkampf

Zeugen sagen, es sei keine Gewalt gegen die AfD verübt worden

Der Darstellung der AfD widersprechen zudem auch zwei Zeugen.

So sagte Maja Kulke den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" ("PNN"): "Als wir den AfD-Bus bemerkt haben, ist zwar eine Gruppe zu diesem gegangen."

Geworfen oder eingeschlagen worden sei aber nichts, erklärte sie. Auch sei die Folie mit dem AfD-Aufdruck nicht beschädigt worden. Kulke betont, dass zu keiner Zeit Gewalt gegen die AfD verübt worden sei.

Auch Matthias Kessler war am Sonntag vor Ort. Seine Aussagen bestätigen laut "PNN" sowohl die Sicht Kulkes als auch die Geschehnisse, wie sie das Video der "Jungen Alternative Brandenburg" zeigen.

Laut der AfD hat die Partei bei der Polizei Strafanzeige erstattet. "Jetzt schon ist zu vermuten, dass die Ermittlungen keine Ergebnisse bringen werden", glaubt AfD-Brandenburg-Chef Andreas Kalbitz.

Wenn man sich die überzeichneten Schilderungen der Partei anschaut, wäre das tatsächlich kein Wunder.


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(ben)

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