Die AfD postet ein blutiges Anti-Merkel-Plakat - und Spitzenkandidat Gauland verteidigt dieses sogar noch

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Die AfD attackiert die Bundeskanzlerin Angela Merkel bei jeder Gelegenheit | Axel Schmidt / Reuters
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  • Die AfD macht Kanzlerin Merkel für sieben Terroranschläge in Europa verantwortlich
  • Der Facebook-Post toppt die bisherigen unsäglichen Vorwürfe - durch noch größere Bösartigkeit und Dummheit
  • AfD-Spitzenkandidat Gauland verteidigte die Darstellung sogar noch in einem Interview

Der Post ist so dumm, so bösartig – und sachlich falsch auch noch - dass man ihn eigentlich nicht durch einen Artikel adeln dürfte:
Es ist eine Grafik, die Reifenspuren, teils blutige Reifenspuren zeigt, darauf Hinweise auf sieben Terroranschläge in Europa. Die Überschrift: "Die Spur der Welt-Kanzlerin durch Europa."

Er stammt von der AfD. Einer Partei, die ab September oder Oktober im Bundestag sitzen wird, wenn sich die aktuellen Wahl-Prognosen bewahrheiten. Die Deutschen sollten also wissen, was diese Partei treibt. Denn: Der AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland verteidigt das unwürdige Plakat auch noch in einem Interview.

Selbst für AfD-Verhältnisse unlogisch

Die AfD suggeriert also, sieben Terroranschläge mit 57 Toten gingen auf das Konto von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Selbst in der "Logik" der AfD, die in ihrem grenzenlosen Populismus jedes Attentat, das Flüchtlinge in Deutschland begangen haben, der Kanzlerin anlastet, weil sie anfangs einen menschenfreundlichen Kurs in der Flüchtlingskrise gefahren hatte, ist der Post noch blödsinnig.

Die Darstellung legt nahe, dass es sich jeweils um Anschläge mit Autos oder Lkws gehandelt hat. Zumal die AfD am Tag zuvor noch mit dem gleichen Plakat fragte: "Frau Merkel, wann werden sie bremsen?" Doch die Darstellung ist irreführend. In Manchester etwa zündete der Attentäter eine Bombe.

Nicht alle der Attentäter auf der Liste sind erst nach Europa eingewandert. Der von Manchester etwa wurde in Großbritannien geboren.

Die Einwanderungspolitik anderer EU-Staaten entscheidet nicht die deutsche Regierungschefin. Ein spanischer Richter etwa hatte entschieden, dass einer der Männer, die später in den Anschlag von Barcelona verwickelt waren, das Land nicht verlassen musste.

Selbst für AfD-Verhältnisse unlogisch

Wem das noch nicht dumm genug ist, der möge sich die Daten auf dem Post ansehen. Mal ist das Datum falsch (Anschlag von London), mal die Zahl der Toten (Berlin, London, Barcelona).

Entsprechend vernichtend sind viele Kommentare zum Post. Stefan Merrath etwa schreibt: "Wie wiederlich und Menschenverachtend kann man einen Wahlkampf noch machen. Hier sind Menschen gestorben, die bestimmt nicht für Eure Propaganda herhalten wollten. Ihr solltet euch alle schämen!!!!!"

Das tut die AfD aber nicht. Vielmehr verteidigte AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland die Darstellung sogar noch in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. "In der Sache ist die Aus­sa­ge rich­tig, aber über Ge­schmack lässt sich strei­ten", sagte Gauland. Die AfD sei eben eine anarchische Partei, auch im Wahlkampf.

Richtig ist: Die AfD ist eine von Rassismus durchsetzte Partei, die im Wahlkampf nicht vor Unwahrheiten und widerlichen Anschuldigungen zurückschreckt.

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