Gauland schwärmt in einem Interview von Björn Höcke - und erntet heftige Kritik

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GAULAND
dpa
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  • AfD-Spitzenkandidat Gauland hält einen Einzug von Björn Höcke in den Bundesvorstand der Partei für möglich
  • In einem Interview schwärmt er von dem umstrittenen Politiker, den Kritiker immer wieder in die Nähe der NPD rücken
  • Gauland lässt damit keinen Zweifel, wie er die Partei in Zukunft ausrichten will

Die AfD ist im Bundestagswahlkampf stramm auf Rechtskurs. Und die Partei nicht einmal mehr, das zu verbergen.

Nach seinen Äußerungen über die SPD-Politikerin Aydan Özoğuz zeigt sich AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland jetzt offen für einen Einzug des umstrittenen Thüringer Landeschefs Björn Höcke in den Bundesvorstand.

Kritiker werfen Höcke vor, die Zeit des Nationalsozialismus zu verharmlosen und sich nicht ausdrücklich von der NPD abzugrenzen. Gegen ihn läuft außerdem ein Parteiausschluss-Verfahren, das allerdings ruht, weil die Partei kein Interesse am Rauswurf des Politikers hat.

"Höcke wird von einem Teil unserer Mitglieder heiß geliebt"

Wie Gauland dazu steht, daran lässt er in der "Bild" keinen Zweifel.

Das Interview liest sich wie eine öffentliche Begnadigung Höckes, dem der AfD-Spitzenkandidat "intellektuelles Gewicht" bescheinigt.

Auf die Frage, warum er Höcke so verteidige, antwortet Gauland: Der Thüringer sei "ein Teil der Seele der AfD" und werde "von 20 bis 30 Pro­zent der Mit­glie­der der Par­tei heiß ge­liebt". "Nicht nur im Osten, son­dern auch im Wes­ten."

Höcke sei ein "sein Va­ter­land lie­ben­der Mann, der ab und an eine For­mu­lie­rung ge­braucht, die er bes­ser blei­ben las­sen würde". Auch wenn Höcke dafür plädiere, an Adolf Hitler nicht nur das Negative zu sehen, sei er dadurch kein Nationalsozialist.

Gauland lässt außerdem keinen Zweifel daran, wie er die Partei positionieren will.

Kritik an Petry: "Das war töricht"

Eine mögliche Wahl Höckes in den nächsten AfD-Bundesvorstand hält Gauland für unproblematisch: "Wenn Höcke kan­di­die­ren will und der Par­tei­tag ihn in den Vor­stand wählt, habe ich das nicht zu kri­ti­sie­ren. Das ist die Sache der AfD-Mit­glie­der", sagte Gauland.

Dass gegen Höcke ein Parteiausschluss-Verfahren läuft, lässt Gauland unerwähnt.

Gleichzeitig kritisierte Gauland erneut die Parteivorsitzende Frauke Petry, die in der ARD eingeräumt hatte, dass es "vereinzelt" Rechtsextreme in der AfD gebe: "Das war tö­richt", sagte Gauland.

Und weiter: "Ich sehe kei­nen ein­zi­gen Rechts­ex­tre­men in der AfD. Es gibt bei uns nur ein paar Leute, die Dinge klü­ger for­mu­lie­ren soll­ten. Die frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung ist und bleibt un­se­re rote Linie."

Der Publizist Hugo Müller-Vogg kommentiert das Interview auf Twitter mit den Worten: "Die AfD hat offenbar ihre Position gefunden: ein paar Zentimeter links von der NPD."

Gaulands Vorstoß wird auch vom AfD-Vorstand heftig kritisiert.

Dirk Driesang, Gründer der "Alternativen Mitte" und Petry-Vertrauter, sagte der HuffPost: "Personaldiskussionen verbieten sich im Wahlkampf grundsätzlich, dazu zählt natürlich auch eine "Höcke Diskussion"."

Und weiter:

"Wir hatten uns darauf geeinigt, die Personalie Höcke nicht weiter zu kommentieren, da das Parteiausschlussverfahren nun bei den Schiedsgerichten liegt. Bevor man also irgendwelche Pläne schmiedet, ist der endgültige Spruch der Schiedsgerichte abzuwarten. Es wäre schön, wenn sich daran alle halten würden. Immerhin hat eine zweidrittel-Mehrheit im Bundesvorstand das Parteiausschlussverfahren angeschoben. Das sollte man zumindest zur Kenntnis nehmen, auch wenn man persönlich andere Ansichten vertreten mag."

Gauland verteidigt in dem Interview auch das im Internet verbreitete umstrittene AfD-Werbemotiv, auf dem sich blu­ti­ge Rei­fen­spu­ren durch Eu­ro­pas Me­tro­po­len zie­hen.

"In der Sache ist die Aus­sa­ge rich­tig, aber über Ge­schmack lässt sich strei­ten", sagte Gauland der "Bild". Allerdings sehe er das Motiv "jetzt zum ers­ten Mal, da ich selbst nicht im In­ter­net un­ter­wegs bin", wie Gauland beteuert.

Auf die Nachfrage von "Bild", was die Opfer der Terrorattacken in Barcelona konkret mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu tun haben, antwortet Gauland nur kryptisch: "Die AfD ist eine an­ar­chi­sche Par­tei. Manch­mal eben auch im Wahl­kampf."

Ausnahmsweise trifft Gauland damit mal den Punkt.

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(ben)

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