Team Wallraff schleust sich in Berliner Pflegeheim ein und deckt abartige Zustände auf

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Team Wallraff undercover in Berliner Pflegeheim: Was die Reporter aufdecken, wird für Diskussionen sorgen | Screenshot RTL
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  • Das Reporter-Team von Günter Wallraff hat nach drei Jahren erneut eine Reporterin in ein Pflegehaus in Berlin-Kreuzberg geschleust
  • Die Zustände dort sind weiterhin menschenunwürdig
  • Das Landesamt für Gesundheit und Soziales hat eine Untersuchung eingeleitet

In den vergangenen fünf Jahren hat das Team von Günter Wallraff im Rahmen des RTL-Reportermagazins "Team Wallraff" immer wieder Missstände in deutschen Unternehmen und Einrichtungen aufgedeckt.

In der jüngsten Folge schleuste das Team eine als Pflegepraktikantin getarnte Reporterin in das Pflegehaus Kreuzberg in Berlin.

Es ist dasselbe Seniorenheim, in dem das Team Wallraff bereits vor drei Jahren war. Damals zeigten die Recherchen überlastetes und überfordertes Personal, dreckige Zimmer und fehlende Ausstattung für Körperpflege.

Die Marseille-Kliniken Hamburg, die das Heim betreiben, leiteten damals rechtliche Schritte gegen Wallraffs Team ein.

Doch verbessert hat sich an den Zuständen in dem Pflegehaus bislang offenbar wenig. Erneut schickte Wallraff eine als Praktikantin Laura getarnte Reporterin in das Heim.

"Im Intimbereich mal drüberfahren, damit es nicht nach Urin stinkt"

Gemeinsam mit dem Pfleger Wolfgang kümmert sie sich zunächst um eine 80 Jahre alte Frau, die zwar bettlägerig, geistig aber topfit ist. "Im Intimbereich mal drüberfahren, damit es nicht nach Urin stinkt", kommentiert Wolfgang die Katzenwäsche bei der 80-Jährigen. Es gehe nur um den Geruch, nicht um die Seife. Für mehr reicht es offenbar nicht.

Auch Bäder gibt es bislang keine auf den Zimmern der Patienten. Deshalb wird die Frau nackt, lediglich mit einem Handtuch bedeckt auf einen rostigen Toilettenstuhl gesetzt und so über den Flur zum Gemeinschaftsbad gebracht.

Dann lässt Pfleger Wolfgang die vermeintliche Praktikantin mit der 80-Jährigen alleine - ohne zu wissen, was sie zu tun hat und wie sie die Patientin duschen oder waschen soll.

Die Frau leidet an Durchfall und weil es keine Waschlappen gibt, muss Laura sie mit Handtüchern waschen.

Als die Frau wieder in ihr Bett gebracht worden ist, merkt Laura an, dass die Frau seit einer Dreiviertelstunde in ihrem eigenen Kot liege. "Jetzt machen wir erst mal das Essen", erwidert ihr Pfleger Wolfgang daraufhin lediglich.

Der Betreiber dementiert die Vorwürfe, das Landesamt für Gesundheit und Soziales ermittelt

Während Wolfgang immerhin noch um Menschlichkeit bemüht scheint, ist Pfleger Jens abgebrüht und kalt. Er ignoriert es sogar, wenn Patienten anfangen zu schreien und sagt: "In anderen Einrichtungen kenne ich das so, dass jeder Bewohner einmal die Woche gewaschen wird. In diesem Haus einmal im Monat."

Die untragbaren Zustände im Pflegehaus werden vom Betreiber weiterhin abgestritten. Mittlerweile hat das Landesamt für Gesundheit und Soziales aber eine Untersuchung eingeleitet und "gravierende Mängel" festgestellt.

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