"Harvey" verwüstet den Süden der USA - Meteorologen erklären, was den Sturm so gefährlich macht

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HARVEY HOUSTON
"Harvey" bedroht zehntausende Menschen in den USA - Meteorologen erklären, was den Hurrikan so gefährlich macht | Richard Carson / Reuters
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  • Der Tropensturm "Harvey" wütet seit fünf Tagen im Süden der USA - und hat ganze Landstriche unter Wasser gesetzt
  • Meteorologen sprechen von einem "beispiellosen" Sturm

Der Tropensturm "Harvey" setzt den Süden der USA weiter unter Wasser - eine Entspannung ist nicht in Sicht.

Ein Damm lief über, ein anderer brach - mehrere Menschen sind in dem Sturm gestorben. Und neben dem US-Bundesstaat Texas bereiten sich nun auch die Einwohner des Nachbarstaates Louisiana auf das Schlimmste vor.

In beiden Bundesstaaten gilt der Notstand. US-Präsident Donald Trump machte sich am Dienstag in der texanischen Stadt Corpus Christi ein Bild von der Lage.

"Seht zu, dass ihr wegkommt"

Die Situation in Texas war unübersichtlich, über die genaue Zahl der Todesfälle herrschte Unklarheit. Offiziell bestätigt wurden zunächst drei Tote. US-Medien meldeten aber höhere Zahlen: Der Sender KHOU berichtete von mindestens neun Toten.

Nach dem Dammbruch in Brazoria County forderten die Behörden die Anwohner auf, die Gegend umgehend zu verlassen. "Seht zu, dass ihr wegkommt", schrieb die Kreisverwaltung auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Reguläre Wetterkarten reichen nicht mehr aus

"Harvey" hat die Küste entlang des Golfs von Mexiko stark verwüstet. In einigen Regionen fiel in wenigen Tagen mehr Regen als sonst im ganzen Jahr.

Um das Ausmaß der Regenfälle korrekt darstellen zu können, musste der US-Wetterdienst neue Farben zu seinen Niederschlagskarten hinzufügen.

Meteorologen stellt der Sturm vor eine Herausforderung, sagt Marshall Shepherd, Professor an der University of Georgia, der US-Ausgabe der HuffPost. "Harvey" sei ein beispielloses Sturm-System.

Um die Regenmassen verzeichnen und vorhersagen zu können, gebe es keine vorgefertigte Herangehensweise. "Wir machen das nach und nach", sagt Shepherd. "Wir haben solche Regenmengen in einer so kurzen Zeitspanne noch nicht gesehen."

Ein Kommunikations-Albtraum

Der Sturm werde so zu einer Art "Kommunikations-Albtraum". Denn den Meteorologen fiel es in den Tagen zuvor schwer, den Menschen das Ausmaß der Bedrohung durch "Harvey" vor Augen zu führen.

Zwar hatten die Meteorologen vorhergesagt, dass der Sturm zu einer "katastrophalen und lebensbedrohlichen Flut" führen könnte.

harvey houston

Einwohner von Houston waten durch die Fluten. Quelle: Reuters.

Allerdings dachten wohl viele Menschen, das Gröbste sei überstanden, als "Harvey" von einem Hurrikan der Stufe 4 am Wochenende zum Tropensturm herabgestuft wurde, wie eine Mitarbeiterin der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde der HuffPost erklärt. Die Gefahr einer Flut habe allerdings weiter bestanden.

"Menschen sind nicht gut darin, aus etwas so Abstraktem wie einer Niederschlagskarte schnell und leicht ein Gefühl für das wirkliche Geschehen zu bekommen", sagt Jennifer Marlon, Forscherin an der Yale University.

17.000 Menschen in Notunterkünften

Die sintflutartigen Regenfälle führten zu Rekordwerten. In der Stadt Pearland im Südosten von Houston wurden seit Freitag insgesamt Niederschlagsmengen von 125 Zentimetern gemessen, wie der Nationale Wetterdienst mitteilte.

Das markiere einen Rekord bei einem Tropensturm in den USA: Im Jahr 1978 waren demnach beim Sturm "Amelia" 124 Zentimeter gemessen worden.

In Houston kündigte der Bürgermeister an, weitere Notquartiere für Schutzsuchende zu öffnen. Nach Angaben des Roten Kreuzes suchten in Texas bereits in der Nacht zum Dienstag rund 17.000 Menschen Zuflucht in Notunterkünften.

Louisiana rüstet sich für die Fluten

Die Infrastruktur in und um Houston ist weitgehend zusammengebrochen. Rettungskräfte kämpften sich mit Booten durch die braunen Wassermassen, um festsitzende Menschen aus ihren Häusern zu befreien und in Sicherheit zu bringen.

Nach Angaben der Behörden vom Dienstag brachten Rettungskräfte in der Stadt in den vergangenen Tagen 3500 Menschen in Sicherheit.

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Eine Familie versucht sich in Houston in Sicherheit zu bringen. Queller: Reuters.

Auch im Nachbarstaat Louisiana werden in den kommenden Tagen heftige Auswirkungen des Sturms befürchtet. In New Orleans blieben Schulen und Behörden am Dienstag geschlossen.

Bürgermeister Mitch Landrieu empfahl den Bewohnern, ihr Haus nicht zu verlassen. Er riet ihnen, Essen, Trinken und Medikamente für mindestens drei Tage vorrätig haben.

Über die Woche sollten rund 25 Zentimeter Regen in der Region fallen. Gouverneur John Bel Edwards sagte, Louisiana stehe das Schlimmste aller Wahrscheinlichkeit nach noch bevor.

"Harvey" befindet sich gerade über dem Golf von Mexiko und trifft voraussichtlich am Dienstagabend oder am Mittwoch wieder auf das Festland.

Nach Angaben von Meteorologen ist "Harvey" der zweitstärkste Wirbelsturm, seit "Katrina" vor zwölf Jahren die Gegend um New Orleans verwüstete.

Mit Material der dpa.

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(jg)

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