Was löst Alzheimer aus? Forscher sind in dieser Frage einen bedeutenden Schritt weiter gekommen

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Die Demenzforschung wird im Moment in vielen Studien vorangetrieben. | poba via Getty Images
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  • Alzheimer - eine Form der Demenz - ist eine der häufigsten Krankheiten in Deutschland
  • Aktuell beschäftigen sich viele Studien mit möglichen Ursachen und Auslösern
  • Britische Wissenschaftler haben nun bestimmte Bakterien im Verdacht

Alzheimer lässt die Betroffenen erst ihr Gedächtnis verlieren, in späteren Stadien ihre ganze Persönlichkeit. Die Krankheit ist bisher noch immer unheilbar und führt unweigerlich zum Tod.

Woran Menschen bei dieser Form der Demenz sterben, ist inzwischen bekannt: Plaques - also Eiweißablagerungen im Gehirn -, die die Verbindungen der Nervenzellen zerstören. Warum und wie sich diese Plaques bilden, kann die Wissenschaft allerdings noch nicht erklären - obwohl Experten seit einigen Jahren verstärkt Alzheimer-Forschung betreiben.

Bakterien lösen Entzündungen im Gehirn aus

Britische Forscher der Universität Bristol sind der Lösung dieser Frage nun womöglich einen entscheidenden Schritt weitergekommen.

Sie haben eine bestimmte Art von Bakterien im Verdacht. Die Wissenschaftler führten eine DNA-Sequenzierung an den Gehirnen von Menschen durch, die an Alzheimer verstorben waren. Dabei wird die Basenabfolge des DNA-Moleküls bestimmt und dadurch entschlüsselt. Sie untersuchten für die Studie, die im Fachmagazin "Frontiers in Aging Neuroscience" veröffentlicht wurde, acht kranke und sechs gesunde Gehirne.

Diese Methode ließ Rückschlüsse auf mögliche Krankheitsursachen zu. Denn die Forscher fanden heraus, dass die Anzahl einer bestimmten Bakterien-Art in den Gehirnen der Kranken wesentlich höher war als in gesunden Gehirnen. Bakterielle Infektionen oder Entzündungen könnten also Auslöser für die Krankheit sein.

Die Blut-Hirn-Schranke wird durchbrochen

"Die Gehirne der Alzheimer-Kranken zeigten Anzeichen für neuronale Entzündungen und wir glauben, dass dies die Krankheit vorantreibt, indem sich die Neuronen im Gehirn dadurch zersetzen", schreibt David Emery, einer der Autoren der Studie, in einer Pressemitteilung. Und diese Entzündungen könnten eben durch bestimmte Bakterien ausgelöst werden.

Normalerweise besitzt das Gehirn eine Schranke aus Gefäßen, die Bakterien daran hindern, ins Gehirn zu gelangen. Jedoch könnten bestimmte genetische Faktoren dazu führen, dass diese Blut-Hirn-Schranke beschädigt wird, sodass schädliche Organismen ins Gehirn gelangen können.

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Die Forscher fanden im Vergleich der Gehirne der beiden Testgruppen heraus, dass die Anzahl von Actinobakterien, vor allem vom Typ Propionibacterium acnes, in den kranken Gehirnen wesentlich höher war als die von Proteobakterien.

propionibacterium

(P. acnes-Bakterium; Credit: Getty)

Anzahl der Bakterien bei Kranken wesentlich höher

Nicht nur die Population dieser bestimmten Bakterien war größer, sondern auch generell die Anzahl der Bakterien im Gehirn der Kranken.

"Was wir nicht erwartet hatten: Die Anzahl bakterieller Sequenzen in den kranken Gehirnen war sieben Mal höher als in den gesunden", sagte Studienautorin Shelley Allen der dem Wissenschaftsportal "Science Daily" .

Die von ihr und ihren Kollegen angewandte Art der DNA-Sequenzierung - die Next-Generation-Sequenzierung - macht es möglich, einen Überblick über die Bakterien-Populationen im Gehirn zu bekommen, da Millionen DNA-Moleküle gleichzeitig untersucht werden können.

Die Ergebnisse der Studie stehen allerdings noch am Anfang. Es braucht weitere Testphasen, um abschließende Ergebnisse zu erzielen.

Darmbakterien als Krankheitsauslöser?

Demenz ist eine der am weitesten verbreiteten Krankheiten. In Deutschland leiden etwa 1,6 Millionen Menschen an Alzheimer, der häufigsten Form der Krankheit. Jeder Zweite hat zudem Angst davor, daran zu erkranken, wie eine Umfrage des Forsa-Instituts zeigt.

Den Zusammenhang zwischen Bakterien und Alzheimer haben auch andere Wissenschaftler bereits untersucht. Eine Studie, die von von der schwedischen Lund Universität durchgeführt wurde, deutet etwa auf einen Einfluss von Darmbakterien auf die Krankheit hin.

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Die Forscher konnten bei Mäusen nachweisen, dass die Darmflora Einfluss auf die Bildung von Plaques nehmen kann. Die körpereigenen Mikroben könnten also eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Krankheit spielen.

Im Darm kranker Tiere fanden sich andere Mikroben als in den Organen gesunder Tiere. Als gesunden Tieren die Darmbakterien der kranken Tiere verpflanzt wurden, bildeten sich auch in ihren Gehirnen vermehrt Plaques.

Zusammenhang mit anderen Krankheiten

Die Forscher vermuten, dass Stoffwechselprodukte der Bakterien das Immunsystem beeinflussen und damit Entzündungen im Gehirn auslösen.

Damit sind die Forscher möglicherweise auf einen Möglichkeit gestoßen, wie man die Krankheit verlangsamen oder bremsen könnte. Denn: Es könnte sein, dass das Alzheimer-Risiko also durch gesunde Ernährung beeinflussbar ist.

Der Einfluss der Darmflora wird auch im Zusammenhang mit anderen Krankheiten wie Depressionen oder Angstzuständen untersucht.

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(lk)

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