Nach möglicher Wahlniederlage: Bringt sich Nahles schon für Schulz-Nachfolge in Position?

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NAHLES
German Labour Minister Andrea Nahles attends a cabinet meeting in Berlin, Germany, May 24, 2017. REUTERS/Fabrizio Bensch | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Martin Schulz will auch im Falle einer Wahlniederlage Parteichef bleiben
  • Deutschlandradio-Chefkorrespondent Detjen glaubt, Ministerin Nahles wolle ihm den Job streitig machen

Auf den furiosen Start folgte der tiefe Fall: Dem SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz droht bei der Bundestagswahl in rund vier Wochen eine empfindliche Schlappe.

Über 15 Prozentpunkte trennen Union und SPD laut aktuellen Umfragen – die Zeit für ein Comeback wird für die Sozialdemokraten immer knapper.

Kein Wunder, dass sich dieser Tage die Frage aufdrängt, was Martin Schulz und die SPD im Falle einer Wahlniederlage tun werden.

Schulz will sich um Wiederwahl als SPD-Chef bewerben

Schulz selbst sagte dazu unlängst: "Ich werde mich auf dem nächsten Parteitag natürlich um eine Wiederwahl als Parteivorsitzender bewerben."

Stephan Detjen, Chefkorrespondent des Deutschlandradios, bringt derweil eine andere Option ins Spiel. Er ist überzeugt, dass sich Arbeitsministerin Andrea Nahles in Position bringt, die Schulz-Nachfolge anzutreten.

Im Gespräch mit dem TV-Sender Phoenix sagte Detjen über Nahles: "Die macht auch Wahlkampf, aber ich nehme es so wahr, dass sie diejenige ist in der SPD, die weiß: Auf die SPD kommen nach einer möglichen Niederlage von Martin Schulz andere Aufgaben zu. Sie bringt sich in Position schon die Nachfolge von Martin Schulz anzutreten."

Nahles als Fraktionsvorsitzende?

Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") glaubt, Nahles habe höhere Ambitionen in der SPD. Die Arbeitsministerin könnte nach dem September Fraktions- oder gar Parteivorsitzende werden, argumentiert die Zeitung.

Wenn es wieder zu einer Großen Koalition kommen sollte, könnte Schulz einen Ministerposten übernehmen, Nahles den Fraktionsvorsitz von Thomas Oppermann, dem wenig Chancen auf eine weitere Amtsperiode zugesprochen werden.

Daran arbeite Nahles bereits mit ihren 76 Wahlkampfterminen in ganz Deutschland. Bei denen gehe es auch "um Wahlkampfhilfe in den Wahlkreisen künftiger Abgeordneter, die Ende September einen Fraktionsvorsitzenden zu wählen haben", argumentiert die "FAZ".

Detjen lässt sich derweil noch auf ein anderes Gedankenspiel ein: Wer könnte Angela Merkels Nachfolger als Unions-Kanzlerkandidat werden?

Der Deutschlandradio-Journalist bringt vor allem die Ministerpräsidentin des Saarlands, Annegret Kramp-Karrenbauer, und Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ins Spiel.

Die habe "den eisernen Willen", den es brauche, Bundeskanzlerin zu werden. Bleibt nur ein Problem: Laut Umfragen ist von der Leyen bei den Deutschen unbeliebt – nur 36 Prozent der Befragten gaben jüngst an, "eher zufrieden" mit ihrer Arbeit als Ministerin zu sein.

Und Nahles? Die war in der selben Umfrage auch nur zwei Prozentpunkte besser.

(mf)

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