In einer aktuellen Umfrage stürzt Macron erneut dramatisch ab - eine Grafik offenbart, warum

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In einer aktuellen Umfrage stürzt Macron erneut dramatisch ab - eine Grafik erklärt, warum | GETTY
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  • In einer aktuellen Umfrage verliert Frankreichs Präsident Macron dramatisch an Beliebtheit
  • Eine Grafik zeigt: Mit seiner Politik stößt er linke und rechte Wähler vor den Kopf

Zwei Monate hat es für Emmanuel Macron gedauert, um vom Olymp auf das Parkett der französischen Politik abzustürzen.

Eine aktuelle Umfrage attestiert dem einstigen Hoffnungsträger und nun angezählten Präsidenten einen dramatischen Verlust an Beliebtheit: Seit Juni verlor Macron insgesamt 24 Prozentpunkte, nur noch 40 Prozent der Franzosen sind laut dem Umfrageinstitut ifop mit ihrem Präsidenten zufrieden.

Einen vergleichbaren Umfrage-Absturz musste 1995 der konservative Präsident Jacques Chirac hinnehmen. Er verlor in den Umfragen zwischen Mai und August aber nur 20 Punkte.

Der historische Sinkflug in den Umfragen hat einen Grund: Macron will weder rechts noch links sein - und tritt dabei beiden Lagern gleichermaßen auf die Füße.

Macrons Revolution versinkt im Parlamentsalltag

Macron hatte seinen Wählern nicht weniger als eine Revolution versprochen. Er wollte mit dem Lager-Denken in der französischen Politik brechen - um so das politische System zu reformieren.

Eine von ihm häufig genutzte Redewendung kann Macrons Politikstil erklären: et en même temps. Zu deutsch: und zugleich. Auf diese Phrase greift Macron zurück, wenn es gilt, ein Problem auch aus der gegensätzlichen Perspektive zu sehen.

Der Begriff "bedeutet einfach, dass man Dinge aufgreift, die Gegensätze zu sein scheinen, die zu versöhnen aber für eine Gesellschaft unverzichtbar ist", zitierte die französische Tageszeitung “Le Monde” aus einer Rede des 39-Jährigen, in der er die Verwendung der vier französischen Wörter erklärte.

Mehr zum Thema: "Der Präsident denkt, die Franzosen sind dumm": Macron empört mit einer Rede über seine Reformen

Doch die vergangenen zwei Monate haben gezeigt: Nicht immer lassen sich Gegensätze versöhnen. Und: Eine linke und zugleich rechte Politik geht nicht auf.

So analysiert die linksliberale Tageszeitung “Libération” am Montag die abstürzenden Umfragewerte von Macron: “Die Rechte wirft ihm Verzagtheit beim Thema Immigration vor, die Linke den antisozialen Charakter der ersten Maßnahmen.”

Eine Grafik des ifop-Instituts zeigt, wie Macrons mal linker, mal rechter Kurs ihn Beliebtheit kostet. Nur 36 Prozent waren in einer Umfrage von ifop mit den ersten hundert Tagen von Macron zufrieden.

Nur Macrons Wähler sind mit ihrem Präsidenten zufrieden

Unzufrieden mit dem Präsidenten sind dabei sowohl die Anhänger der linken Parteien, der Sozialisten sowie La France insoumise (zu Deutsch: Unbeugsames Frankreich), als auch der konservativen Republikaner und des rechtspopulistischen Front National.

Richtig punkten kann Macron nur bei den Anhängern seiner eigenen Partei, La République en Marche. Die erreichte im ersten Wahlgang zur Nationalversammlung im Juni rund 43 Prozent.

Zum Vergleich: Schon Macrons Vorgänger François Hollande hatte mit niedrigen Umfragewerten zu kämpfen. Er konnte aber im Gegensatz zu Macron zu Beginn noch auf die Unterstützung der linken Parteien setzen, wie die rechte Seite der Grafik zeigt.

Macrons kontroverse Entscheidungen

Eine weitere Grafik des Instituts geht noch mehr ins Detail - und zeigt, welche Entscheidungen von Macron bei welchem Lager gut ankommen.

Im Juni verärgerte Macrons Kabinett Beamte, weil sie keine an die Inflation angepasste Erhöhung ihres Gehalts erhalten werden. Eine Entscheidung, die vor allem bei den Linken unbeliebt war, den Wählern von Jean-Luc Mélenchon (La France Insoumise) und Benoît Hamon (La Parti Socialiste).

Ende Juli verkündete die Regierung, zwei Zentren für Asylsuchende in der Region Nord-Pas-de-Calais zu eröffnen. Der Schritt war bei den konservativen und rechten Wählern von François Fillon (Les Républicains) und Marine Le Pen (Front National) unbeliebt, die sich ein härteres Vorgehen gegen Migranten und Flüchtlinge wünschen.

Und schließlich das Herzstück von Macrons Reformvorhaben: die Lockerung des Arbeitsrechts. Linke Wähler lehnen die umstrittene Reform ab, konservative unterstützen sie.

All das zeigt: Macron schafft es mit seinem Kurs nicht, seine Anhängerschaft zu vergrößern - sondern verprellt mal linke und mal rechte Wähler.

Die “Libération” bringt das Problem des französischen Präsidenten auf den Punkt: “Im Mai war Macron in einen Chefsessel gewählt worden. Drei Monate später befindet er sich zwischen zwei Stühlen. Die sich gefährlich auseinander bewegen.”

Das entzauberte Wunderkind

Macrons Beliebtheitswerte könnten noch weiter sinken. Ende August wird die umstrittene Reform des Arbeitsrechts der Öffentlichkeit vorgestellt, die einflussreiche Gewerkschaft GGT hat für September bereits zu einem Aktionstag gegen den Gesetzentwurf aufgerufen.

Wie miserabel die Umfragewerte in Frankreich für Präsidenten ausfallen können, hat Macrons Vorgänger Hollande bereits vorgemacht. 2016 waren laut einer von "Le Monde" veröffentlichten Umfrage nur vier Prozent der Franzosen mit Hollande zufrieden. Hollande war daher gar nicht erst zur Präsidentschaftswahl 2017 angetreten.

So tief ist Macron noch nicht gesunken. Nach mehr als drei Monaten im Amt beginnt nun der essenzielle Teil seiner Präsidentschaft.

Seine Regierung werde ihren eingeschlagenen Kurs beibehalten, was bliebe ihr anderes übrig, erklärte Regierungssprecher Christophe Castaner. "Ja, wir begegnen einigen Schwierigkeiten", sagte Castaner am Sonntag im französischen Fernsehen, "aber wir können unsere Zeit nicht damit verbringen, nur auf die Umfragen zu schauen, wenn wir regieren."

Er fügte hinzu: "Wir sind dabei, das Land zu transformieren. Unser Land verlangt von uns, Risiken einzugehen. Und wir gehen Risiken ein."

Wie die Zeitung "Die Welt" berichtete, habe schon Hollande seinem Schützling und einstigen Wirtschaftsminister Macron geraten:

Wer Frankreich reformieren wolle, dürfe keine Liebe als Gegenleistung erwarten. "Die Unbeliebtheit des Präsidenten ist unausweichlich", sagte Hollande.

Mit Material der dpa.

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(ks)

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