"Dreckiger Hetzer": Politiker laufen gegen Gauland Sturm – dessen AfD-Kollegin Weidel macht es noch schlimmer

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"Dreckiger Hetzer": Politiker laufen gegen Gauland Sturm – dessen AfD-Kollegin Weidel macht es noch schlimmer | dpa
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  • Deutsche Politiker reagieren wütend auf Gaulands Kommentar über die Integrationsbeauftragte Özoguz von der SPD
  • Mehrere Abgeordnete werfen dem AfD-Spitzenkandidaten Rassismus vor
  • Doch dessen Parteikollegin Weidel stellt sich hinter den ehemaligen CDU-Politiker

Es kommt selten vor, dass selbst gestandene Bundestagsabgeordnete ihre Worte nicht mehr zügeln können, ausfällig werden.

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland hat mit einem Kommentar genau das erreicht.

Gauland sagte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Eichsfeld, er wolle die Vize-Vorsitzende der SPD, Aydan Özoguz, "in Anatolien entsorgen".

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" gab Gaulands Attacke auf die Deutsch-Türkin im Wortlaut wie folgt wieder: "Ladet sie mal ins Eichsfeld ein und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her und wir werden sie dann auch, Gott sei dank, in Anatolien entsorgen können."

Die Reaktionen waren wütend, hitzig, bestimmt.

Kahrs: "Dieser Gauland ist ein mieser, dreckiger Hetzer"

SPD-Politiker Johannes Kahrs schrieb bei Twitter: "Dieser Gauland ist ein mieser, dreckiger Hetzer. Solche Arschlöcher braucht niemand."

Auch SPD-Chef Martin Schulz fand deutliche Worte: "Die Entgleisung von Gauland gegenüber Özoğuz ist widerlich. Wir müssen alles dafür tun, dass solche Rassisten nicht in den Bundestag kommen!"

Sein Parteikollege Ralf Stegner nannte Gaulands Aussage eine "unselige Hetze", der rechtspopulistische Politiker sei der "heimliche AfD-Führer".

Mutlu: "Gauland ist ein Rassist"

Der Grünen-Abgeordnete Özcan Mutlu rückte Gauland in die Nähe der Nationalsozialisten. "Gauland ist ein Rassist! In diesem Land haben seine Gesinnungsgenossen schon mal Menschen 'entsorgt'", schrieb Mutlu bei Twitter.

Die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli verwies darauf, dass die CDU in einigen Bundesländern mit der AfD "zusammenarbeite". "Jeder, der AfD wählt, wählt Rassisten", schrieb Chebli.

Grünen-Politiker Volker Beck warf Gauland einen "Zustand der Selbstradikalisierung" vor. Der AfD-Vorsitzende sei einmal ein "bürgerlicher Konservativer" gewesen – nun propagiere er "Vertreibung und totalitäre Maßnahmen".

Das sagt Weidel zu Gaulands Kommentar

Der türkischstämmige WDR-Journalist Tuncay Özdamar wehrte sich in einem Kommentar gegen die, die Gauland eine "Entgleisung" attestierten. "Liebe Journalisten-Kollegen, Hört auf, Rassismus 'Entgleisung' zu nennen. Gauland ist kein Zug!"

Die AfD-Co-Spitzenkandidatin Alice Weidel verteidigte Gaulands Hetze derweil am Montag im Interview mit dem "Morgenmagazin". Die Wortwahl sei "Geschmackssache" gewesen.

Sie könne Gaulands Aussage aber "einfach nur unterschreiben", als Integrationsministerin sei Özoguz immerhin "komplett ungeeignet" gewesen.

Hinter den Aussagen des rechtspopulistischen Spitzenduos steckt offenbar Kalkül.

Seit jeher gehört Provokation zur Grundstrategie der AfD. Radikale Töne haben die Rechtspopulisten in der Flüchtlingskrise stark gemacht. Ein Bundestagswahlergebnis von rund 20 Prozent trauten einige Experten der Partei zu.

Diese Hochphase ist nun vorbei – und die AfD-Spitze scheint den Eindruck zu haben, mit extremen Zwischentönen nachlegen zu müssen.

Was Gauland jemand sagen sollte: Die in Hamburg geborene Özoguz hat nicht einmal einen Bezug zu Anatolien. Ihre Eltern kommen aus Istanbul.

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(mf)

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