"Das war eine Eselei": SPD-Politiker Kahrs schimpft über die Strategie seiner eigenen Partei

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JOHANNES KAHRS
"In meinen Augen war das eine Eselei": SPD-Politiker Kahrs schimpft über die Schulz-Strategie | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Vom einstigen Schulz-Effekt ist nicht mehr viel übrig
  • Die SPD liegt in Umfragen weit abgeschlagen hinter der Union
  • SPD-Politiker Kahrs macht die Strategie der eigenen Partei dafür verantwortlich

Als Martin Schulz im Januar zum SPD-Kanzlerkandidaten gewählt wurde, war die Euphorie unter den Sozialdemokraten groß. Die Umfragewerte der Partei schnellten nach oben, zwischenzeitlich schloss die SPD sogar zur Union auf.

Doch das Hoch hielt nicht an. Drei Landtagswahlen hat die SPD seitdem verloren, darunter auch die in Schulz’ Heimat Nordrhein-Westfalen. Die Partei liegt in Umfragen rund 15 Prozentpunkte hinter der Union.


Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs hat eine bittere Analyse, warum seine Partei so abgestürzt ist.

"Man hätte das Momentum nutzen müssen"


Kahrs macht die Wahlkampfstrategie der SPD für den Tiefflug verantwortlich. “In meinen Augen war das eine Eselei”, sagte Kahrs der Zeitung “Welt” in einer Gesprächsrunde mit mehrere Politikern.

Denn anstatt Schulz in den Bundesländern als neuen Mann der SPD vorzuschicken, nahmen ihn die Wahlkampfplaner vollkommen raus.

“Ich glaube, die Ansage der wahlkämpfenden Landesfürsten in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und im Saarland, man möchte die Wahlen mit Landesthemen gewinnen und Martin Schulz muss für diese Zeit raus aus der Frontposition, war falsch”, erklärte Kahrs.

Stattdessen hätte man das Momentum nutzen und weiter mache müssen. Denn sei das erst mal weg, hätte man ein Riesenproblem. “Vor allem, wenn man gerade drei Landtagswahlen verloren hat.”

"Ich kann nicht verstehen, wie man sich so aus dem Spiel nehmen kann"


Auch Grünen-Politikerin Anja Hajduk sieht das als den großen Fehler der Schulz-Strategie.

“Ich kann auch nicht verstehen, wie sich ein SPD-Spitzenkandidat, der mit 100 Prozent gewählt worden ist und der mit seiner Nominierung eine solche Stimmung ausgelöst hat, in seinem eigenen Heimatland so aus dem Spiel nehmen lassen kann”, sagte sie der “Welt”.

Denn: Wenn man die Wahl in NRW im Mai verliert, dann habe das auch Auswirkungen auf die Bundestagswahl.

CDU-Mann Christoph Ploß lieferte eine andere Erklärung für den SPD-Umfrageeinbruch. Schulz sei nicht konstant gewesen. Besonders mit seinen Koalitions-Aussagen - rot-rot-grün im Saarland, Ampel in NRW - habe Schulz unterschiedlichste Teile der eigenen Partei und der Wähler gegen sich aufgebracht.

Katja Suding, FDP-Politikerin aus Hamburg machte ebenfalls das Verhalten in der NRW-Wahl für das Verpuffen des Schulz-Effekts verantwortlich. Ein großes Problem sei aber auch Schulz Rhetorik bei seinem Kernthema: “Ich darf dann beim Thema soziale Gerechtigkeit nicht beim Gefasel über den kleinen Mann hängen bleiben, sondern da muss mehr kommen.”

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(lp)

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