Im Januar bat Martin Schulz eine Verkäuferin, ihm zu vertrauen - jetzt hat sie bei "Anne Will" geantwortet

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ANNE WILL
Im Januar bat Martin Schulz eine Verkäuferin, ihm zu vertrauen - jetzt hat sie bei "Anne Will" geantwortet | ARD/Screenshot
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  • SPD-Kandidat Schulz hatte ein ehemaliges SPD-Mitglied im Januar um Vertrauen gebeten
  • In der Sendung von Anne Will hat Verkäuferin Ulrike Maaßen verraten, ob sie Schulz glaubt
  • Die Szene offenbart das ganze Dilemma der SPD

Es war ein spannender Moment am Sonntagabend in der Talkshow von Anne Will:

Die Gäste diskutierten über soziale Gerechtigkeit. Darunter auch: Ulrike Maaßen, Verkäuferin und Betriebsrätin, ihr Mann ist arbeitslos. Sie sagt von sich: "Eigentlich wäre ich die perfekte SPD-Wählern." Aber sie ist ausgetreten und jetzt bei der Linkspartei.

Im Januar hatte sie SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in der Talkshow getroffen. Er wollte sie überzeugen, wieder zur SPD zurückzukommen. Er hatte zu ihr gesagt: "Schau mir in die Augen, gib mir einen Vertrauensvorschuss." Und traf sich mit ihr im April, um zu reden.

Am Sonntagabend dann wollte Will wissen, wie sich Maaßen entschieden hat.

"Ich möchte erst einmal überzeugt werden"

"Ich kann ihm diesen Vertrauensvorschuss nicht geben", sagte Maaßen. "Ich möchte erst einmal überzeugt werden." Und: "Er hat mich gar nicht überzeugt."

Es ist eine bittere Antwort für Schulz.

Soziale Gerechtigkeit ist das Thema, für das er angetreten ist. Aber Maaßen sagt, sie habe einen Wahlkampfauftritt von Schulz besucht. "Er hat eine tolle Rede gehalten, er hat viele Versprechen gemacht - aber nicht einmal über die Agenda 2010 und über Hartz IV gesprochen", sagte Maaßen.

"Es ist fürchterlich"

Sie erlebe es jeden Tag als Verkäuferin, dass Menschen Waren zurückgeben wollten, weil sie sich die Produkte doch nicht mehr leisten könnten. Sie erlebe es jeden Tag, dass in den Packungen in den Regalen ein Stück fehle. Für sie ist klar: Die Menschen haben es gestohlen, weil sie Hunger hatten. "Es ist fürchterlich."

Den Einwand Wills, dass Schulz ja noch keine Chance gehabt habe, etwas zu verändern – schließlich ist die Bundestagswahl erst im Herbst – lässt Maaßen nicht gelten. Nur von den Linken sei sie noch nie enttäuscht worden. "Ja, weil die noch nie an der Regierung waren", sagt Will.

Die Linke hätten auf kommunaler Ebene und Landesebene auch schon Dinge erreicht, kontert Maaßen.

Das Dilemma der SPD

Der Auftritt der Verkäuferin zeigt das Dilemma der SPD. Auch wenn die Argumentation Maaßens nicht ganz logisch ist. Oder gerade deswegen.

In der Diskussion um soziale Gerechtigkeit geht es um das Schicksal einzelner Menschen, das sich nicht mit dem Verweis auf niedrige Arbeitslosigkeit und große Zufriedenheit bei der Mehrheit beantworten lässt. Es geht viel um Gefühl, um Vertrauen. Es hilft Maaßen eben nicht, dass laut einer Studie nur acht Prozent der Deutschen mit ihrer Situation nicht zufrieden sind.

Was die SPD offensichtlich über viele Jahre, über Jahrzehnte kaputt gemacht hat, kann Schulz nur schwer in ein paar Monaten retten.

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(mf)