"Anne Will": SPD-Vize Scholz vergleicht Linken-Fraktionschefin Wagenknecht mit Trump

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ANNE WILL
"Anne Will": SPD-Vize Scholz vergleicht Linken-Fraktionschefin Wagenknecht mit Trump | ARD/Screeshot
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  • Hamburgs Bürgermeister Scholz hat Linken-Politikerin Wagenknecht im Donald Trump verglichen
  • Wagenknecht verbreite ebenso wie der US-Präsident Verschwörungstheorien
  • Eine Koalition zwischen SPD und Linkspartei wirkt nach dem Disput unwahrscheinlich

In der Talkshow "Anne Will" sind am Sonntagabend Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht und SPD-Vize Olaf Scholz aneinandergeraten. Ausgerechnet bei einem Thema, bei dem sich Linke und SPD eigentlich am nächsten stehen sollten: soziale Gerechtigkeit.

Scholz ging sogar so weit, Wagenknecht Verschwörungstheorien zu unterstellen.

Scholz nennt Wagenknecht eine Verschwörungstheoretikerin

Die Sendung begann vergleichsweise harmlos. Moderatorin Will fragte: "Wahlkampfthema soziale Gerechtigkeit - Malt Rot-Rot hier schwarz?"

Nein, denn Deutschland ist ungerecht, sagte Wagenknecht, Vorsitzende ihrer Fraktion im Bundestag.

Naja, es ist viel toll, aber nicht alles, sagt Olaf Scholz, erster Bürgermeister Hamburgs und ehemals Anwalt für Arbeitsrecht.

Beide zitieren Studien, Fakten, Einschätzungen. Und gerade als die Sendung anfängt, ein bisschen langweilig zu werden, hat Scholz offensichtlich genug von den Höflichkeiten.

Ganz ruhig erklärt er, dass er Wagenknecht für eine Verschwörungstheoretikerin halte. "Überall gibt es Menschen mit Verschwörungstheorien", sagt er, "Trump in den USA und Frau Wagenknecht in Deutschland."

Das ist starker Tobak, aber noch lachen einige Zuschauer.

Scholz legt nach

Dann behauptet Wagenknecht, dass Deutschland mit seinem Niedriglohnsektor die Arbeitnehmer in anderen Ländern in die Bredouille bringe. Deutschland ziehe die anderen runter, sagt sie.

"Und jetzt sagen Sie mir mal, warum Sie keine Verschwörungstheoretikerin sind", unterbricht Scholz. Und wiederholt den Vorwurf noch einmal.

Moderatorin Will wird die Sache allmählich zu bunt. Sie fragt, ob das der neue Stil sei, solche Dinge über Wagenknecht zu behaupten.

Linken-Politiker Niema Movassat nennt Scholz auf Twitter schlicht ein "Ekelpaket".

Scholz lässt sich von Will nicht bremsen. Und sagt, die Le Pens und Trumps machten Karriere, weil sie "mit einer falschen Verschwörungstheorie durch die Gegend" liefen.

Will beendet das Thema – indem sie mit einem Einspieler zum nächsten Thema überleitet.

Scholz und Wagenknecht sind sich "spinnefeind"

Das Hickhack wirkt befremdlich. Schließlich sieht es so aus, als könne die SPD, wenn überhaupt, nur den Kanzler stellen, wenn sie sich mehrere Koalitionspartner sucht. Und die Linkspartei hat ohne die SPD schlicht keine Chance, je an die Regierung zu kommen.

Und so fragt Will später dann doch, ob ihr Eindruck zutreffe, dass sich SPD und Linke "spinnefeind" seien.

Die Antwort ist eindeutig.

"Solange die SPD diesen Kurs weiterführen will, den sie mit Schröder eingeschlagen hat, ist eine Zusammenarbeit gar nicht möglich", sagt Wagenknecht. Sie hält den Kurs der SPD für nicht sozialdemokratisch.

Scholz findet, Wagenknecht denunziere die Sozialdemokraten

Scholz kontert: "Die SPD macht eine sehr sozialdemokratische Politik. Es zerstört den politischen Frieden, das Gegenteil zu behaupten." Er verwahrt sich gegen das "Denunzieren". Er müsse sich von niemandem, der in Umfragen auf sieben oder acht Prozent komme, Beleidigungen gefallen lassen.

"Spinnefeind" scheint angesichts dieser Wortwahl nun wirklich nicht übertrieben.

Scholz und Wagenknecht haben so der Union in die Hände gespielt. Ihr Vertreter, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, folgte dem Disput denn auch lange Zeit wortlos.

Bessere Gegner kann sich die Union ja auch nicht wünschen.

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(mf)

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